Sonntag, 9. April 2017

Auf Punkt und Komma kommt es an

Nun war es soweit, tatsächlich ist meine Transplantation schon ein ganzes Jahr her. Daher stand die Ein-Jahres-Punktion an. In unserem Transplantationszentrum ist es üblich, dass nach einem Jahr punktiert wird. Davon abgesehen, dass dies offenbar eine der Lieblingsbeschäftigungen dieser Klinik zu sein scheint, macht dies durchaus Sinn. Bei uns wird ziemlich schnell punktiert. Ein Jahr nach der Transplantation wird so besser nachgeschaut und beurteilt, ob die Immunsuppression so passt. Eigentlich ist dies eine freiwillige Geschichte, und ich hätte dies vor einigen Monaten noch komplett abgelehnt. Denn mein Kreatinin war traumhaft. Ich hatte ja in meinem Block Eintrag über meine Rehabilitationsmaßnahme geschrieben, dass die Chef Ärztin meinte, ich sei Klassen Beste, ich hätte mit einem Kreatinin von 0,8 den besten Wert der ganzen Gruppe. Nach meiner Schilddrüsenoperation änderte sich dies doch leider. War früher ein Kreatinin von 1,18 mein schlechtester Wert und Grund zur Beunruhigung, war ich nun schon erleichtert, wenn das Kreatinin einmal bei 1,17 war. Daher entschieden wir, dass ich die freiwillig veranschlagte Jahrespunktion durchführen lassen sollte. Am 12. April 2016 wäre es genau auf den Tag ein Jahr gewesen, dass ich dort zur Transplantation war. Ich wollte aber etwas früher nachsehen, da es ja tatsächlich auch objektiv Grund gab, die Immunsuppression einmal überprüfen zu lassen, indem man das Gewebe anschaut. Dort könnten sich viele weiße Blutkörperchen sammeln, insbesondere Lymphozyten, die den Schluss zulassen, dass eine Abstoßungsreaktion vorliegt. Schließlich fanden wir eine Woche vor dem Jahrestag einen Termin am Dienstag den 4. April. Da sollte ich mich um 8:00 Uhr auf der Station einfinden. Ein paar Tage zuvor hatte ich noch eine Blutabnahme bei der Transplantationsambulanz und wurde von meinem Arzt genau aufgeklärt, wie die Punktion laufen würde, und welche Risiken entstehen könnten. Man würde mit einer kleinen Röhre, eine Art Zylinder blitzschnell in das Gewebe eindringen, wobei in der kleinen Röhre ein kleiner Haken wäre, der sich über ein seitlich an der Röhre angebrachtes Loch ein kleines Stück von der Niere klauen würde. Dies würde aber so schnell gehen, dass man es gar nicht merkt, und außerdem würde die Stelle zuvor örtlich betäubt. Dennoch hatte ich große Angst vor diesem Ereignis, denn man macht ja schließlich alles immer zum ersten Mal, und wie schon Hans Albers sinkt, „beim ersten Mal da tut's noch weh“. Danach würde mir ein Sandsack auf die Niere gelegt, und ich sollte 24 Stunden Bettruhehaben. Am Dienstag kam ich also, nachdem ich schon um 6:00 Uhr aufgestanden war und gefrühstückt hatte, mit dem Taxi an und wurde vom Fahrer direkt auf Station gebracht. Man sagte mir aber, ich hätte mich vorher anmelden müssen, denn mein Kärtchen würde ja eingelesen werden. Das ist aber immer mit der Ziehung einer Nummer verbunden, was für blinde, die meistens mit einer Anlage ohne zwei Sinne Prinzip konfrontiert werden, ziemlich kompliziert ist. So bot sich ein Pfleger an, schnell nach vorne zu gehen und mein Kärtchen einlesen zu lassen mitsamt der Befreiung. Einige der Pfleger erkannte ich wieder, andere kannten mich noch. Zunächst einmal wurde ich von der Schwester aufgenommen, und danach durfte ich meine Tasche aufs Zimmer bringen. Dann kam ein junger Arzt im praktischen Jahr, der mich ärztlicherseits aufnehmen und untersuchen sollte. Meine Medikamente hatte ich auswendig im Kopf. Als wir gerade die Liste zur Hälfte durchgegangen waren, kam die Schwester herein und meinte, es sei so weit, ich solle jetzt in den Ultraschallraum gebracht werden, dort könnte ich mich umziehen. Ich durfte dort meinen Schlafanzug anziehen, es seien nur Frauen anwesend, die Punktion würde von einer Ärztin durchgeführt. Ich war sehr froh, denn es war die Ärztin, die ich schon vom letzten Jahr her kannte, und die sehr gut im Ultraschall war und außerdem noch sehr nett. Ich fand es schön, dass ich kein Operationshemd anziehen musste, nachdem ich ja danach noch 24 Stunden in diesem Gewand hätte verbleiben müssen. Nach längerem Warten kam dann die Ärztin. Ich war schon ziemlich aufgeregt, freute mich aber, dass sie mich noch wieder erkannte. Die örtliche Betäubung tat weniger weh als erwartet. Was am meisten weh tat war, als sie mit einer kleinen Röhre die Haut herunterdrückten, um die Stelle einzuzeichnen, nachdem man sie mit dem Ultraschall als die beste Stelle für die Punktion ermittelt hatte. Danach drückte die Ärzte mit einem Skalpell testweise in die Haut, aber es tat immer noch weh. Nach 5 Minuten wiederholte sie dies, und ich dachte, dies sei nur der Test, ob die Stelle schon taub sei. Ich monierte, dass es immer noch weh tut. Ich hörte dann ein Geräusch, das sich wie eine Spielzeugpistole anhörte, und sie sagte, so würde sich dann das Gerät für die Punktion anhören. Schon bat sie die Schwester um dieses Gerät und legte eine Platte aus Plastik auf die Punktionsstelle. Ich hatte schon Angst, da ich den Stich mit dem Skalpell vorher noch gespürt hatte. Dann hörte ich das Geräusch wie aus einer Spielzeugpistole, und es war schon vorbei. Das war alles, es hat überhaupt nicht weh getan. Sie hatte zuvor mit dem Skalpell schon einmal den Stichkanal gebohrt, durch den sie dann mithilfe des Gerätes das Gewebe holen wollte. Ich war wirklich überrascht, dass ich nicht einmal den leisesten Schmerz spürte. Dann kam der sogenannte Sandsack, wobei das Wort "Sack" wirklich irreführend ist. Es handelt sich hier um ein Kirschkernkissen großes Gebilde, das auf die Niere gelegt wird. Nachdem die Schwester die Stelle noch etwas abgedrückt hatte, legte sie diesen sogenannten Sandsack darauf und bannt mir ein Leibchen um, eine Bauchbinde, die sie zuvor aufgrund meiner zierlichen Figur etwas zu schmal ausgewählt hatte. Mit einem Sandsack dazwischen hätte ich überhaupt keine Luft mehr gekriegt, denn auch ohne Sandsack war diese Bauchbinde viel zu kurz gewesen. So nahm sie eine riesengroße, die wesentlich bequemer war. Ich wurde dann so liegend ins Zimmer zurückgefahren. Nun sollte ich 4 Stunden so auf dem Rücken bleiben, danach würde noch einmal ein Ultraschall gemacht, der Sandsack würde dann entfernt, und ich müsste noch weitere 20 Stunden im Bett bleiben. Ich dachte eigentlich, das Schlimmste hätte ich überstanden. Weit gefehlt, die 4 Stunden waren wirklich die Hölle in Dosen. Die Betten waren wirklich nicht sehr bequem, und ich bekam, die ich nicht gewohnt bin, solange auf dem Rücken zu liegen, höllische Rückenschmerzen auf der linken Seite, die sich von ganz oben bis nach ganz unten zogen. Nach einer Weile musste ich auf Toilette, und eine Schwester kam, die ich schon vom letzten Jahr her kannte. Ich bat sie, ob sie mir eine Schüssel geben könnte. Sie stellte mir die Schüssel hin, und ich machte eine Brücke. Ich dachte, sie würde den Rest erledigen, da schimpfte sie schon, ich solle doch gefälligst meine Hose auch noch runterziehen. So ginge das ja schließlich nicht, das müsse ich schon selbst machen. Dann fragte ich sie, ob ich richtig auf der Schüssel säße, und sie meinte, das müssen die Patienten schon selbst beurteilen, drehte sich um und ging unfreundlich davon. Ich war wirklich in Tränen, da ich dachte, schon wieder habe ich so eine Person erwischt, die so wenig hilfsbereit ist. Ich konnte nur loslegen, nachdem ich mich fast in eine aufrechte Position gebracht hatte. Das hätte ich eigentlich nicht tun dürfen, denn ich hätte ja liegen sollen, ohne die Bauchdecke anzuspannen. Nach einer Weile kam die Schwester zurück, und ich sagte ihr, dass ich fast blind sei. Das wusste sie aber noch. Als sie mir dann half, mich zu säubern, stellte sie fest, dass im Urin Blut war. Das kann nach einer Punktion passieren, denn die Niere blutet ja, und dies geht dann mit dem Urin nach draußen. An sich ist dies kein Problem, es können sich aber Gerinnsel bilden, die dann die Blase verstopfen, und in diesem Fall müsste dann ein Spülkatheter gesetzt werden, um die Blase mit Wasser durch zu spülen, damit sich die Koagel auflösen. Die Stationsärztin kam und erklärte mir, ich müsse viel trinken, ich solle jetzt diese Flasche hier ganz leer machen, und dann stellte sie mir gleich die nächste hin. Ich hatte zuvor die Schwester gefragt, was wir tun könnten, mein Rücken Täter höllisch weh. Ich hatte eigentlich erwartet, dass die Schwester mir sagt, dass dies bei allen Patienten so ist, und dass sie daher eine Möglichkeit hätte, oder dass sie dafür ausgerüstet seien, und sie mir einen Keil oder ein besonderes Kissen bringen könnte. Stattdessen meinte sie nur lapidar, sie müssen liegen bleiben, das ist so, sie dürfen nicht aufstehen. Das wusste ich ja, meine Frage zielte auch nicht darauf hin ab, ob sie eine Ausnahme machen könnte und Gnade vor Recht ergehen lassen würde, sondern darauf, ob sie vielleicht eine Abhilfe hätte. Ich beklagte mich bei der Ärztin und meinte, ich hätte von der Krankenschwester schon einen Vorschlag erwartet, woraufhin die Ärztin meinte, das hätte sie tun müssen. Sie bat die Schwester, die hereinkam, mir doch ein weiteres Kissen zu bringen. Außerdem gab sie mir Novamintropfen gegen die Rückenschmerzen, da mir ja nichts anderes übrig bleiben würde, als die 4 Stunden auszuhalten. Ich habe einfach aufgrund meines schlechten Sehens keine gute Haltung und einen etwas verzogenen Rücken, daher fällt es mir extrem schwer, auch nur kurze Zeit auf dem Rücken liegen zu bleiben. Das Schmerzmittel half wenig, denn der Schmerz saß ja ziemlich tief. Die Ärztin versprach mir, sollte ein Katheter gelegt werden müssen, würde ich eine leichte Narkose bekommen, denn ich habe eine ziemlich enge Harnröhre. Selbst bei einer normalen Blasenspiegelung habe ich daher höllische Schmerzen. Die Aussicht, dies nun über mich ergehen lassen zu müssen, trübte meine Stimmung erheblich. Nach einer Weile kam ein Pfleger, anhand dessen Akzent ich feststellte, dass er wohl aus Spanien war. Ich sprach ihn auch darauf an, und so sprachen wir eine Weile miteinander auf Spanisch. Dies freute mich sehr, und er lobte auch mein Spanisch. Er meinte, angeblich würde ich besser Spanisch sprechen als er Deutsch, ich konnte dem nicht widersprechen, weil ich dazu zu lange hätte überlegen müssen, wie ich das genau formuliere . Er meinte, Deutsch sei wesentlich schwieriger, da musste ich ihm allerdings zustimmen. Sein Deutsch war wirklich sehr gut, besser als mein Spanisch, was ich aber, wie gesagt, nur sehr umständlich hätte ausdrücken können. Er hatte wahrscheinlich gehofft, dass ich ihm sofort widerspräche, daher brachte er den Einwand an, dass Deutsch ja schließlich wesentlich schwerer sei, was ich aber aufgrund meines Unterrichts bei den Rumänen tatsächlich auch aus vollem Herzen bestätigen kann. Zuvor hatte ich mit angehört, wie der spanische Pfleger auf dem Flur zu jemandem sagte, Frau hat ein Kreatinin von 1,6. Da bin ich furchtbar erschrocken. Als er dann bei mir war, fragte ich ihn, ob das stimmt, und er meinte, wenn er das so gesagt hätte, dann müsse das wohl auch so sein. Ich grübelte darüber nach, ob ich die Niere vielleicht geärgert hätte mit der Punktion, und sie daher mit einem hohen Kreatinin reagiert hatte. Denn so stark war es noch nie angestiegen. Bei der Entlassung aus dem Krankenhaus nach der Transplantation lag es bei 1,3. Irgendwann kam dann ein polnischer Pflege herein, den ich an seiner Stimme erkannte, da ich ihn ein paar Mal im Nachtdienst erlebt hatte, als ich ein Jahr zuvor transplantiert wurde. Während meiner Reha hat mir ein mit Patient erzählt, dass dieser Pfleger total super sei, was ich damals noch nicht bestätigen konnte, da ich ihn nur kurz gesehen hatte. So richtete ich ihm schöne Grüße dieses Patienten aus und meinte, dieser habe ihn so sehr gelobt. Da freute er sich sehr. Dass er wirklich ein toller Kerl war, konnte ich bald selbst sehen. Allerdings hatte ich wahrscheinlich auch aufgrund meiner Äußerung einen Stein bei ihm im Brett, da ich ihm eben dieses Kompliment des Mitpatienten mitgeteilt hatte. Außerdem hat er sich sicher gefreut, dass ich ihn gleich wieder erkannt hatte. Nach einer Weile war mir fast schlecht vor Hunger, denn ehe die zweite Ultraschalluntersuchung nicht stattgefunden hatte, durfte ich nichts essen, falls doch etwas nicht in Ordnung war, und man hätte operieren müssen. Wobei mir die Ärztin sagte, dass selbst eine größere Blutung meistens von selbst wieder verschwindet, und dass man in seltenen Fällen nur eingreifen müsste, das aber schlimmstenfalls eben dieser Katheter gelegt werden müsste. Dafür muss man aber eigentlich nicht nüchtern sein. Dies war wahrscheinlich einfach eine Sicherheitsmaßnahme. So fragte ich den Pfleger, ob ich etwas essen dürfte, und er meinte, das ginge eben nicht. Als ich dann noch mal auf die Schüssel ging, stellten wir fest, dass kein Blut mehr drin war, und zwar schon zum zweiten Mal. Mittlerweile hatte ich nämlich mindestens 2 l Wasser getrunken wie ein indischer Wasserbüffel. So sagte er mir, ich könne jetzt zum Ultraschall, man könne jetzt die Untersuchung machen. Er würde sich sofort erkundigen. Nach einer Weile kam er wieder, jetzt ginge es zum Ultraschall. Ich fragte ihn, ob er mir , da das Mittagessen sowieso schon längst ausgeteilt worden war, ein Stück Kuchen und einen Cappuccino aus der Cafeteria holen könnte. Er meinte, jetzt könne er das noch tun, aber es würde alles kalt werden, bis ich vom Ultraschall zurück sei. Später wisse er nicht, ob das noch ginge, und er dann noch die Zeit dazu hätte. So gab ich ihm das Geld und bat ihn, den Kaffee zu holen, wenn dieser dann kalt würde, wäre mir das auch egal, besser als gar keinen. Nach einer Weile erschien er dann mit beiden Dingen im Ultraschall und meinte, die Ärztin sei noch nicht da, ich könne ja den Cappuccino und den Muffin schon einmal zu mir nehmen, dann sei der Kaffee wenigstens noch warm. Ich fand das lustig, im Ultraschallraum im Bett zu sitzen und Kaffee zu trinken und Kuchen zu essen. Die Oberärztin würde gleich kommen, so wurde mir gesagt. In der Zeit, bis sie kam, hätte ich mindestens drei Stück Kuchen und drei Cappuccino vertilgen können. Als sie dann kam, streckte ich ihr meinen leeren Becher entgegen und bat sie, diesen wegzuwerfen, da ich hier ein kleines Picknick veranstaltet hätte. Langmütig nahm sie den Becher entgegen und lächelte wohl. Dann erklärte sie mir, nachdem sie den Ultraschall durchgeführt hatte, dass alles in Ordnung sei. Bei der Biopsie sei aber schon ein Ergebnis absehbar, es lägen schon die ersten Resultate vor, es handele sich um eine leichte Abstoßung. Darüber war ich sehr erschrocken. So teilte ich ihr das Kreatinin von 1,6 mit, wobei sie meinte, das habe nichts mit der Punktion zu tun, ich hätte einfach Glück gehabt, dass ich jetzt gekommen sei, man könne dies jetzt noch abfangen. Ich würde einen Cortisonstoß erhalten, man würde am Dienstag, also am selben Tag noch, damit beginnen, am Mittwoch und am Donnerstag bekäme ich dann auch noch einmal 250 mg Cortison über die Vene, danach kämen noch zwei Tage mit 100 mg und danach noch zwei Tage mit 50 mg, dann könnte ich wieder ganz normal meine 5 mg einnehmen. Ich fragte sie, ob ich dann am Donnerstag wieder entlassen würde, und sie meinte, nach der Infusion könnte ich sofort nach Hause. Denn von unserer Redaktion stand ja noch unser Weihnachtsessen an, welches wir kurz vor Ostern endlich nachholen konnten. Es war mir sehr wichtig, an diesem Essen teilzunehmen, da mir das Radio riesengroßen Spaß macht. Die Bauchbinde und den Sandsack nahm die Ärztin, so dass ich mich jetzt im Bett frei bewegen konnte, jedoch durfte ich noch nicht aufstehen. Ich fragte sie, ob das erhöhte Kreatinin, dass ich ja vorher schon mit um die 1,2 hatte, durch die Schilddrüsenoperation verursacht worden sei, woraufhin sie meinte, das sei reiner Zufall, wir Menschen tendieren dazu, Dinge, die gleichzeitig geschehen, in Beziehung zu setzen und für alles eine Ursache finden zu wollen. Die gäbe es aber nicht in jedem Falle. Ich war ziemlich traurig und wartete auf die Infusion. Die Zeit Vertrieb ich mir damit, Musik und Beiträge anderer blinder Hörer mit meinem Notizgerät zu genießen, und indem ich allen über die leichte Abstoßung über WhatsApp informierte. Der Blasenkatheter war jetzt zumindest schon mal vom Tisch, umgekehrt wäre es mir lieber gewesen zu dieser Zeit, die Schmerzen vom Blasenkatheter, dafür aber keine Abstoßung. Als nach Stunden immer noch keine Infusion kam, dachte ich, die haben mich vergessen. Ich war stinksauer. Eine Krankenschwester kam herein, und ich sagte ihr, dass ich aufgrund meiner Mehrfachbehinderung sowieso schon wenig vergnügen hätte, und dass ich unbedingt am Donnerstag entlassen werden wollte, um an diesem Essen teilzunehmen. Wenn jetzt kein Cortison käme, müsste ich bis Freitag bleiben, und ein ganzer Tag würde so verschwendet. Die Schwester wollte gerade ausholen und sagen, ich solle ihr jetzt bitte zuhören, die Ärztin sei nicht mehr da usw. Da brachte sich der tolle Pfleger wieder ein und holte tatsächlich die Ärztin. Die erklärte mir sehr freundlich, dass ein Missverständnis vorgelegen hätte. Ich hätte ihr den falschen Wert weitergegeben, ich hätte kein Kreatinin von 1,6 sondern von 1,06. Dieser Wert sei zu diesem Zeitpunkt noch nicht bei ihr angekommen gewesen, aber nachdem ich ihr gesagt hätte, ich hätte ein Kreatinin von 1,6, hatte sie sich für einen Cortisonstoß entschieden. In Anbetracht der anders gelagerten Situation sei dies jedoch nicht notwendig. Daher sei auch niemand mehr gekommen, ich könne morgen nach Hause. Da meinte ich etwas verlegen, nun war doch wieder ich diejenige, die dieses Missverständnis verursacht hatte. Sie war aber sehr nett und meinte, die Hauptsache ist doch, dass alles in Ordnung ist. Es läge zwar eine leichte Abstoßung vor, es hätten sich T-Lymphozyten im Biopsat in erhöhter Zahl ermitteln lassen, doch müsse man lediglich die bestehende Medikation etwas ändern, ich bräuchte einfach mehr Advagraf. Man würde es von 8 mg auf 9 mg erhöhen. Ich war sowieso schon immer eine, die eine sehr hohe Dosis brauchte, um einen halbwegs vernünftigen spiegelhinzukriegen. So war ich erleichtert und schrieb wieder an alle, dass nun doch alles o. k. sei, ich keinen cortisonstoßbekäme und morgen nach Hause dürfte. Dann fragte ich noch den Pfleger, ob er mir mein Handy und mein Notizgerät in die Steckdose stecken könnte, und er holte sogar noch ein Verlängerungskabel mit einer Dreiersteckdose, sodass ich beide Dinge bequem einstöpseln konnte. Ich dachte, heut ist der Tag der Wünsche, am liebsten hätte ich ihn mit nach Hause genommen, da er mir wirklich jeden Wunsch erfüllen konnte. Wie der sich reingehängt hat, so etwas erlebt man wirklich selten. Wir waren schon zu dritt im Zimmer, eine der Damen war etwas komisch. Ich hatte nämlich eine Tablette zu wenig, und eine der Zimmerkolleginnen hat sich angeboten, da sie sowieso auf dem Weg ins Schwesternzimmer war, für mich nachzufragen. Da meinte die ältere Dame, „Nein, die soll klingeln, das hat ihr die Schwester extra gesagt.“ Alleine schon die Anrede fand ich unmöglich, und auch noch, dass sie sich einmischte, als mir jemand Hilfe anbot. Schließlich war dies meine Sache, ob ich die Hilfe annehmen oder ablehnen wollte. Ich hielt es für wenig sinnvoll, zu klingeln, die Schwester erst an tanzen zu lassen, ihr dann zu sagen, was ich will, so das diese wieder weggehen und mit dem richtigen Medikament wieder zurückkommen müsste. Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt vergessen, dass sich an der Klingel auch eine kleine Sprechanlage befand. Diese ältere Dame, die offenbar mit 100 km/h durch die Kinderstube gerast sein musste, sprach die ganze Zeit über mich in der dritten Person per "die" , wobei ich offenbar keinen Namen hatte, den sie, im Gegensatz zu der Bemerkung der Schwester, ich solle klingeln, offenbar nicht mitbekommen hatte. Außerdem behauptete sie, man dürfe keine eigenen Medikamente von zu Hause mitbringen. Ich sagte ihr, dass die Schwester mich extra gefragt hatte, ob ich meine eigene Medikamente dabei hätte, worauf sie meinte, das habe sie nicht gehört. Ich beteuerte ihr dies, und sie winkte ab, ja, schon gut. Das fand ich ziemlich unverschämt. Wahrscheinlich war ich ihr zu beharrlich, aber ihre Märchen und Gerüchte, man dürfe dies oder jenes nicht, fand ich auch blöd. Schließlich musste ich ja wegen meiner Endometriose mein Medikament mitnehmen, das mir ja trotz der medizinischen Indikation nicht von der Kasse bezahlt wird. Daher wird sie auch im Krankenhaus nicht gestellt. Die andere Frau war aber sehr nett, ich bot ihr an, dass sie mich beim Vornamen nennt, und sie tat dasselbe, wir blieben aber beim Sie. So fand ich das passend. Wir konnten uns auch eine Weile unterhalten, ich fand sie sehr angenehm und sympathisch. Auf dem Flur hörten wir dauernd Lärm , denn im Nachbarzimmer war ein Mann, der offenbar in irgend einem Durchgangsstadium war, denn er schrie die ganze Zeit Hallo, Schwester, Hilfe usw. Es war furchtbar, auch als der freundliche Pfleger im ziemlich energisch sagte, hier seien auch noch andere Patienten, hörte er nicht damit auf. Seine Zimmerkollegen waren so von ihm genervt, dass man ihn mit dem Rollstuhl auf den Flur setzte, so das nicht nur sein Zimmer in den Genuss seiner Schreyerrei kam sondern die gesamte Station. Selbst dann, wenn die Pfleger zu ihm kamen und ihm etwas brachten, schrie er sofort wieder herum. Solche Brüller gibt es offenbar überall, denn diese Sorte von Patienten ist mir schon öfter begegnet, nachdem ich ja schon häufig im Krankenhaus war. Da ich schon so lange im Bett gelegen hatte, war ich ziemlich unruhig, genoss aber weiterhin die Hörbeiträge und die musikalischen Darbietungen verschiedener blinder Kollegen, da wir eine Zeitschrift haben, in der wir all diese Dinge sammeln. Diese war zur rechten Zeit vor Antritt meines Krankenhausaufenthaltes noch gekommen, sodass ich sie herunterladen konnte. Leider war ich zu blöd, sie auf mein Smartphone zu laden, da sie nicht zu entpacken ging, aber zum Glück habe ich ja noch mein gutes altes Notizgerät. Mitten in der Nacht kam dann noch eine vierte Patientin, eine Russlanddeutsche, die obendrein auch noch ziemlich gesprächig war, sodass wir die restlichen Stunden, bis die Schwester zum Wecken kam, auch nicht wirklich schlafen konnten. Zwischendurch hörte man immer mal wieder den Mann brüllen, so das an Nachtruhe kaum zu denken war. Als ich dies meiner Mutter erzählte, da ich häufig einmal solche Begebenheiten einfach so berichte, kam sofort wieder ein Ratschlag, ich solle doch denken, schließlich sei es doch nur für eine Nacht gewesen. Dabei erzählt man so etwas einfach nur, weil man wie jeder andere Mensch eben auch von seinen Erlebnissen berichtet. Als ich im Rahmen meiner Transplantation meiner Mutter erzählte, dass das Essen so komisch schmeckte, meinte sie, mein Vater habe im Krieg nur eine einzige Frikadelle bekommen, und die sei fürchterlich gewesen, und ich solle doch froh sein, dass ich überhaupt etwas zu essen kriege. So viel emotionale Unterstützung erhalte ich von zu Hause. Allerdings löse ich solche Reaktionen meistens bei den anderen Menschen aus, die dann nicht mitschwingen oder emotional genauso reagieren wie ich, sondern die mir dann irgendwelche Tipps geben oder mir erklären, dass dies halt immer so sei, und dass man so etwas halt öfter hat, und dass man mit so etwas eben klarkommen müsse. Das weiß ich ja auch, aber ich möchte mich einfach auf Augenhöhe unterhalten können. Am Morgen kam dann die Schwester, und danach gab es Frühstück. Im Laufe des Vormittags wurde ich von einer anderen sehr netten Ärztin noch einmal zum Ultraschall abgeholt, wobei ich schon vor der Ultraschallkontrolle hiermit meine bettruhe beenden durfte. Danach wurde entschieden, dass ich tatsächlich entlassen werden konnte. Ich stand also auf und ging gemütlich ins Bad, duschte und grämte mich ein und wollte mich gerade gemütlich anziehen, als die Schwester hereinkam und meinte, mein Zimmer würde schon wieder neu belegt, sie würde mir helfen, meine Tasche zu packen. In der Hektik konnte ich all meine Kleidungsstücke im Bad gar nicht mehr alleine wieder finden, da diese auch nicht wie zu Hause an meinem gewohnten Platz lagen. So half mir die Schwester und reichte mir die verschiedenen Kleidungsstücke an, und ich beeilte mich. Dann wurde ich mitsamt meinem Gepäck ins Foyer gesetzt, wo ich dann auch gleich mein Taxi rufen konnte, nachdem mir gesagt wurde, dass die Ärztin noch einmal zu einer Besprechung zu mir kommen würde. Sie ging gerade an mir vorbei und meinte, ich sei auch gleich dran. Gleich ist aber im Krankenhaus ein wirklich dehnbarer Begriff. In der Zwischenzeit war schon der Taxifahrer angekommen. So fragte ich im Schwesternzimmer noch einmal nach, und sie riefen bei der Ärztin an. Diese kam dann auch sofort und meinte, sie habe mir doch gesagt, dass sie gleich da sei. Ich sagte ihr, das wüsste ich, aber mittlerweile sei eben bereits der Taxifahrer gekommen, und der wartet. Sie war sehr freundlich und erklärte mir noch einmal, dass es sich um eine Borderline-Abstoßung handele, dass also die Abstoßung grenzwertig sei. Ich sagte ihr, alles, was den Namen Borderline enthält, sollte man meiden, das ist immer verdächtig. Da musste sie auch lachen. Wer will schon Borderline haben, meistens ist dies eine unangenehme Diagnose, auf jedem Fachgebiet. Normalerweise wird nach einem Jahr der Tacrolimus-Spiegel zwischen vier und sechs im Blut gehalten, bei mir sei er aber zu niedrig gewesen. Er schwankte bei mir meistens zwischen 4,8 und 6,0. Da ich jedoch eine Borderline-Abstoßung habe, muss auch nach einem Jahr bei mir der Spiegel zwischen fünf und sieben bleiben. Wie besprochen erhöhten wir lediglich das Advagraf auf 9 mg, und sie gab mir den Arztbrief in dreifacher Ausführung mit, einmal für den Hausarzt, einmal für mich und einmal für die Transplantationsambulanz. Warum er dann drei Tage später noch einmal mit der Post kam, verstehe ich nicht ganz. So durfte ich nach Hause fahren und war froh, alles überstanden zu haben, wenn auch eine leichte Abstoßung vorliegt, die aber zumindest so geringfügig ist, dass keine weiteren Maßnahmen erforderlich waren. Das Kreatinin war auch an diesem Tag wieder bei 1,1, diese beiden Werte waren so niedrig wie schon lange nicht mehr. Als ich nämlich kam, hatte die Transplantationsambulanz vergessen, die Blutwerte an das Transplantationszentrum zu schicken, und diese kamen dann per Fax. Da war das Kreatinin noch bei 1,19. Das höchste war einmal 1,44, schon damals hatten wir überlegt, ob wir die Jahrespunktion vorziehen, das Kreatinin hatte sich dann damals aber wieder auf 1,17 verringert. Ich kann nur hoffen, dass die Dosis von 9 mg Advagraf ausreicht, und ich nicht wieder auf 11 mg gehen muss, da dies ziemlich unangenehme Nebenwirkungen hat, wie zum Beispiel Schlappheit oder Würgereiz. Außerdem bleibt zu hoffen, dass Das Kreatinin unter der stärkeren Immunsuppression jetzt wieder besser wird und bleibt, und dass die Niere nicht weiter angegriffen wird von T-Lymphozyten oder anderen Blutzellen. Ich hoffe auch sehr, dass meine Fitness, die ich jetzt endlich wieder etwas erlangt habe, nicht durch die Erhöhung des Medikamentes wieder nachlässt. Als ich nach Hause kam, war ich total erschöpft. Keiner kann sich vorstellen, wie ermüdend vier und 20 Stunden Bettruhe sind. Ich dachte eigentlich, dass ich danach energiegeladen sein würde. Das Gegenteil war der Fall, ich sehnte mich nur noch nach meinem eigenen Bett. Wenn ich einmal so müde bin, muss ich tatsächlich ausruhen, egal, ob es Tag ist oder Nacht. Das kann man nicht überwinden oder überspielen, dann ist wirklich Bettruhe angesagt. In solchen Momenten denke ich immer, das bleibt jetzt so, aber am nächsten Tag ist dann alles wieder wie weg geblasen. Solche Erschöpfungszustände habe ich manchmal, wenn nämlich viel los war, ich mich überanstrengt oder übernommen hatte, oder wenn ich aus dem Krankenhaus wiederkam. Zum Glück dauerte dieses Gefühl diesmal nur einen Tag, und am nächsten Tag konnte ich schon wieder Unterricht bei den Rumänen geben und tatsächlich auch an unserem nachgeholten Weihnachtsessen unserer Redaktion teilnehmen. Ich kann nur hoffen, dass so schnell eine Punktion nicht mehr erforderlich sein wird, und dass das Kreatinin dauerhaft so niedrig bleibt. Die Punktion an sich war eigentlich überhaupt nicht schlimm, das Schlimmste war tatsächlich die Bettruhe und vor allem die 4 Stunden in Rückenlage. Aber das mag auch jeder anders empfinden, vielleicht würde ich das nächste Mal in einem wesentlich bequemeren Bett liegen, aber ich hoffe, so schnell gibt es kein nächstes Mal. Auch sagte ich der punktierenden Ärztin , als sie sich verabschiedete, ich hoffe, dass wir uns so schnell nicht wieder sehen. Sie war danach etwas wortkarg, ich fürchte, den Scherz hat sie nicht ganz verstanden. Aber ich glaube, die Ärzte wissen schon, wie das gemeint ist.

Was hab' ich, und wenn ja, wieviele?

Nun sind also meine ganzen gesammelten , gestammelten oder noch besser gesagt gestapelten Diagnosen vorhanden. Auch meine Augenärztin hat jetzt vor einiger Zeit das Charles Bonnet Syndrom bestätigt. Sie schreibt, dass aufgrund meines sehr schlechten Sehens zu wenig Input auf den Afferentenbahnen zum Gehirn bestünde, weshalb die Seezellen auf der Sehbahn nicht mehr gehemmt würden, sozusagen eine Desinhibition, also Enthemmung, oder noch komplizierter gesagt eine Hemmung der normalerweise bestehenden Hemmung vorliegen würde, wodurch die Zellen unmotiviert feuern. Dadurch entstehen dann eben diese Farbschleier oder Flimerskotome. Als ich mit meinem Nierenarzt darüber sprach, meinte er, darüber haben wir bereits diskutiert, mehr war da aus ihm nicht mehr heraus zu holen, ich hatte gehofft, dass er vielleicht näher auf den Zusammenhang des Augenflimmerns und meiner Grunderkrankung, der Medikamenteneinnahme und meiner verschiedenen Stoffwechsellagen eingehen würde. Nein, all das, was ich hätte, könnte kein Augenflimmern machen. Dabei ist zum einen jeder Mensch anders, und zum anderen erst recht jemand, der eine seltene Erkrankung hat. Da kann ja alles mögliche einfach mal vorkommen. Auch habe ich die Milchprodukte wieder weggelassen, da ich das Augenflimmern verstärkt hatte, als ich wieder mehr mit Käse und Joghurt zu tun hatte, da ich diese Produkte heiß und innig liebe. Während ich calciumarm essen musste, habe ich auf all diese Dinge verzichtet, hatte aber auch weniger starke Sehstörungen, und ich hatte auch weniger Probleme mit der Haut. Als ich dann wieder zuschlug, denn nun durfte ich ja wieder, musste sogar, da aufgrund der Entfernung von 7/8 der Nebenschilddrüsen ja nun wenig Kalzium vorhanden war, ging es wieder verstärkt mit Neurodermitis und Augenflimmern los. Daher habe ich mir jetzt erst mal bis Ostern , sozusagen in der Fastenzeit, auferlegt, Käse und Joghurt wegzulassen, um zu testen, ob sich dadurch etwas bessern könnte. Die Neurodermitis ist so schlimm wie zuvor, das Augenflimmern hat sich gebessert, aber die Farbschleier sind immer noch da. Aber ich kann zumindest, wenn auch in Rosa und Grün oder inBlau oder Gelb meine Umgebung flimmerfrei wahrnehmen. Wenn ich die Ärzte frage, ob das mit dem Verzehr von Milchprodukten zu tun haben könnte, gibt es hier angeblich keinen Zusammenhang. Es wäre jetzt ziemlich irrational, weiter zu leiden, bis man eine offizielle Bestätigung der Ärzte erhält, wenn man selbst merkt, dass es einem ohne diese Produkte besser geht. Daher pfeife ich jetzt einmal auf die Bestätigung der Ärzte und probiere es weiter aus. Nach Ostern werde ich mal wieder diese Produkte einführen und sehen, ob sich etwas verschlechtert. Wenn sich nichts ändert, kann ich genauso gut auch weiter diese Produkte essen. Vielleicht lag es auch nur daran, dass ich im Dezember, als das verstärkt auftrat, gerade mal wieder frisch operiert war, und dadurch die Symptome wieder einsetzten. Das kann man aber nur durch Ausprobieren herausfinden. Wir Menschen sind halt keine Maschinen, auch wenn die Ärzte hier keinen Zusammenhang sehen, und es keine erklärbare Ursache gibt, gibt es doch Dinge zwischen Himmel und Erde, die wir uns einfach nicht erklären können, und die man halt einfach so hinnehmen muss. Nun aber zu meinen nicht-sichtbaren Diagnosen, die ich jetzt weiterhin hier so offen präsentiere, obwohl ich im Alltag nicht überall damit Hausieren gehen würde. Ich hatte ja in einem meiner Blogeinträge folgende Hoffnung geäußert: "Es wäre für mich eine riesengroße Erlösung, wenn endlich einmal all diese Zusammenhänge erkannt werden würden, so das ich aus der Psychoecke endlich befreit würde. Aber davon kann ich leider nur träumen, einmal gestellte Diagnosen werden nicht so einfach fallen gelassen, es gibt niemanden, der sagt, wir wissen jetzt, dass all diese früheren Etikettierungen Fehldiagnosen waren, wir sind heute weiter, damals wusste man das halt einfach noch nicht, das tut uns leid, heute sind wir eben weiter, jetzt können wir die richtige Diagnose stellen und ihrer Problematik angemessen gerecht werden." Auch hatte ich versucht, bei der Stiftung Anerkennung Hilfe zumindest eine ideelle Anerkennung meiner gemachten Erfahrungen zu erhalten. Geld wollte ich keines, aber wenn sie etwas rausgerückt hätten, um mir eine Psychotherapie zu bezahlen, hätte ich nicht nein gesagt. Leider war ich auf der falschen Schule, nicht nur damals, sondern auch rückblickend, um eine Anerkennung zu kriegen. Denn dies gilt nur für Einrichtungen der Behindertenhilfe. Außerdem geht der Zeitraum der Förderung nur bis 1975. Ich wollte aber nur erreichen, dass zumindest einmal von kompetenter Seite anerkannt wird, dass ich durch eine falsche Schulform einfach ein Trauma erlebt habe. Dies würde in dieselbe Richtung gehen, wie ich es hier in diesem Zitat schildere, man würde mir sagen, man hat es damals einfach nicht richtig gemacht, man wusste es nicht besser, man würde das heute nicht mehr so machen. In meinen anderen Blogeinträgen habe ich ja genügend darüber geschrieben, dass ich lieber in ein Gymnasium für blinde und Sehbehinderte gegangen wäre, wo ich vielleicht nicht gemobbt worden wäre, zumindest nicht aufgrund meiner Blindheit. Wie in dem Eintrag, aus dem dieses Zitat stammt, bereits beschrieben, habe ich ja noch einmal die Diagnostik bezüglich Autismus durchführen lassen, um die auf tönernen Füßen stehende Diagnose noch zu festigen. Dabei hat ja auch die Psychologin bemerkt, weil ich so impulsiv und lebhaft war, dass öfter mal der Trinkbecher vom Tisch viel, wenn ich mit meinen Gesten etwas unterstrich, dass ich vermutlich auch ADHS haben könnte. Ich neige auch häufig dazu, Leuten ins Wort zu fallen, wofür ich heute wieder böse gerügt wurde. Das steht aber jetzt auf einem anderen Blatt, weiter mit den Ergebnissen. Tatsächlich hat sie eine ADHS diagnostiziert, und der atypische Autismus wurde bestätigt. Leider kam kein ganzer Autismus dabei heraus, nicht etwa, weil ich unbedingt gerne einen hätte, eine Diagnose heißt ja nicht, dass man die Krankheit will, sondern die Erkenntnis darüber, dass man sie hat. Diagnose bedeutet ja Anerkennung sozusagen von einem zum anderen, also, dass der Arzt beim Patienten erkennt, was er hat. Erst heute war ich zum ersten Mal bei einem Autismus Stammtisch, wo ich gleich zwei atypische Autisten kennen lernte, die meinten, atypischer Autismus bedeutet lediglich, dass sie einem weder nachweisen können, dass man es hat, noch, dass man es nicht hat, es sagt also gar nichts. Nun bin ich so schlau als wie zuvor. Das Trauma hat sie auch weiterhin aufrecht erhalten, wobei aber von der strukturellen Dissoziation nichts mehr dort steht. Dies bedeutet, dass bei mir Gefühle und Ereignisse getrennt sind, so das ich beim erzählen wenig Zugang zu meinen Gefühlen habe. Dies ist ein Schutzmechanismus, wenn man so häufig beim Zeigen seiner Gefühle negativ sanktioniert wurde, lässt man es halt irgendwann schlauerweise bleiben. Das hat dann eben den Nachteil, dass andere den Ernst der Lage gar nicht anerkennen. Wobei wir heute, als wir beim Stammtisch saßen, uns alle darüber wunderten, warum allein die Erzählung nicht genügt, die doch verbal aus sagt, dass etwas Schlimmes passiert ist, und warum man dann erst seine Gefühle auch noch mitliefern muss, damit die anderen realisieren, dass eine Sache schlimm ist. Zum Beispiel erzählte ich einmal meiner Helferin, dass mein Kater überfahren worden sei, woraufhin sie mit einem lapidaren o. k. reagierte. Als ich mich beschwerte, wo bleibt denn ihr Mitgefühl, meinte sie, ich hätte das so sachlich erzählt, daher könnte sie nicht mitfühlen. Dies wundert mich stark, denn alleine schon die Erzählung beinhaltet ja, dass die Sache traurig ist. Für mich ist dies implizit. Wenn mir jemand etwas erzählt, dann weiß ich vom Verstand her, dass es traurig ist, und ich stelle mir dann vor, wie das für mich wäre und zeige dann schon auch die passenden Reaktionen dazu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemandem gleichgültig ist, wenn seine Katze stirbt. Warum sollte man dann also, wenn jemand nicht die passenden Emotionen mitliefert, der Ansicht sein, es würde demjenigen gar nichts ausmachen? Dass man seine eigenen Emotionen nach den Emotionen des Gegenübers richtet, und sich nicht am Inhalt orientiert, ist sehr Neurotypisch. Das ist eben der Unterschied zwischen Autisten und Neurotypischen Menschen. Die verbale Information reicht. Daher meinte auch damals der Diagnostiker, der bei mir das Trauma anerkannt hat, dass es wahrscheinlich auch mit dem Autismus zusammenhängt, dass ich Schwierigkeiten habe, meinen Gefühlen den passenden Ausdruck zu geben zu dem, was ich sage. Allerdings haben wir beim Stammtisch festgestellt, dass die Männer hier anderer Meinung waren, es sei ja schließlich nicht ihre Katze, die gestorben sei, daher würden sie auch bei niemandem mitfühlen, der ihnen diese Mitteilung macht. Die einzigen beiden Frauen waren hier anderer Meinung, es ist schließlich allgemein klar, dass es traurig ist, wenn eine Katze stirbt. Die Psychologin hatte mit mir einen separaten Termin ausgemacht, um mir die Befunde vorzulesen, wobei sie auch noch einmal den gesamten Bericht mit all meinen Zitaten vorlas. Eigentlich bestand der Bericht größtenteils aus meinen eigenen Zitaten, die sie als Beispiele aneinandergereiht hatte. Sie schrieb zum Beispiel: „obwohl ich alle Wochenenden nach Hause durfte, hatte ich schreckliches Heimweh.“ Ich hatte ihr zuvor erklärt, dass mein Bruder, der weiter weg im Internat war, nur während der Ferienheim durfte, ich durfte zwar jedes Wochenende nach Hause, was etwas mehr war, als mein Bruder hatte, dies sei aber trotzdem schon schlimm genuggewesen, daher hätte ich eben auch Heimweh gehabt. Dann schrieb sie zum Beispiel: "Meine Ungeduld übertrug sich auf die Rehabilitanden, so das im Klassenzimmer Unruhe entstand, und die Schüler mir nichts glaubten.“ Oder so ähnlich, es kommt nur auf den ersten Teil des Satzes an. Ich hatte ihr zuvor erklärt, dass ich anfänglich teilweise innerlich ungeduldig war, aber sobald ich merkte, dass ich meine Ungeduld äußerlich zeigte, und diese sich auf die Rehabilitanden übertrug, habe ich mich beherrscht, meine Gefühle für mich zu behalten und die professionelle Rolle der Lehrerin nach außen an den Tag zu legen. Diesen Fehler machte ich nur zu Anfang, dass ich Zeichen von Ungeduld merken ließ. Die Gruppen waren aber insgesamt ziemlich unruhig und glaubten mir fachlich immer ziemlich wenig. Man muss ja aufpassen wie bei Journalisten, jetzt verstehe ich, was Interviewpartner meinen, wenn sie mit einer Aussage konfrontiert werden und dann beteuern, das Ganze sei aus dem Zusammenhang gerissen worden. Außerdem stand noch da: „aufgrund meiner komischen Art wurde ich auch im Internat gehänselt.“ So habe ich dies nie gesagt. Ich bestand darauf, dass sie noch dazu schreibt, dass auch andere Sehbehinderte vor mir aus diesem Internat herausgemobbt wurden. Auch das mit dem Übertragen der Ungeduld ließ sie dann weg. Bezüglich der ADHS schrieb sie, dass ich eine erhöhte Reagibilität hätte, mich also bei Ungerechtigkeiten oder nach einem Streit wesentlich mehr aufregen würde als andere. Dabei erwähnte sie, dass ich mich darüber beklagt hätte, prinzipiell die Verliererin zu sein. Da sagte ich ihr, jeder, der immer der Verlierer ist, würde sich irgendwann aufregen. Sie meinte: "Sie haben aber ADHS, wer weiß, vielleicht hätten Sie sich auch schon beim ersten Mal aufgeregt, selbst wenn es Ihnen nicht so häufig passiert wäre. Die Tatsache, dass es Ihnen oft passiert, macht es halt nur noch schlimmer." Wir konnten das dann aber irgendwie klären, dass dies nichts mit über Sensibilität zu tun hat. Man beschäftigt sich nur einfach länger mit Ungerechtigkeiten oder Streitereien, die einem einfach länger nachgehen als Menschen ohne ADHS. Außerdem schrieb sie dann noch hinein: "Die Patientin imponiert fordernd, sie besteht darauf, dass ihre Diagnosen endlich zusammengeführt werden, und sie wünscht sich, dass ihre Leiden anerkannt werden." Dies fand ich etwas schade, denn wir hatten darüber gesprochen, dass ich ziemlich große Mühe hatte, dass meine Diagnosen anerkannt wurden, und dass ich zu ziemlich vielen Anlaufstellen gehen musste, ehe sie gestellt wurden, und sie meinte, das käme bei den Ärzten zwar so rüber, als ginge man mit seinen Diagnosen Hausieren, da ich dann die gesammelten Befunde immer wieder zum nächsten Arzt mitnahm, aber sie räumte ein, mir sei ja schließlich nichts anderes übrig geblieben. So dachte ich, dass sie Verständnis für meine Situation hat. Ich sagte außerdem, dass die Erlebnisse im Internat noch nicht wirklich anerkannt wurden. Daraufhin meinte sie, ich hätte doch jetzt immerhin die Diagnose einer posttraumatischen Belastungsstörung. Ich sagte ihr, dass ich dafür aber extra hätte bezahlen müssen, damit mich jemand so gründlich untersucht, dass er das rausfindet, und außerdem hätte ich ja die Diagnostik selbst initiiert, von selbst ist ja niemand drauf gekommen, und das ist ein Unterschied, ob man die Ärzte erst mit der Nase drauf stoßen muss, oder ob einen jemand von sich aus zu dem entsprechenden Diagnostiker hinschickt, dann zählt hinterher das Ergebnis auch mehr, als wenn man hinterher ein selbst in Auftrag gegebenes Gutachten den Ärzten vorlegt. Da meinte sie, dass ich die Diagnostik selbst veranlasst habe, stünde ja schließlich nicht drinnen, das wisse ja keiner. Dennoch hat sie dann, als ich den Brief in Händen hielt, hineingeschrieben: "Patientin hat all ihre Diagnosen selbst erwirkt.“ Was das sollte, weiß ich nicht, warum musste dies unbedingt erwähnt werden? Zwischen den Zeilen heißt dies, dass ich darauf gedrungen habe, und dass kein anderer auf die Idee gekommen war, bei mir an ein Trauma oder an Autismus oder ADHS zu denken. Bei dem Entwurf, den sie mir vorlas, stand noch, dass ich häufiger Missverständnisse hätte, diese aber per E-Mail klären KONNTE. Wir klärten dann noch das Missverständnis wegen der Hyperreagibilität bei ADHSlern. Danach kam eben irgendwann der Befund. Ich hatte sie gebeten, ob sie den Befund vielleicht auch an unser Klinikum schicken könnte, denn dort wäre er dann im Zentralcomputer gespeichert, und alle Abteilungen könnten auf diesen Befund zurückgreifen. Ich hatte aber damals im Klinikum ja die Diagnose ADHS nicht erhalten, sodass dies wie ein Triumph wirken könnte, seht mal, nun hab ich sie doch noch gekriegt. Daher musste man schon abwägen, ob man diesen Schritt geht. Ich gab ihr die Adresse der damaligen Diagnostikerin. Als dann mein Befund kam, las ich: "Es kommen häufig Missverständnisse auf, welche die Patientin per E-Mail zu klären VERSUCHT. Das mit dem bloßen Versuch einer Klärung per Mail stand beim Entwurf, den sie mir vorgelesen hatte, noch nicht so dort. Zusätzlich stand dann in der Endfassung auf einmal auch noch da, es sei auffällig, dass "die Patientin ihre Diagnosen mehrfach absichert und dann ihre vorherigen Anlaufstellen über die aktuellen Ergebnisse informiert." Dies kommt tatsächlich etwas schräg rüber. Das hört sich an, als hätte ich eine querulatorische Natur. Ich fragte sie schonwährend der Diagnostik, ob ich ihr vorkäme wie michael Kohlhaas, was sie aber jedes Mal freundlich verneinte, wenn ich bei ihr war. Daher war ich schon etwas enttäuscht, dies dann in meinem Befund zu lesen. Das schärfste aber war, dass sie die Diagnose "Anpassungsstörung", die ich einmal im Südklinikum offenbar von den Nephrologen während meines Aufenthaltes aufgrund einer Blutdruckkrise erhalten hatte, wieder übernahm. Wir hatten einmal über das Thema Anpassungsstörungen gesprochen. Dies bedeutet nicht, dass man nicht in der Lage ist, sich an die Gesellschaft anzupassen, sondern es bedeutet, dass man Mühe hat, sich an eine gravierende Veränderung und einen großen Einschnitt im Leben anzupassen, wie an eine schwere Krankheit oder Behinderung, frühe Trennung von zu Hause , Internat, Tod eines Angehörigen, oder Frühberentung. Ich habe einmal gelesen, Anpassungsstörungen seien die Vorstufe eines Traumas, wohingegen die Psychologin sagte, es sei die Vorstufe einer Depression. Später hörte ich dann, man schreibt immer Anpassungsstörungen, wenn einem nichts besseres einfällt, man aber unbedingt eine Diagnose braucht. Ich hatte aber nun genügend andere Diagnosen zu bieten, als dass man dieses leicht abwertende Allerweltsetikett hätte stehen lassen müssen. All die Beispiele, die ich für eine Anpassungsstörung hier aufgezählt habe, stammen aus meinem Leben. Ich hatte also eine ganze Menge, an was ich mich anzupassen hatte. Was mich aber absolut ärgerte war, dass sie mir folgende Diagnose verlieh: „Schwierigkeiten mit den Problemen der Lebensbewältigung“. Davon abgesehen, dass diese Formulierung tautologisch ist und nichts anderes aussagt, als dass man ein Problem damit hat, ein Problem zu haben, fühle ich mich in meiner Ehre gekränkt. Wer hätte mit dem Päckchen, welches ich zu stemmen habe, keine Probleme bei der Bewältigung? Konstruktiver wäre es gewesen zu schreiben, Patientin sucht noch nach einer Lösung, ihr Leben zu bewältigen. Sie hätte aber auch schreiben können: Patientin hat gemessen an den Herausforderungen, die sie zu meistern hat, noch keine Strategie zur Bewältigung gefunden. Wahrscheinlich bedeutet diese Diagnose, dass man mit Lebensproblemen ineffizient umgeht, oder dass man immer wieder dieselben Fehler macht, und bestimmte Lebensprobleme einen immer wieder begleiten. Dennoch finde ich diese Diagnose extrem unbefriedigend, da sie sozusagen eine Art Lebensunfähigkeitsbescheinigung ist. Anstatt zu honorieren und zu würdigen, dass ich in Anbetracht dessen, was ich alles schon erlebt habe, überhaupt noch da bin, hört sich das eher so an, als sei mein Leben relativ normal, ich hätte einfach nur nicht die passenden Strategien gefunden, damit klarzukommen. Ich finde, von Schwierigkeiten der Probleme der Lebensbewältigung kann man erst dann sprechen, wenn jemand ein relativ durchschnittliches Leben hat, aber Schwierigkeiten damit hat, morgens aufzustehen, sich bestimmte Dinge zutrauen, einkaufen zu gehen, sich für oder gegen eine Operation zu entscheiden, immer wieder an dieselben Partner zu geraten und wieder reinzufallen, dauernd eine Ausbildung abzubrechen oder nichts zu Ende zu bringen. Wenn man also mit den ganz normalen und alltäglichen Herausforderungen, die das Leben halt so mit sich bringt, nicht fertig wird, dann kann man tatsächlich von Problemen mit der Lebensbewältigung sprechen. Normalerweise wird schon jemandem, der erblindet, zugestanden, dass dies eine große Aufgabe ist, die man zu bewältigen hat. Hier wird schon eingeräumt, dass die Bewältigung eine langwierige Aufgabe ist. Umso mehr, wenn man auch noch mehrfach behindert ist. Alleine schon die Tatsache, dass ich in Rente gehen musste, obwohl ich mein Diplom mit 1,3 abgeschlossen habe und schon mit 38 Jahren wegen einer dazu gekommenen Dialysepflichtigkeit nicht mehr arbeiten konnte, ist eigentlich genug, um wirklich Trauerarbeit leisten zu müssen. Sie fragte mich während der Tests, ob ich denn mit der Tatsache Anführungszeichen durch Anführungszeichen sei, dass ich in Frührente gehen musste. Davon abgesehen, dass man mit so etwas nie Anführungszeichen durch Anführungszeichen ist, fand ich diese Frage bemerkenswert, zumal sie zumindest einräumt, dass man hier etwas hat, mit dem man fertig werden muss, zum anderen aber hatte ich ja nie die Gelegenheit, diese Trauerarbeit überhaupt zu beginnen. Schließlich hat man mir ja als behinderter Frau gar nicht zugestanden, dass ich einen solchen Lebensentwurf überhaupt haben darf, somit war es auch unlogisch, dass ich über dessen Verlust überhaupt zu trauern hätte. Als Behinderte hat man froh zu sein, wenn man nicht in der Werkstatt landet, wurde mir gesagt. Jemand anderes sagte mir, "dass Sie sich damit wesentlich zu viel vorgenommen haben, wissen wir ja alle." Es gab wenige Menschen, die mir sagten, "Sie hatten die berechtigte Hoffnung, nach Ihrem Studium auch eine Arbeit zu finden, daher ist das selbstverständlich traurig. Das musste sie dann natürlich auch einräumen. Meine Arbeitslosigkeit vor meiner Frühberentung war angeblich ja auch nicht so sonderlich tragisch, sie sei ja nur deshalb für mich so schlimm gewesen, da ich aufgrund meines Studiums so einen hohen Anspruch gehabt hätte. Dabei wäre es egal gewesen, ob ich studiert habe oder nicht, jeder ist traurig, wenn er über Jahre hinweg keine Arbeit findet. Als behinderter muss man auch noch Schuldgefühle haben, dass man zu viel gewollt hat, und dass man enttäuscht ist, wenn man seine Lebensziele nicht erreicht hat. Schließlich hatte ich mich immer bewusst gegen Familie, Mann und Kinder entschieden, wobei die geistige Arbeit mein einziges Standbein war. Überhaupt das Recht, sich gegen Kinder zu entscheiden, impliziert ja, dass man auch das Recht gehabt hätte, Kinder zu kriegen. Dies wurde bei mir immer belächelt, es war schließlich, ohne es sagen zu müssen, selbstverständlich, dass so jemand wie ich keine Kinder kriegt. Irgendwie hat sich auch nach dieser Diagnostik das Gefühl und das vorher bestehende Paradigma nicht wirklich geändert. Wenn man gemobbt wird, hat man laut ADHS-Kriterien Anführungszeichen Probleme mit anderen“. Einer Frau, die vergewaltigt oder sexuell missbraucht wurde, würde niemand sagen, sie habe Probleme mit Männern. Die hat sie dann hinterher, das ist verständlich. Aber das Paradigma hier ist, dass sie das Opfer ist, und dass ihr etwas angetan wurde. In meinem Falle ist es umgekehrt, durch mein Fehlverhalten, sei es nun angeboren, beabsichtigt oder behinderungsbedingt, habe ich das Mobbing ja erst ausgelöst. Bei dem Gespräch sagte ich zu der Psychologin, Mobbing ist ein systemisches Problem, daher wird, wenn die Führung nicht stimmt, immer ein Opfer ausgesucht, welches gemobbt wird. Ist dieses Opfer weg, sucht man sich ein anderes. O-Ton der Psychologin: "Ja, aber manche Menschen werden eben noch "gerner" gemobbt." Auch mein Wunsch wie oben formuliert, dass in der Retrospektive vielleicht mit dem Wissen, dass ich heute habe, und dem Wissen, dass die Medizin heute hat, einige Ansichten revidiert würden, hat sich nicht erfüllt. Ein entlastendes Gefühl, dass ich heute vielleicht besser verstanden würde, und dass meine Verhaltensweisen, die ich damals an den Tag gelegt habe, unter Berücksichtigung heutiger Erkenntnisse verständlicher sind, ist nicht wirklich eingetreten. Mein Wunsch, dass diese Odyssee endlich ein Ende haben möge, alle Diagnosen hier zusammenlaufen, und sich dann ein Gesamtbild, sozusagen eine Synopsis , also ein Bild eines Menschen in seiner Situation ergibt, wodurch ich besser verstanden würde, ist auch nicht wirklich eingetreten. Ich hatte den Wunsch, dass vielleicht einige meiner Symptome oder Verhaltensweisen sich nun besser erklären lassen, da man heute auch weiß, wie Traumatisierungen funktionieren, und dass ich ja auch einige neurologische Bedingungen auf die Welt mitgebracht hatte, die mein Leben zusätzlich wesentlich erschwert haben, und die obendrein auch noch so lange unerkannt und ungefördert blieben, wodurch meine Situation auch nicht gerade leichter wurde. Meine angeblich fordernde Haltung, die aus dem Druck heraus entsteht, dass ich endlich so gesehen werden möchte, wie es mir gerecht wird, hat sich im Lichte all diese Erkenntnisse auch nicht liebevoller einordnen lassen. Genau das wäre eigentlich der Begriff gewesen, eine liebevollere und verstehende Betrachtung meiner Person und meines Umganges mit den Dingen, dem Leben und meiner Umwelt. Das hätte ich mir gewünscht, oder vielleicht sogar eine Revision, so dass man mir vielleicht im Laufe dieser ganzen Exploration gesagt hätte, so, wie das damals gelaufen ist, würde man das heute nicht mehr machen, und Ihre Reaktionen und Emotionen diesbezüglich sind unter diesem Gesichtspunkt auch nachvollziehbar. Allein dies hätte mich entlastet. Verbal kann man das nicht beschreiben, tatsächlich ist dies einfach ein Zustand, ein Gefühl im Bauch , tatsächlich ist der Blickwinkel ein anderer, es wäre in der Tat ein echter Paradigmenwechsel gewesen von der Ansicht einer Person, die sich irgendwie anders verhält als erwartet und dadurch im Leben aneckt hin zu einer Betrachtung eines Menschen, der wahrscheinlich auch bestimmte Strategien entwickeln musste, um sowohl neurologische Defizite als auch traumatische Erfahrungen auf seine Art, meinetwegen auch disfunktional zu kompensieren. D.h., es war wahrscheinlich zweckmäßig, sich so zu verhalten, das hatte wahrscheinlich alles einen Sinn, es hat aber nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, aber es sollte zumindest liebevoll verstanden werden, wodurch ja dann auch die Anerkennung entsteht, dass diese Person so geworden ist, wie sie ist, da sie unter bestimmten Bedingungen aufgewachsen ist und sich daher, wenn auch auf ungeeignete Weise , den Umständen angepasst hat, was man in der Fachsprache maladaptiv nennt. Selbst dies ist für mich noch schwer anzunehmen, aber immerhin eine wesentlich liebevollere und verständnisvollere Sichtweise, wobei ich mit liebevoll jetzt nicht wirklich liebe meine, sondern einfach Gerechtigkeit, Verständnis, Empathie und bedingungslose Annahme. Das bedeutet nicht, dass jemand immer so bleiben kann, aber wenn man mal den Sinn entschlüsselt hat oder die Gründe verstanden hat, und wenn ich sie auch mal auf entlastende Weise erklärt bekomme, oder sie zusammen mit jemand anderem herausfinden würde und durcharbeiten könnte, könnte man vielleicht, nachdem man bessere Möglichkeiten gefunden hat, die auch umsetzbar sind, bestimmte Dinge verändern, wenn dies auch relativ unrealistisch ist, da sich viele Sachen einfach so festgefahren haben. So eine genaue Arbeit kann man natürlich im Rahmen einer Diagnostik nicht erwarten, der Ansatz hierzu hätte aber bestehen sollen, und die Weichen hätten gestellt werden können. Denn alleine schon die Tatsache, dass ich nicht mehr so "im negativen Sinne pathologisierend" angeschaut worden wäre wie früher, sondern dass man unter den heutigen Erkenntnissen ganz anders auf so jemanden blickt, und somit auch indirekt alte Fehler eingeräumt werden, hätte dies eine große Entlastung bedeutet. Mit den oben genannten Zitaten ist dieser Effekt allerdings nicht eingetreten. Nun hab ich einen Autismus, sie sagte auch, ja, sie sind Autistin. Eine ADHS habe ich nun auch anerkannt bekommen, sie hat also nichts weggenommen, aber durch diese sogenannte Z-Diagnose mit der Art Lebensuntüchtigkeitsbescheinigung stehe ich jetzt auch ziemlich blöd da. Obwohl mir jemand sagte, dass es ja eigentlich normal ist, wenn man so viele Behinderungen und Erkrankungen hat, dass man dann eben logischerweise Probleme hat, sein Leben zu bewältigen. Aber genau deshalb bräuchte man ja dann hierfür auch keine extra Diagnose mehr, wenn das sowieso daraus hervorgeht. Eine Diagnose bedeutet ja schließlich, dass etwas ungewöhnlich ist. In manchen Situationen wäre es aber eher ungewöhnlich, wenn man da noch normal reagieren würde. Um es mal mit Karl Valentin zu sagen: „Da kann man ja nicht gesund sein, wenn man da nicht krank wird.“ Wenn man dann in so einer Situation, in der man eigentlich nur gesund ist, wenn man davon krank wird, als krank bezeichnet wird, dann ist das "DAVON", wovon man krank wurde, noch nicht ganz wirklich so richtig verstanden worden. Oder das "DAVON" ist halt tatsächlich doch nicht ganz so schlimm, und andere würden tatsächlich besser damit fertig und nicht ganz so "krank" werden. Aber das müsste erst einmal einer nachweisen.

Mittwoch, 29. März 2017

Die Krone der Erschöpfung

Ich hoffe, ich bekomme jetzt keinen Ärger mit der GEMA, wenn ich diesen Ausspruch von Chris Böttcher einmal hier klaue. Es handelt sich aber hier nicht um den Menschen oder um den Mann, sondern um eine Zahnkrone. Vor einiger Zeit habe ich ein Implantat bekommen, wobei ich ja lebhaft in diesem Blog auch schilderte, wie es mir, besonders finanziell, damit ergangen ist. Die Krone wurde dem ganzen relativ zügig aufgesetzt. Am 8. Februar sollte ich sie erhalten. Somit fuhr ich wie immer mit dem Taxi, welches mir immer noch von der Krankenkasse genehmigt wird, zu meinem Zahnarzt, wo ich von meiner Oralchirurgin die Krone aufgesetzt bzw. eingesetzt bekommen sollte. Ich hörte schon meinen Namen an der Anmeldung, und als ich bereits im Wartezimmer saß, kam eine der Sprechstundenhilfen auf mich zu und meinte, es hätte ein Missverständnis vorgelegen, die Krone sei noch nicht da. Nun hatte ich ein Problem, denn unverrichteter Dinge konnte ich nicht nach Hause fahren, da die Krankenkasse mir das Taxi nicht bezahlen würde, wenn dort nichts gemacht würde. Daher sollte ich trotzdem einmal auf den Zahnarztstuhl, damit eine der Ärztinnen meinen Zahnstatus kontrollieren konnte. Tatsächlich fand sie eine nicht mehr ganz so taufrische Amalgamfüllung, die dringend einmal erneuert werden musste. Ich dachte mir, ein Schelm, der Böses dabei denkt, und ließ die Sache über mich ergehen. Sie spritzte wirklich gut, ich spürte fast nichts. Ich entschied mich für eine Komposit-Füllung, da zum einen Amalgam nicht mehr verwendet wird, und Zement nicht sonderlich schön aussieht und zwar kostengünstig ist, jedoch nicht sonderlich viel taugt. Sie meinte, wenn es in Ordnung sei, würde sie mir etwas dafür berechnen. Ich frage mich bei solchen Neurotypischen Phrasen immer, was würden die sagen, wenn ich sagen würde, es ist nicht in Ordnung. Ich hatte sowieso den Satz, wenn es in Ordnung ist, ganz anders verstanden, nämlich, wenn der Zahn in Ordnung ist, würde sie mir nichts verlangen, oder wenn die Füllung in Ordnung käme, dann würde sie etwas berechnen, sonst aber nicht. Ich finde es immer fürchterlich, wenn so viele Gerätschaften in meinem Mund sind, und ich bekomme regelrecht Panik, wenn mit Wasser in meinem Mund herumgespritzt wird. Während sie das ganze abschliff, musste Laufend mit Wasser nachgesprüht werden. Als ich mich beklagte, meinte sie, ohne Wasser würde der Zahn schlichtweg verbrennen. Das beeindruckte mich schon sehr. Ich war heilfroh, als die ganze Prozedur überstanden war. Die Rechnung kam natürlich prompt, es waren 63 EUR. Nun entschied ich mich, endlich eine Zahnzusatzversicherung abzuschließen. Die Krone würde leider nicht mehr unter diese Versicherung fallen, da sie bereits vor Abschluss der Versicherung angefertigt worden war. Die Berechnung war ziemlich kompliziert, die Zahnärztin meinte, dafür muss man studiert haben, um das zu verstehen. Ich habe versucht, mehrfach nachzufragen, aber sie hatte nicht die Nerven, mir das genau zu erklären. Irgendwie erklärte ich mir dies dann folgendermaßen: Bei einem Implantat kann man keine Metallkrone benutzen, es muss eine Keramikkrone sein. Beim Oberkiefer sieht man beim Lächeln wesentlich mehr, sodass bei einer Brücke, die für den Zahn Nummer sechs gebraucht worden wäre, die Kronen 5-7 betroffen wären, und da der fünfte Zahn im ersten Quadranten, also oben links beim Lächeln noch zu sehen ist, wird eben dann der Sechser auch in Keramik finanziert. Daher bekam ich für das Implantat des sechsten Zahnes im ersten Quadranten eine Keramikkrone bezuschusst, während es beim Sechser im vierten Quadranten, also unten links nur eine Metallkrone sein durfte. Die Differenz zwischen dem, was das ganze kostete und dem, was die Kasse zahlte, war also wesentlich größer. Zum Glück fiel es nicht ganz so schlimm aus, wie ich dann später sehen konnte. Diese beiden Rechnungen, die für die Krone und die für die Füllung, zahlte ich dann in Ruhe von zu Hause mit meinem HBCI-Gerät mit der Chipkarte. Über die Komplikationen, die die Einrichtung und die Erneuerung dieser Gerätschaften mit sich brachten, habe ich ja hier in diesem Blog auch schon berichtet. Am achten fuhr ich also wieder nach Hause, wobei die Hin und Rückfahrt mit dem Taxi wahrscheinlich wesentlich billiger gewesen wäre als die Kompositfüllung, aber die alte Amalgamfüllung musste sowieso irgendwann mal erneuert werden, und wahrscheinlich war sie wirklich schon marode genug. Im dritten Quadranten, also unten rechts von vorne aus gesehen, tut es auch etwas weh, aber nachdem ich schon bei der Füllung im zweiten Quadranten, also oben rechts, so gewinselt hatte, meinte die Ärztin, das würde für heute genügen, und so viel Zeit hätte sie dann doch nicht übrig. Darüber war ich zum einen heilfroh, andererseits habe ich jetzt dort noch leichte Schmerzen, so das ich noch einmal den Zahnarzt aufsuchen muss. Mein Taxifahrer fragte mich schon, ob ich eigentlich noch andere Hobbys hätte, woraufhin ich ihm entgegnete, dass ich auch noch zum Ohrenarzt gehen könnte. Er war immer ziemlich mitfühlend bei meinen Schilderungen, was die Tortur beim Zahnarzt anging. Diese ging dann auch am 10. Februar weiter. Dann sollte die Krone tatsächlich eingesetzt werden. Zwischenzeitlich hatte ich mit einer Bekannten telefoniert, der ich mein Leid geklagt hatte, dass ich umsonst beim Zahnarzt gewesen sei, weil sie die Krone noch nicht hatten. Ich dachte, ich hätte etwas missverstanden, wobei mir aber die Sprechstundenhilfe sagte, das es tatsächlich ein Versehen bezüglich der Organisation war. Meine Bekannte meinte, ich würde mir doch nichts vergeben, wenn ich jetzt noch einmal anrufen würde und nachfragen, ob diesmal die Krone tatsächlich auch da sei. Ich dachte, sie würde zumindest etwas solidarisch mit mir sein und mir beipflichten, das es schon ziemlich allerhand und umständlich war, dass ich noch ein zweites Mal hin musste. Stattdessen meinte sie, so halb im Scherz, wie ich heraus hörte, also Du bist ein unmöglicher Mensch, Du kannst doch dort noch mal anrufen. Prompt war ich wieder total verunsichert, ob ich auch beim ersten Mal hätte anrufen müssen, oder ob ich hätte erwarten dürfen, dass die Krone wie zugesagt auch tatsächlich dagewesen wäre. Wie dem auch sei, zumindest hatte ich auch nach offizieller Lesart nicht die Schuld an diesem Missverständnis, Gott sei Dank, normalerweise ist Missverständnis mein zweiter Vorname. Als ich dann am Vormittag des 10. Februar anrief und nachfragte, ob die Krone da sei, antwortete man mir mit einem Tonfall, "natürlich!", der mir klarmachen sollte, dass diese Frage doch überflüssig sei, anstatt in Bezug auf das vorherige Missgeschick beruhigend zu erklären, dass dieses Mal alles glatt gehen würde. Somit kam ich also mit Vorfreude, bald wieder auf beiden Seiten kauen zu können, da ich schon einmal eine Krone eingesetzt bekam, und dies ging damals ziemlich leicht und unkompliziert vonstatten. Damals hatte der Zahnarzt einen Abdruck genommen, indem er in die Lücke einen Stab einsetzte und dann die Pfanne mit dem Alginat und danach mit dem Silikon durch diesen Stab ein fädelte. Somit erübrigte sich der Abdruck des Unterkiefers, und das einzige Problem war damals, dass er die Pfanne mit dem Silikon kaum von meinen Zähnen lösen konnte, was mich in schiere Panik versetzte, da ich glaubte, er würde mir das gesamte Gebiss herausreißen. Als ich zu ihm damals kam, um die Krone einsetzen zu lassen, entfernte er lediglich die Spange, die das Zahnfleisch weiten sollte, solange das Implantat ohne Krone im Kiefer steckte. Danach zementierte er die Krone ein, wobei er zuvor einen Wattebausch dazwischen legte, falls man irgendwann einmal an die ganze Sache ran kommen müsste. Dann war alles fertig. Dafür hatte die ganze Prozedur mit Implantat und Krone damals wesentlich länger gedauert, was ich in meinem Blogeintrag „Ich habe gezahnt“ hinlänglich geschildert hatte. Bei der neuen Krone, die ich jetzt bekam, gestaltete sich schon mal der Abdruck wesentlich qualvoller. Die Ärztin konnte mir nicht glauben, dass der damalige Zahnarzt nur im Oberkiefer einen Abdruck gemacht hatte und nicht auch im Unterkiefer. Bei dieser Zahnärztin wurde zunächst im Oberkiefer ein Abdruck mit Alginat und Silikon gemacht, wobei sich auch das Silikon locker ablösen ließ. Danach kam der Abdruck sowohl mit Alginat als auch mit Silikon am Unterkiefer. Das war die reinste Qual, da sie, während die Pfanne mit dem Material im Mund verweilte, die Schraube meines Implantates löste und dann wieder festzog. So hatte ich die Pfanne im Mund, den Schraubenzieher im Mund und die Hand der Zahnärztin dazu. Außerdem spritzte sie wie oben bereits geschildert mit Wasser herum, was mich fast in Todesangst versetzte. Sie hatte aber ziemlich viel Mitgefühl und meinte, keine Angst, sie ertrinken hier nicht. Ich hatte wirklich zwischenzeitlich gedacht, ich müsste das ganze stoppen und sein lassen, da ich wirklich glaubte, jetzt würde ich einfach sterben. Die Ärztin riet mir ständig , ich solle durch die Nase atmen, doch war meine Nase leicht verstopft, zumindest bildete sich eine kleine Spur zwischen Nase und Rachen, sodass das Atmen durch die Nase auch nicht sehr effektiv war. Als ich wirklich fest daran glaubte, jetzt gleich ohnmächtig zu werden oder zu sterben und schon dachte, dass ich jetzt vor Panik anfange, um mich zu schlagen, war sie endlich mit der Prozedur fertig, und ich am Ende. Danach wurde noch ein anderer Abdruck gemacht, wobei ich eine Masse nur zwischen die Zähne bekam und darauf beißen musste, und während das Ganze trocknete, musste ich die Zähne aufeinander lassen. Aber immer dann, wenn man eigentlich den Mund offen hat, muss man bildlich gesprochen die Zähne zusammenbeißen. Dieses Mal, als ich die Krone eingesetzt bekam, stand ein fremder Herr mit einer mir unbekannten Stimme neben meinem Zahnarztstuhl und versuchte, die Krone anzupassen. Ich musste leider ohne Betäubung bleiben, damit festgestellt werden konnte, ob der Biss auch wirklich stimmt. Dazu brauchte ich ja mein Gefühl. Er drehte und drehte, aber immer dann, wenn ich zu Biss, hatte ich das Gefühl, dass die Krone zu hoch war, sodass ich auf der anderen Seite mit meinen Kaufflächen nicht auf einander kam. Irgendwann wurde es dem Mann offenbar zu bunt, er meinte, ich würde zu viel denken. Ich kam mir mal wieder blöd vor, er war Zahntechniker und offenbar auch noch Psychiater, zumindest Hobbypsychologe. Die Zahnärztin pflichtete mir aber bei und meinte, hier sei wirklich etwas nicht in Ordnung. Sie drehte noch etwas an der Krone, das Geräusch klang wie angelegte Daumenschrauben, in dem Moment hätte ich alles gestanden. Für den Kiefer ist das total schmerzhaft, da eine immense Spannung und ein großer Druck auf den Kieferknochen kommt. Ich musste mehrfach zubeißen und auf ein Löschblatt meine Zähne zusammen drücken, damit sie beurteilen konnte, ob der Biss in Ordnung war. Ich klapperte mehrfach auf ihre Anweisung hin mit den Zähnen, und sie meinte, dass Klänge noch nicht gut. So schliff sie die Krone noch etwas ab, bis dann endlich alles passte. Ich bewunderte wirklich ihr Gehör, denn ich hätte das alleine nur mit den Ohren nicht entscheiden können, aber ich hatte ja das Gespür durch meine eigenen Kieferrezeptoren. Sie war hingegen außerhalb von mir und konnte dies trotzdem alleine mit ihren Ohren wahrnehmen, ob die Zähne gut zusammenpassen. Nach einer Weile waren wir beide zufrieden, und ich ging nach Hause. Nach ein paar Tagen hatte ich allerdings immer noch Schmerzen, die eigentlich längst hätten nachlassen sollen. Ich stellte auch fest, dass ein kleines Häutchen zwischen Krone und Zahnfleisch war, dass jedes Mal furchtbar schmerzte, wenn ich daran kam, und kauen konnte ich auf der rechten Seite auch noch nicht wirklich richtig. Da ich noch eine Frage wegen der Rechnung hatte, rief ich nochmals in der Praxis an und reklamierte dieses Problem, und sie schlug mir vor, noch einmal zu kommen, was sie mir ohnehin angeboten hatte. Dieses Mal sollte die Prozedur unter Betäubung stattfinden, da sie schon merkte, dass ich ziemlich schmerzempfindlich bin. Sie wollte aber nicht den gesamten Quadranten betäuben und spritzte daher um den Zahn herum. Dieses Mal wurde mir tatsächlich etwas schummrig, was mir normalerweise nicht passiert, wenn ich eine lokale Betäubung erhalte. Aber vielleicht war es auch einfach nur die Angst und die Aufregung. Sie schraubte die Krone auf und fing an, die Lücke durch zu spülen. Trotz der Betäubung hatte ich immer noch immense Schmerzen, besonders von rechts unten nach schräg links oben, auf die rechte Ecke des Unterkiefers zu, kam ein stechender Schmerz. Ich winselte und jammerte, und sie spritzte. Alles half nichts. Die andere Zahnärztin, die mir ein paar Tage zuvor die oben erwähnte Kompositfüllung eingesetzt hatte, kam noch hinzu. Beide wunderten sich, dass ich trotz Betäubung immer noch Schmerzen hatte. Die junge Ärztin meinte, das könne nicht sein, dann wäre ich eine anatomische Besonderheit. Ich hatte den Mund voll, die Nase allerdings im übertragenen Sinne auch, daher konnte ich ihr nicht entgegnen, dass dies ja durchaus möglich sein könnte. Die Ärztin wollte noch einmal spritzen, aber ich meinte, das sei genug. Sie entgegnete aber, sie könne den Ton nicht mehr ertragen, weil ich so jammerte und schrie. In dem Moment hörten die Schmerzen auch urplötzlich auf. Sie vermutete, dass es sich hier um einen akzessorischen Nerven handelte, so ein kleines Biest, das einfach von der Seite noch an den Zahn heranreicht. Sie schraubte alles wieder zu, wobei sie ein kleines Häutchen entfernt hatte, keiner wusste so recht, was es war. Es sei keine Entzündung, aber sie überlegte, ob sie es einschicken sollte. Sie entschied sich aber dann dagegen, da es nicht sonderlich schlimm aussah. Was tatsächlich los war, konnte man sich nicht erklären. Ich bestand dennoch auf eine Röntgenaufnahme, die mir die Ärztin auch gewährte, zu meiner Beruhigung, wie sie meinte. Als die Betäubung bereits im Wartezimmer geringfügig nachließ, hatte ich entsetzliche Schmerzen im Unterkiefer und fing buchstäblich zu weinen an. Ich wartete auf das Taxi, und eine der Sprechstundenhilfen kam und trocknete mir meine Tränen mit meinem Seidenschal. Sie empfahl mir, zu Hause etwas Kühlendes auf die Backe zu tun, damit diese nicht anschwoll. Ich war fix und fertig, und als wir zu Hause ankamen, legte ich mich erst einmal auf das Sofa mit einer Kühlpackung auf der Wange. Eigentlich wollte ich an diesem Abend ins Kino, denn es kam ein interessanter Film, wobei dieser in einer Kirche gezeigt wurde. Es handelte sich um einen israelischen Soldaten, der eingezogen werden sollte, und es stellte sich bei der Untersuchung heraus, dass zwei Kinder vertauscht wurden, und er eigentlich Palästinenser, also arabischen Ursprungs war. Dies sollte die Vorurteile, die die Menschen über das Wesen des jeweils anderen Volkes hatten, infrage stellen. Da ich diesen Film unbedingt sehen wollte, ließ ich mich wie geplant mit dem Taxi zu dieser Kirche fahren. Als der Film anging, stellte sich aber heraus, dass es sich um einen Film mit Originalton mit Untertiteln handelte, was ich mal wieder überlesen hatte. ADHS lässt grüßen. Ich konnte diese Sprachen, Hebräisch, Arabisch und Französisch nicht verstehen, da mein Schulfranzösisch hierfür wirklich nicht ausreichte, dass zumal schon ziemlich lange her ist. So bestellte ich mir das Taxi erneut und war ziemlich sauer. Hätte ich mich doch zu Hause einfach aufs Sofa gelegt und mich aus kuriert. So war mein Kinobesuch mal wieder ein Flop. Zwischenzeitlich hatte ich einige sehr angenehme und erfolgreiche Kinobesuche mit gelungener Audiodeskription mit Kopfhörern im Casablanca. Da diese Stelle an der Krone laufend weh tat, stieß ich dauernd mit der Zunge dagegen oder fasste mit den Händen hin. Auf einmal spürte ich, dass die Krone locker wurde. Ich dachte mir, so stark kann ich doch nicht sein, dass ich mit bloßen Händen eine Krone losschrauben kann, zumal sie ja eigentlich dafür geeignet sein sollte, einige Kilopond an Kraft beim Zubeißen auszuhalten. Sie sollte ja nicht gleich herausfallen, wenn man mal in einem Müsliriegel beißt. Notgedrungen musste ich also wieder einen Termin beim Zahnarzt machen, obwohl ich eigentlich an diesem Tag einen Telefontermin mit meiner Computerfirma hatte, die mir über Tandem-Fernwartung bei einigen Dingen helfen wollte. Als ich dort ankam, entschied die Ärztin, diesmal den gesamten Quadranten zu betäuben, wobei sie mir eine Spritze direkt in die Backe gab, wie ich sie bei der Operation des Kieferimplantates hatte. So war der gesamte Kiefer taub, und auch der böse kleine akzessorischen Nerv konnte nicht dazwischenfunken. Die Geräusche waren dann wirklich amüsant, als sie die Krone weg - und dann wieder hinschraubte. Sie räumte ein, dass sie wahrscheinlich , um mir nicht weiter weh zu tun, die Schraube der Krone beim letzten Mal nicht wirklich fest genug angezogen hatte. Durch mein Wimmern und schreien war sie wahrscheinlich so vorsichtig geworden, dass sie nicht alle Kraft angewandt hatte, die dafür notwendig gewesen wäre. Nun war ich ja betäubt, und das würde ich auch eine Weile bleiben, so das sie hemmungslos agieren konnte. Vorsichtshalber hatte ich eine Verfügung aufgesetzt, dass ich notfalls auch bereit wäre, die Krone zu verwerfen, auch wenn dies zur Konsequenz haben würde, dass ich den Anteil der Krankenkasse auch zurückerstatten müsste. Die Aussicht, jede Woche beim Zahnarzt aufschlagen zu müssen, da irgendetwas mit der Krone nicht in Ordnung war, erschien mir schlimmer als eine Zahnlücke, auch wenn darin eine Schraube eines Implantats herausragen würde. Die Ärztin meinte dann, diese Verfügung brauchen wir ja nicht mehr. Darüber war ich sehr erleichtert. Ich stellte fest, dass die Betäubung eines einzelnen Zahnes bei mir häufig 7 Stunden dauert, und die Schmerzen aber dennoch sehr früh auftreten, da die Betäubung partiell schon nachlässt, besonders da, wo der Kiefer anfängt, und man eigentlich mehr die Spannung im Kiefer und nicht so sehr den direkten Schmerz am Zahn spürt. Bei der Betäubung des gesamten Quadranten wird wahrscheinlich, so vermute ich, ein anderes Mittel verwendet, denn auch bei der Operation des Implantats stellte ich fest, dass schon nach 3 Stunden die Backe wieder wach war. Bei der Betäubung eines einzelnen Zahnes geriet ich schon häufig in Panik in der Annahme, ich hätte eine Gesichtslähmung zurückbehalten. Denn 7 Stunden oder mehr erschien mir doch manchmal ziemlich suspekt. Dieses Mal war ich froh, dass alles so schnell aufwachte, und die Schmerzen waren wirklich erträglich bis gar nicht vorhanden. Es ist noch immer ein kleines Häutchen zwischen Zahnfleisch und Krone, und wenn ich ihn fasse, tut noch etwas weh, aber insgesamt kann ich schon wieder sorglos und beherzt zubeißen, was mir meine Zahnärztin auch dringend riet. Ich kann nur hoffen, dass nicht so schnell wieder einer meiner Zähne kaputt geht, denn ich habe immerhin noch ein paar große uralte Amalgamfüllungen, also Altlasten, die wie kleine Giftmüllfässer in meinen Zähnen ruhen, ich würde jetzt nicht so weit gehen zu sagen, es seien tickende Zeitbomben. Diese alten und nicht ganz so unschädlichen Amalgamfüllungen halten ja ziemlich lange im Gegensatz zu den neuen Kompositfüllungen, die halt nicht ganz so schädlich und ästhetisch wesentlich vorteilhafter sind. Jetzt werde ich doch noch einmal den Zahn Nummer sechs im dritten Quadranten, also den Zahn unten rechts (von vorne angesehen) anschauen lassen, denn dort verhaken sich auch ziemlich häufig Speisen. Ich möchte nicht noch einmal dasselbe erleben, dass ich zu lange warte, und dann die Wurzel schon angegriffen ist. Hätte ich damals am 1. April 2016, als mir bei der professionellen Zahnreinigung die Prophylaxehelferin sagte, dass dort ein Loch war, gleich reagiert und nicht bis zum 11. April gewartet, hätte ich mir viel Leid erspart. Das aber auch innerhalb von zehn Tagen die Karies soweit fortschreitet, dass sie schon die Wurzel angreift, hätte ich auch nicht gedacht. Wer weiß, wie lange dieses Löchlein schon dort drinnen war. Vor den Zeiten, als ich mich einer professionellen Zahnreinigung regelmäßig unterzog, hatte ich nie Probleme mit meinen Zähnen. Entgegen der gängigen Lehrmeinung habe ich die Erfahrung gemacht, dass erst die professionelle Zahnreinigung bei mir so viel aufgewirbelt hat, dass diese Altlasten nun so an die Oberfläche gelangen. Ich war einmal ganze zehn Jahre überhaupt nicht beim Zahnarzt, da ich während meiner Jugend extremgepiesackt wurde mit kieferorthopädischen Folterinstrumenten, Operationen der Weisheitszähne usw. sowie all meinen Füllungen. Als ich, getrieben von unerklärlichen Zahnschmerzen, dann doch mal wieder den Gang zum Zahnarzt wagte, nachdem ich nachts davon schon träumte, fand er nicht ein einziges Loch. Ich dachte schon, der ist blind. Ich blieb aber dann weiter bei diesen Zahnarzt, und er hat lediglich ein paar alte Füllungen gegen neue Kompositfüllungen ausgetauscht, da er mir an Ried, auf keinen Fall alle Amalgamfüllungen wie wild herauszureißen. Die Folgen einer solchen blindwütigen Aktion reichen, was ich von einigen Leuten mitbekommen habe, von Amalgamvergiftungen bis hin zu chronischen Beschwerden. Auch bei der kürzlich erneuerten Füllung musste die Sprechstundenhilfe viel saugen, damit sowohl ich als auch die Ärztin die Dämpfe nicht einatmen würden. Heutzutage bekommt man aber keine Gummimaske mehr in den Mund, was mich damals auch abgeschreckt hatte, mir alle Amalgamfüllungen auf einmal raus reißen zu lassen. Als ich einmal meinen alten Zahnarzt fragte, ob ich alles richtig mache, meinte er, ich sei jetzt schon so lange bei ihm und hätte kaum Löcher, irgendetwas müsste ich ja richtig machen. Leider änderte sich dieser Zustand, als ich dem ganzen im übertragenen Sinne die Krone aufsetzen wollte und mit den professionellen Zahnreinigungen anfing. Da kam schon bald das erste Problem in Form eines gespaltenen Zahnes, weil die Amalgamplombe so riesig war, vielleicht hatte sie bei der Zahnreinigung eine Erschütterung abbekommen, so das dann der Zahn sich eben spaltete, da bei den großen Füllungen die Amalgamfüllungen bei mir fast wie eine Spange jeweils den ganzen Zahn ausfüllen. Nun gibt es aber leider kein Zurück mehr, einmal angefangen sollte man die professionelle Zahnreinigung weitermachen. Mein alter Zahnarzt ist krank geworden, und da ich die kieferchirurgischen Eingriffe sowieso bei der anderen Praxis durchführen lassen muss, und diese eben auch Zahnärzte haben, die die normalen Dinge mit erledigen, bin ich einfach dortgeblieben. Dort war ein sehr sympathischer Zahnarzt aus Sri Lanka, der sich aber mittlerweile mit dem Chef nicht mehr so gut verstanden hatte und seine eigene Praxis eröffnet hat. Ich überlege, ob ich vielleicht zu ihm wechsele, da er mir sehr sanft und sehr nett vorkam. Die Zahnärztin, bei der ich jetzt bin, schwört auf Zahnseide, und so habe ich das auch einmal ausprobiert. Meine Helferin, die immer alles besorgen kann und irgendwo vorrätig hat, brachte mir Zahnseide mit, die auf eine dreieckige Vorrichtung aufgespannt war. Die Zahnseide schob ich in die Zwischenräume der Zähne, und ich dachte, dass ich es doch ganz gut hingebracht hätte. Auf einmal entzündete sich das Zahnfleisch , und ich bekam Schmerzen. Die Zahnärztin konnte erst nicht sehen, was es war. Als ich zu Hause war, fiel mir ein ganzes Stück Nuss, dass ich mit einem Gebäckstück in den Zahnzwischenraum aufgenommen hatte, aus dem Mund. Da ich wahrscheinlich recht ungeschickt mit der Zahnseide hantiert hatte, musste ich dieses Stück Nuss, dass sich bereits im Zwischenraum befunden hatte, noch tiefer ins Zahnfleisch hineingetrieben haben. Ein paar Tage später ging ich noch einmal zur Kontrolle hin, und die Zahnärztin bedauerte, mir nicht sagen zu können, dass sie etwas gefunden hatte, was man hätte beheben können, sodass ich auch am Wochenende Schmerzen würde erleiden müssen. Tatsächlich bekam ich dann am Abend Fieber, nachdem die Behandlung dieser Entzündung bei der Zahnärztin sowieso schon ziemlich weh getan hatte. Als transplantierte ist es nicht lustig, einen Infekt zu bekommen, und ich bekomme sonst eigentlich fast nie Fieber, daher war ich auf Alarmstufe zehn. Ich rief sofort auf der Transplantationsstation an, wobei mir ein Pfleger riet, erst einmal mit Salviathymol zu spülen, welches mir mein Nephrologe bereits wegen einer Afte, über die ich im Zusammenhang mit dem Implantat hier auch schon berichtet habe, empfohlen hatte. Das half schon gut, und das Fieber ging runter. Wäre es gestiegen oder nicht runtergegangen, hätte ich sofort in die Klinik fahren müssen. Das Unterfangen mit der Zahnseide unterließ ich daher, obwohl meine Zahnärztin mir mehrfach versicherte, dass selbst blinde Menschen kein Problem damit hätten, da man dies sowieso nicht vor dem Spiegel üben könne. Dass ich allerdings auch noch ein Problem in meiner Feinmotorik habe, konnte ich ihr halbwegs vermitteln. Dennoch fängt sie immer wieder mit der Zahnseide an, wobei sie ihre Sätze einleitet mit: Anführungszeichen ich weiß, Sie wollen das nicht hören, aber…“ Es geht nicht darum, dass ich das nicht hören will, sondern darum, dass ich es nicht ausüben kann. Daher lasse ich das lieber bleiben, sonst würde ich nur mehr ver-schlimm-bessern . Meine Zahnzusatzversicherung wird jetzt greifen, sodass ich die nächste Füllung, wenn denn wegen der Zahnschmerzen und dem Verhaken der Speisen doch eine notwendig ist, zumindest nicht mehr selbst zahlen muss. Irgendwann werde ich dann einmal die nächste professionelle Zahnreinigung angehen und bin schon darauf gespannt, wie viel Staub dabei wieder aufgewirbelt werden wird.

Dienstag, 28. März 2017

Mobbing als Straftat

Vor einiger Zeit, als ich mit jemandem, der hier schon einmal erwähnt wurde, Kontakt hatte, rief diese Person mich an und erklärte mir, dass Bundesjustizminister Maas vorhabe, ein Gesetz gegen Psychoterror zu verabschieden. Daraufhin wandte ich mich sofort dorthin, die Mail müsste ich jetzt erstraussuchen, aber ich schilderte in ihr meine eigenen Erfahrungen und bat darum, dass doch Mobbing, eine Unterform des Psychoterrors, endlich auch strafbar werden sollte. Mir ist überhaupt nicht daran gelegen, "meine" Täter bestraft zu sehen, wenn ich diese heute treffen würde, hätten wir wahrscheinlich einen ganz normalen Umgang, wie man ihn halt mit jedem hat, den man nicht offen ins Gesicht sagen würde, dass man ihm lieber besser nicht mal im Mondschein begegnen wollte, bei dem man sich aber dennoch so verhält, wie es der normale zivile Umgang eben einfach erfordert. Außerdem waren diese Menschen damals Jugendliche und haben sicher auch im Lauf ihres Lebens einiges dazugelernt, so wie ich ja auch, sowie alle von uns. Aber einfach das Gefühl, rückwirkend sagen zu können, das, was mir damals passiert ist, wäre heute strafbar, beinhaltet schon eine gewisse Anerkennung dessen, was mir passiert ist. Und auch, wenn ich einen Traumatherapeuten oder einen anderen Heil- und Hilfsberufler aufsuche, um mit ihm diese Dinge zu besprechen oder zu bearbeiten, könnte ich dann wesentlich sicherer auftreten, in dem ich sagen könnte,“ Sie, das ist übrigens heute strafbar!“ Alleine dies würde schon einigen Leuten den Wind aus den Segeln nehmen, die mir erklären würden, das seien doch alles halt eben fiese Hänseleien gewesen, das sei doch vorbei, der eine steckt es halt weg, der andere kommt damit nicht klar. Ich könnte meinen Standpunkt wesentlich besser vertreten und verteidigen, es wäre auch irgendwie eine Genugtuung. Daher schrieb ich eben meine Bitte an die Abgeordnete FrauDr. Kofler, die dannmeine Mail an die korrekte Stelle weiterleitete, und erhielt daraufhin folgende Antwort, meine Replik, die nach dieser Antwort steht, darf dann natürlich und freilich auch gelesen werden. Ach ja, und es sei noch angemerkt, dass man mich automatisch an die Schwerbehindertenbeauftraggte der Bundesrepublik weiter verwiesen hat, da Mobbing = Sache für Schwerbehinderte. Als ob Nichtbehinderte nicht genauso gemobbt würden, und als ob Schwerbehinderung ein Sonderfall wäre, der unter besonderen Aspekten behandelt werden müsste. Ob Schwerbehindert oder nicht, wenn jemand Mobbing erfährt, sollte dies strafrechtlich verfolgt werden, ohne Ansehen der Person und deren sonstigen Besonderheiten. Ich denke mal, es ist legal, hier die gesamte Anschrift und die Kontaktdaten des unten stehenden Referenten zu veröffentlichen, da sie wahrscheinlich sowieso in einem Register für jedermann einsehbar sind. Der eine oder die andere möge sich hier bemüßigt fühlen, ebenfalls auf die Antwort dieses Mitarbeiters des Justizministeriums zu reagieren. Vielleicht bewirkt man ja gemeinsam mehr. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz POSTANSCHRIFT Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, 11015 Berlin HAUSANSCHRIFT Mohrenstraße 37, 10117 Berlin POSTANSCHRIFT 11015 Berlin BEARBEITET VON Herrn XY REFERAT II A 2 TEL (+49 30) 18 580 - 0 FAX (+49 30) 18 580 - 9525 EMAIL poststelle@bmjv.bund.de AKTENZEICHEN NA 2 - 400011- 25 127/2017 DATUM Berlin, 22, März 2017 BETREFF Ihre Eingabe vom 10. Februar 2017 an die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt Sehr geehrter Frau XY , (obwohl ich dort mit Klarnamen geschrieben habe, ist der Blog ja nur für diejenigen, die ihn über meine Mailadresse anschauen, mir zuzuordnen), der Persönlichen Referent von Frau Dr. Bärbel Kofler, der Beauftragten der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe im Auswärtigen Amt, hat Ihre Eingabe wie angekündigt wegen Ihrer Frage zur strafrechtlichen Behandlung von Mobbing an Frau Dr. Almut Wittling-Vogel, die Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtsfragen im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, weitergeleitet. Ich bin gebeten worden, Ihnen zu antworten. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich wegen der derzeitig sehr hohen Arbeitsbelastung erst jetzt dazu komme, mich mit Ihrem Anliegen zu befassen. Sie sprechen in Ihrer Eingabe Pläne von Herrn Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz Heiko Maas für ein Gesetz zur Strafverfolgung von Psychoterror an, wozu aus Ihrer Sicht Mobbing als Unterform des Psychoterrors gehöre. Hierzu kann ich Ihnen Folgendes mitteilen: Dass Mobbing zu erheblichen seelischen und körperlichen Schäden führen kann, ist unbestritten. Auch die Bundesregierung misst daher der Bekämpfung von Mobbing einen hohen Stellenwert bei. Handelt ein Täter in der Absicht, dem Opfer zu schaden, und nutzt er hierzu die auf einem Machtungleichgewicht basierende Hilflosigkeit des Opfers, um dieses über eine längere Zeit hinweg so geht es nur geh schlafen wieso geltendes Nat geht weiter runter wieso geltendes Nord mit Angriffen zu überziehen, sind dies Handlungen, die ein Rechts- LIEFERANSCHRIFT Kronenstraße 41, 10117 Berlin VERKEHRSANBINDUNG U-Bahnhof Hausvogteiplatz (U2) ________________________________________ SEITE 2 VON 2 staat nicht tolerieren darf. Zwar ist ein Gesetzentwurf zur Verfolgung von Psychoterror, wie von Ihnen geschildert, derzeit nicht geplant, jedoch hat der Deutsche Bundestag am 16. Dezember 2016 auf der Grundlage eines in unserem Haus erarbeiteten Entwurfs das Gesetz zur Verbesserung des Schutzes gegen Nachstellungen beschlossen. Dieses Gesetz ist am 10. März 2017 in Kraft getreten. Es soll den Schutz der Opfer von Nachstellungen deutlich erhöhen, da auch Nachstellungen geeignet sind, erhebliche psychische Folgen bei den Opfern zu verursachen. Bezüglich des Mobbings deckt das geltende Strafrecht die unter diesem Begriff zusammengefassten Handlungen bereits ausreichend ab. Je nach den Umständen des Einzelfalles kommt bei Mobbing eine Strafbarkeit wegen Beleidigung, übler Nachrede oder Verleumdung gemäß der §§ 185, 186, 187 Strafgesetzbuch (StGB), Nachstellung, Nötigung oder Bedrohung gemäß der §§ 238, 240, 241 StGB oder Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen, § 201a StGB, in Betracht. Auch eine Strafbarkeit wegen Körperverletzung nach § 223 StGB wäre denkbar, da durch psychische Einwirkung ebenfalls ein krankhafter Zustand verursacht werden kann. Die Schaffung eines eigenen Straftatbestandes zum Mobbing ist daher nicht erforderlich. Zudem ist es bisher nicht ersichtlich, wie die komplexen und facettenreichen Begehungsfor-men des Mobbings in einem Tatbestand zusammengefasst werden sollen, bei gleichzeitiger Fassung einer verständlichen und in der Praxis anwendbaren Norm. Eine Beibehaltung einer Vielzahl allgemein gehaltener Vorschriften, die die Erfassung der verschiedenen Straftatbe-gehungshandlungen ermöglichen, erscheint daher vorzugswürdig. Im Auftrag Gendrisch Sehr geehrter Herr XY, vielen Dank, dass Sie mir im Namen von Frau Dr. Wittling-Vogel auf meine „Eingabe antworten. Danke für die Aufklärung, dass es sich bei dem erwähnten Gesetzesvorhaben um die Verbesserung des Gesetzes gegen Nachstellung handelt. Wohl gemerkt haben wir längst ein Gesetz gegen Nachstellung, das sogenannte Stalking. Es wundert mich, dass hier die Einzeltaten, die man genauso aufschlüsseln und durch bereits bestehende Paragrafen abdecken könnte, zu einem einzigen Straftatbestand zusammengefasst werden, wohingegen dies bei Mobbing nicht der Fall ist. Beim Mobbing handelt es sich um eine serielle und kumulative Belastung, wobei eine einzige Beleidigung harmlos scheint, durch den kumulativen und seriellen Charakter jedoch eine starke Traumatisierung über Zeit und Raum hinweg entstehen kann. Somit wäre es eine Zumutung für das Opfer, hier selbst jeden einzelnen Straftatbestand nachweisen zu müssen. Es gibt einzelne Straftatbestände wie jemanden ignorieren oder Dinge verstecken, die ein Kollege, Kommilitone oder Mitschüler zur Arbeit benötigt, dauerndes Kommentieren von Handlungen und Äußerungen usw., die zwar für sich kein Straftatbestand sind, jedoch in ihrer gehäuften und permanent durchgeführten Form zu seelischen Schäden und zu Ausgrenzung und Ächtung führen. Die Ausgrenzung und Ächtung ihrerseits ist wiederum kein Straftatbestand, führt jedoch ebenfalls, wenn sie von genügend Personen durchgeführt wird, zu seelischen Schäden. Außerdem lassen sie hier Kinder und Jugendliche völlig außer Acht, denn zum einen sind Kinder und Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr nicht strafmündig und können daher für ihre Handlungen nicht belangt werden, jedoch sind hier die Aufsichtspersonen in der Pflicht. Zum anderen handeln Kinder nicht gemäß der Straftatbestände, die sie anführen, es entsteht hier keine Verleumdung, keine üble Nachrede, keine Beleidigung, aber ständige Hänseleien, Behinderung an der Ausübung bestimmter Tätigkeiten, die zum Beispiel entstehen, wenn ein Bein gestellt oder Sachen herunter geworfen werden etc., diese Piesackereien können ebenfalls zu psychischen Schäden führen. Sie argumentieren, dass man Mobbing nicht in einen Straftatbestand fassen kann. Warum ist dies dann bei der Nachstellung möglich? Seit wann ist es denn strafbar, jemandem Geschenke und Blumen vor die Tür zu legen? Seit wann ist es strafbar, jemandem Liebeserklärungen per SMS zu schreiben oder permanent Liebesbriefe zu schicken? Seit wann ist es strafbar, jemanden permanent anzurufen? Warum ist es also hier möglich, einen Straftatbestand als Gesamthandlung zu würdigen, während dies angeblich beim Mobbing nicht der Fall ist? Ich hege die berechtigte Vermutung, dass es sich bei Mobbing angeblich nur um harmlose Hänseleien handelt, oder dass hier unterschwellig der Gedanke besteht, sollen die Menschen doch ihre Streitereien unter sich ausmachen, Mobbing ist kindisch, warum soll sich der Staat hier einmischen? Außerdem wird bei Mobbing immer noch das Opfer beschuldigt. Angeblich gehören zum Mobbing immer zwei, daher trägt ja angeblich das Opfer eine Mitschuld. Dies würde man bei sexuellem Missbrauch oder bei Nachstellung nicht mehr sagen, da man hier schon etwas weiter ist. Unabhängig von den Verhaltensweisen, die ein Opfer an den Tag legt, rechtfertigen keinerlei Andersartigkeiten oder normabweichende Verhaltensweisen, dass ein Mensch gemobbt, ausgegrenzt oder geächtet wird. Da der Mensch ein soziales Wesen ist, und dies zu seiner gesundheitlichen und psychischen Integrität beiträgt, handelt es sich um einen bewusst gesetzten Schaden, um einen Menschen aus der Gemeinschaft auszuschließen, was aufgrund unserer biologischen Konstitution für jeden von uns schädlich ist. Ihre arglose Bedingung, erst wenn der Täter bewusst dem Opfer schaden will, handelt es sich um eine Straftat, halte ich für ziemlich daneben gegriffen. Welcher Täter würde denn zugeben, dass er seinem Opfer schaden will? Es würde jeder Täter sagen, dass er nicht wusste, dass er seinem Opfer schaden könnte. Welcher Täter würde denn, ohne bewusst einem Opfer schaden zu wollen, überhaupt eine Straftat begehen? Zugeben würde er es dennoch nicht. Bei Nachstellung will der Täter auch bewusst seinem Opfer schaden, nach dem Motto, wenn ich Dich nicht kriege, dann versuche ich es mit Gewalt. Hier wird der Gewaltbegriff sehr großzügig gefasst. Bei Mobbing ist dies nicht der Fall, wo jede einzelne Straftat den Sachverhalt der Gewalt erfüllen muss. Kinder und Jugendliche wissen nicht bewusst, dass sie einem anderen Kind oder einem anderen Jugendlichen mit ihrem Verhalten Schaden zufügen. Dennoch gibt es hier Aufsichtspersonen, die feststellen, dass die Kinder einem anderen Schaden zufügen, wobei nicht nur derjenige mitschuldig ist, der eine Straftat durchführt, sondern auch der, der sie nicht verhindert hat, also die Aufsichtspersonen wegen unterlassener Hilfeleistung. Sie schildern das Machtgefälle zwischen einem Täter und einem Opfer. Bei Mobbing handelt es sich häufig um mehrere Täter, somit ist ein Machtgefälle der Situation bereits immanent. Selbst wenn ein einzelner, zum Beispiel ein Vorgesetzter, einen Mitarbeiter mobbt, besteht hier bereits ein Machtgefälle. Auch wenn ein Kollege den anderen mit Mobbing überzieht, ist ein Machtgefälle gegeben, denn nur derjenige, der die Tat ausführt, hat dem Opfer etwas voraus, da er bereits weiß, was er im Schilde führt, dass Opfer jedoch erst einmal ahnungslos ist und daher der Tat nicht zuvorkommen kann. Wenn ein gleich starker Mensch einen anderen attackiert und überfällt, ist auch immer der Aggressor schuld, obwohl es sich hier nicht um ein Machtgefälle handelt. Denn alleine schon der Überraschungseffekt birgt die Tatsache, dass der Angreifer die Macht hat. Das Opfer ist zur Reaktion gezwungen. Auch bei Taten, die juristisch nicht relevant sind, die also nicht durch unser so „allumfassendes“ Strafrecht abgedeckt werden können, kann es sich um Machtausübung handeln, da der Täter das Opfer permanent, mehrmals hintereinander und in gehäufter Form schikaniert. Das Opfer ist im Zugzwang, ob es sich wehrt oder nicht, das Opfer kann es nur falsch machen. Daher besteht schon aus der Tatsache heraus ein Machtgefälle, dass das Opfer sich irgendwie wehren muss, obwohl es dies nicht gewollt und sich die Situation auch nicht Ausgesucht hat. alleine schon die Tatsache, dass ein Opfer spürt, dass es schikaniert wird, dies aber nicht nachweisen kann, da die Tat subtil ausgeführt wird, bewirkt die Ohnmacht des Opfers. Auch taten, die nicht justiziabel sind, können auf Dauer psychische Schäden machen, wenn sie nur konsequent genug durchgeführt werden. Sie sehen, ich bin eine einfache Übersetzerin und daher angewandte Sprachwissenschaftlerin und kann den Tatbestand des Mobbing dennoch irgendwie zusammenfassen. Sie können mir also nicht erzählen, dass es nicht möglich ist, den Begriff Mobbing zu fassen. Mobbing bedeutet, dass seriell und kumulativ Handlungen durchgeführt werden, die bei einem anderen zu Ächtung, Ausgrenzung und Erniedrigung führen. Die Taten im allgemeinen können justiziabel sein oder auch nicht. Dies ist meine Definition von Mobbing, nachdem sie ja auch mir als Individuum sagen, es sei meine Meinung, dass Mobbing zu Psychoterror gehört. Mobbing ist eine Unterform des Psychoterrors, das ist nicht meine persönliche Meinung, das ist eine Tatsache. Genauso wie Nachstellung eben auch zu Psychoterror gehört, so ist Mobbing eine Form, jemanden seelisch fertig zu machen, also zu terrorisieren. Dazu muss es noch nicht einmal zu offenem Terror kommen, es reichen auch schon sehr subtile Formen, um jemanden systematisch zu zermürben, wobei systematisch zermürben schon tautologisch ist, was zeigt, wie eindeutig meine Argumentation ist. Ich kann nur hoffen, dass meine bescheidenen Zeilen hier zum Nachdenken anregen. Mit freundlichen Grüßen Verfasserin ist diesen Herrschaften bekannt, das genügt!!!

Samstag, 25. März 2017

Blinde Frauen aus verschiedenen Ländern Vom 17. bis 19. März, also gut zehn Tage nach dem internationalen Weltfrauentag, fand ein Seminar zum Thema blinde Frauen aus verschiedenen Ländern statt. Dies war in unserem Blindenhotel, das ziemlich ländlich gelegen ist. Vor 27 Jahren war ich dort das letzte Mal. Damals hatte es noch einen eindeutigen Heimcharakter, ich erinnere mich noch lebhaft an das Jugendtreffen, bei dem wir unsere Salzstangen, Cola und andere Partyutensilien in den Klubraum schleppen wollten, und die gestrenge Heimleiterin da ziemlich deutlich und heftig etwas dagegen hatte. Damals hatten wir dennoch viel Spaß, aber da ich sowieso die Stadt bevorzuge, habe ich bislang diesen Ort nicht weiter aufgesucht. Ich bekam nur immer mit, dass sich in diesem Hotel, deren es einige deutschlandweit gibt, mittlerweile ziemlich viel getan hatte.

Blinde Frauen aus verschiedenen Ländern Vom 17. bis 19. März, also gut zehn Tage nach dem internationalen Weltfrauentag, fand ein Seminar zum Thema blinde Frauen aus verschiedenen Ländern statt. Dies war in unserem Blindenhotel, das ziemlich ländlich gelegen ist. Vor 27 Jahren war ich dort das letzte Mal. Damals hatte es noch einen eindeutigen Heimcharakter, ich erinnere mich noch lebhaft an das Jugendtreffen, bei dem wir unsere Salzstangen, Cola und andere Partyutensilien in den Klubraum schleppen wollten, und die gestrenge Heimleiterin da ziemlich deutlich und heftig etwas dagegen hatte. Damals hatten wir dennoch viel Spaß, aber da ich sowieso die Stadt bevorzuge, habe ich bislang diesen Ort nicht weiter aufgesucht. Ich bekam nur immer mit, dass sich in diesem Hotel, deren es einige deutschlandweit gibt, mittlerweile ziemlich viel getan hatte. Da ich Interesse an diesem Frauenseminar mit diesem Thema hatte, konnte ich mich nun von dieser Entwicklung überzeugen. Zu Dialysezeiten war es mir nicht möglich, mal eben schnell am Wochenende auf ein Seminar zu fahren, denn ich hätte ja dann, vorallem zu der Zeit der vier Wochendialysen, die halbe Zeit an der Dialyse verbracht, sodass sich die Anreise und Abfahrt gar nicht gelohnt hätten. Außerdem war die Dialyse in der Nähe ziemlich verschrien, es soll dort sogar einmal Würmer gegeben haben. Dies ist mir aber nur vom Hörensagen bekannt. Davon wollte ich mich jetzt nicht unbedingt persönlich überzeugen. Am 17. März ging es also los. Obwohl ich eine BahnCard 50 habe und es mir eigentlich gerne im ICE bequem mache, habe ich mich einer Gruppe Mitreisender aus meinem Ort angeschlossen. Eigentlich hatte ich gedacht, dass einige mit dem ICE fahren, sodass wir uns den Preis hätten teilen können, da eine Begleitperson ja umsonst fährt. So hätten beide nur ein Viertel des Gesamtpreises zahlen müssen. Aber die Damen, von denen mich eine anrief, erklärten mir, dass sie mit dem Regionalzug fahren wollten. Denn blinde fahren ja seit einiger Zeit bundesweit mit den Regionalzügen kostenlos. Früher gab es ein Streckenverzeichnis, oder die Fahrt war nur frei, wenn man in einem Verbund unterwegs war. Da diese Verbunde wie Fleckenteppiche über das Bundesgebiet verteilt sind, und zwischendurch immer kleine Strecken waren, die dann umständlich bezahlt, und für die extra eine Fahrkarte gelöst werden musste, hat man sich entschieden, diesen Aufwand zu beenden und die Fahrt im gesamten Bundesgebiet im Regionalverkehr kostenlos anzubieten. Von meiner Stadt zu dem anderen Ort wäre es mit einem ICE auch nicht schneller gegangen. Allerdings mussten wir bereits sehr früh losfahren, da um 13:00 Uhr bereits die Kennenlernrunde mit Kaffee und Kuchen anberaumt war, und 1 Stunde später der Besuch einer Moschee geplant war. Daher bat ich die Frau, die mich kontaktierte, dass sie mir vielleicht, da sie etwas früher am Bahnhof ankommen würde, eine Brezel belegt mit Gelbwurst mitbringen möge. Sie würde eine Viertelstunde früher ankommen und hätte daher noch genügend Zeit, mir diese Brezel zu besorgen. Aufgrund meiner Blindheit hätte ich es nicht geschafft, diesen Stand zu finden, mich selbst anzustellen , mein Frühstück zu organisieren und dann zum Infopoint zu finden. Außerdem war auch noch ein Kaffee dabei, ein "COFFEE TO GO", wie man ja heute neudeutsch sagt, also ein Kaffee zum Davonlaufen. Er war aber ganz gut. Ich war relativ früh da und hatte daher Zeit, mich doch noch in eine Beckerkette zu setzen, um meine 500 Punkte einzulösen, und gemütlich für 5,00 EUR einen Cappuccino zu trinken und ein Teilchen zu essen. Das Teilchen schmeckte so grauenvoll, dass ich einmal hinein biss und es liegen ließ. Ich hatte Mühe, mit Todesverachtung diesen einen Bissen überhaupt hinab zu würgen. Hätte ich jetzt etwas gesehen, hätte ich die Frau in der Schlange ansprechen können, damit sie nicht extra beim Brezelstand für mich ansteht, um mir eine Brezel zu kaufen. Wir hatten auch keine Handynummern ausgetauscht, sonst hätte ich ihr sagen können, dass ich bereits beim frühstücken bin, dann hätte ich mir auch etwas herzhaftes geholt, da ich aber wusste, dass ich eine Brezel bekomme, habe ich dieses süße Ding gewählt, das mir dann noch nicht einmal schmeckte. Das mit dem Brezelstand sollte noch Relevanz bekommen, denn ich stand am Infopoints und wartete verzweifelt, da ich ja keine Handynummer hatte und relativ schnell in Panik gerate. Wenn man nicht sieht, und der andere einen eigentlich auch noch gar nicht persönlich kennt, man also darauf angewiesen ist, dass die andere Person den Stock wahrnimmt, ist das schon ein bisschen ein Risikospiel. Die Frau sprang auf mich zu und meinte, sie würde noch anstehen. Eine andere blinde Frau war auch noch da, zwei andere blinde Frauen wollten schon vorgehen, wir würden dann alle mit dem Zug fahren, die beiden anderen blinden Frauen würden aber eine Station später aussteigen, um zum Hotel zu laufen. So mussten wir aber noch warten, bis unsere sehende Begleitung mit meiner Brezel und dem Kaffee vom Brezelstand zurück kam. Wir hatten aber genügend Zeit, den Zug zu erreichen. Dennoch waren wir etwas knapp dran. Eine der blinden Frauen sagte, wir müssten auf Gleis acht, wobei die sehende Frau versehentlich in den Zug auf Gleis neun einstieg. Alle Züge fuhren ans gleiche Ziel, doch manche hielten an jedem Zwetschgenbaum, andere fuhren etwas zeitgünstiger durch. Die Fahrdauer würde 2 Stunden unterschiedlich lang sein. Ich bin immer etwas unmobil, da ich ja zusätzliche Behinderungen habe. Daher war ich ziemlich unsicher, und wir stiegen also in den Zug ein, wobei die Begleitperson mich führte, weil die andere Frau alleine klarkam. Die Begleitung meinte, sie würde mit der anderen Frau schon einmal einen Platz suchen, und dann meinte sie noch etwas scherzhaft, sie würde mich jetzt hier stehen lassen, bis wir angekommen sein. Ich wusste schon, dass das ein Scherz war, aber ich fand ihn ziemlich blöd. Ich fühlte mich so, als sei ich eine Idiotin. Solche Scherze macht man eigentlich nur mit Kleinkindern, um sie zu ärgern. Die anderen beiden hatten wir bereits verloren, da wir die normale Treppe zum Bahnsteig nahmen, während die anderen beiden Damen mit der Rolltreppe hochfuhren. Ich wartete und wartete, allmählich beschlich mich schon die Befürchtung, dass die Begleitung ihre scherzhafte Bemerkung tatsächlich wahr machen würde. So dachte ich, wer so blöd daher redet, der hat mal eine Lektion verdient. Ich ging also in die Richtung, in die die Frauen gegangen waren. Auf einmal hörte ich, wie eine der beiden schrie: „wir sind im falschen Zug, raus, raus!!!" So sprang ich eben auch aus dem Zug, ich dachte, Glück gehabt, dass Du nach vorne gekommen bist. Der Zug stand immer noch, aber der andere, mit dem wir hätten fahren müssen, war bereits weg. Dann rannte unsere Begleitung aufgeregt am Bahnsteig entlang und schrie, sie hätte mich gesucht. Ich sagte ihr, dass sie doch behauptet hätte, sie würde mich bis zum Zielort stehen lassen, woraufhin sie meinte, dass dies ein Scherz gewesen sei. Ich sagte ihr, dass ich das weiß, aber solche Scherze nicht mag. Der Zug wäre so oder so weg gewesen, selbst wenn ich an Ort und Stelle stehen geblieben wäre, hätte sie mich nicht rechtzeitig in den anderen Zug bringen können. Auf einmal gesellte sich noch eine andere Frau zu uns, die beiden anderen Damen, die die Rolltreppe genommen hatten, waren im richtigen Zug. Diese andere Frau, die ebenfalls zu diesem Seminar wollte, hatte den Zug nicht wahrgenommen. Es war ein kurzer Zug, der nicht ganz bis zum Mittelaufgang gereicht hatte, sodass sie nicht merkte, dass er längst auf dem Gleis stand. Er fuhr ihr sozusagen buchstäblich vor der Nase davon. Wir entschieden also, wieder in den falschen Zug einzusteigen, der zwar ebenfalls zu unserem Zielort fuhr, aber 2 Stunden länger brauchte. Die Frauen schimpften etwas, dass sie nun 2 Stunden später ankommen würden. Ich hatte überhaupt keinen Plan, wie lang die Fahrt dauern würde, daher war ich auch nicht sonderlich enttäuscht, hatte ich doch sowieso mit einer ellenlangen Fahrt gerechnet, da wir nicht im ICE waren sondern in einem Regionalzug. Dass diese auch manchmal so schnell wie ein ICE sein könnte, hatte ich überhaupt nicht auf dem Schirm. Mir war nur wichtig, dass wir bis zur Vorstellungsrunde da sein würden. Wir würden aber am Ankunftsort den Regionalzug in die Kleinstadt nicht bekommen, von der aus wir dann noch einmal einen anderen Zug in das Dorf mit dem Hotel nehmen würden. So ging der ganze Plan durcheinander. Es war ein Taxi bestellt gewesen, welches uns ins Hotel fahren sollte. Die Begleitperson rief also im Hotel an und bat die Sekretärin, das taxiabzubestellen und uns ein Taxi zu der kleineren Stadt davor hin zu schicken. Die Sekretärin war sichtlich begeistert, sie war schon mit dieser einen bitte überfordert, wahrscheinlich hatten mehrere Damen ihren Zug verpasst. Unsere Begleitperson räsonierte die ganze Zeit darüber, wer nun Schuld war. Sie sei schuld, sie sei eine schlechte Begleitperson, und sie hätte uns in die irre geführt, und sie fing fast zu weinen an. Ich hielt mich zurück, denn ich befürchtete, dass am Ende die Schuld bei mir landen würde, wie das ja meistens der Fall ist, da ich ja auch einen kleinen, wenn auch unwesentlichen Beitrag zu dem ganzen Durcheinander geleistet hatte. Als sie dann einmal meinte, sie hätte einen Albtraum gehabt, dass ich im Zug stecken bleibe, oder sie mich nicht findet, und mit mir dann in dem Zug bleiben müsste, sagte ich ihr, selbst wenn sie mich gefunden hätte, wäre der andere Zug sowieso schon weg gewesen. Die andere Frau, die zu uns gestoßen war, erklärte in regelmäßigen Abständen, dass sie nun schon seit 2 Stunden dort wäre, wenn sie nicht den Zug übersehen hätte. Dann kamen wieder die üblichen Floskeln, was man nicht ändern könne, müsse man ebenso hinnehmen, wenn es sowieso keine Lösung gibt, sollte man sich nicht weiter aufregen. Mit der einen Frau, die zu uns gestoßen war, unterhielt ich mich sehr angeregt. Sie war blind, arbeitete halbtags als Softwareentwicklerin und hat drei Kinder. Ich fand dies sehr bewundernswert. Auch war sie geistig sehr rege, man konnte wirklich eine gute Unterhaltung mit ihr führen. Sie schien mir auch recht selbstbewusst, das merkte ich auch, als wir am Bahnsteig entlang liefen, und uns jemand anfasste, und sie sich lautstark zur Wehr setzte. Ich erklärte daraufhin, dass ich mich das nicht traue, da man mir so häufig eingeredet hat, dass ich lediglich über empfindlich sei. Sie meinte, das würde sie sich nicht gefallen lassen, da hätte sie schon ganz andere Ansprüche ans Leben. Auf der einen Seite bin ich beruhigt, dass es andere auch stört, wenn sie einfach angefasst werden. Auf der anderen Seite komme ich mir immer vor wie ein Depp, dass ich mich nicht traue, mich so lautstark zur Wehr zu setzen. In einer Selbsthilfegruppe habe ich hier auch wenig Rückhalt: Von anderen, die nicht betroffen sind, höre ich meistens, das es doch nicht so schlimm ist, und die anderen es doch nur gut meinen. Von anderen blinden höre ich dann wiederum, ich solle mich doch durchsetzen, sie könnten doch das schließlich auch. Wie schön für die! Ich hatte einen ganz anderen Sozialisationshintergrund. Ich weiß noch, dass mich einmal eine Frau einfach anfasste, und ich schrie sie an, was soll das, mich einfach anzufassen. Da sagte eine 14 Jahre ältere Freundin zu mir, die wird sich das beim nächsten Mal genauer überlegen, ob sie jemanden noch mal anfasst, wenn sie noch mal an so einen wie Dich gerät, die dann so überreagiert. Mich setzt so etwas extrem unter Spannung. Ich bräuchte Menschen, die mir mal sagen, das ist Dein gutes Recht, Du darfst Dich wehren, die aber auch verstehen, dass mir dies vielleicht jetzt noch schwer fällt, und dass ich hier vielleicht langsam und vorsichtig üben muss. Ich komme mir wesentlich kleiner und schwächer vor als andere blinde, die das offenbar draufhaben. Irgendwann klingelte dann mein Handy, da eine SMS gekommen war. Ich schaute dann gleich aufs Display, und schon hörte ich wieder die anderen Frauen, die einander inbrünstig beteuerten, dass sie sich nicht von diesem Gerät versklaven ließen, dass sie nicht dauernd auf ihr Display schauen würden, dass sie nicht dauernd zwanghaft nach Nachrichten suchen würden. Dies sind so die aller üblichen Floskeln. Das regt mich furchtbar auf, ich traute mich dann gar nicht, als ich auf die SMS geantwortet hatte, noch einmal zu schauen, als noch eine weitere Antwort kam, sonst hätte ich wieder all diese Sprüche anhören müssen. Hinterher gestand mir dann die Softwareentwicklerin, dass sie selbst auch öfter aufs Handy schaut. Sie hatte sich aber nicht getraut, etwas zu sagen. Wo doch alle immer so selbstbewusst und mutig sind. Aber mich zu unterstützen ist halt nicht opportun, und da bedarf es schon noch einem gerüttelt Maß mehr an Zivilcourage. Und außerdem bin ich das offenbar gar nicht wert. Warum kann man nicht einfach mal sagen, ich schau auch immer auf mein Handy, der eine macht das halt, der andere nicht. Dann wäre ich nicht jedes Mal mit meiner Ansicht alleine. Ich mag diese allgemeinen Plattitüden nicht, dass in der heutigen Zeit nur noch alle auf ihr Handy schauen, und wie verkommen doch die Menschheit ist, und dass wir alle zu digitalen Analphabeten werden, die sich von diesem Gerät versklaven lassen. Man muss halt auch mal auf sein Handy schauen, d.h. ja nicht, dass man deswegen gleich süchtig danach ist. Hätte ich jetzt die ganze Zeit damit rumgespielt, hätte ich das ja auch verstanden, dass das anderen auf die Nerven geht. Und die Höflichkeitsetikette habe ich durchaus eingehalten. Aber so ein Ding ist eben auch praktisch. Wir stiegen dann um und gingen, da wir noch Zeit hatten, in die Bahnhofsmission, um dort einen heißen Tee zu bekommen. Einige waren überrascht, dass es in der Bahnhofsmission sogar zu essen gibt. Ich hatte schon öfter mit der Bahnhofsmission zu tun, da ich häufig Umsteigehilfe in Anspruch nehme, und dann, wenn ich warten musste, auch mal einen Tee oder eine heiße Suppe angeboten bekomme. Auf die Toilette wollte ich aber dennoch dort nicht gehen, da ich aufgrund meiner Immunsuppression etwas darauf achten muss, wer vor mir vielleicht schon dort war, auch wenn dies vielleicht ein Vorurteil ist. Als wir dann in den Zug einstiegen, hörten wir eine folgenreiche Durchsage. Der Zug wurde dreimal geteilt, und die Durchsage war zwar leise, dennoch konnten wir sie verstehen. Die meisten saßen im falschen Abteil, und die Schaffnerin fragte jeden, wo er denn hin wollte. Eigentlich hätte man einfach im Zugabteil abstimmen können, wo welcher Teil des Zuges hinfahren soll, denn die meisten mussten wechseln. Das fand ich die Krönung dieses bereits misslungenen Anfangs der Reise. Das andere hatte mich gar nicht so gestört, aber dass wir nun auch noch so einen drauf kriegen, das fand ich dann den Abschuss. Für das andere konnte ja niemand was, aber dann auch noch bei der nächsten Haltestelle raus zu müssen und Angst zu haben, nicht mehr rechtzeitig reinzukommen, das fand ich schon in Anbetracht all der Unbill, die wir vorher schon erleben mussten, den Gipfel. Wir hatten es aber geschafft, und endlich waren wir dann auch in der Kleinstadt angekommen. Dort erwartete uns das Taxi. Es war ein Mercedes der E Klasse, und mir wurde schlecht. Die Straßenlage dieses Gefährts ist wirklich furchtbar gewöhnungsbedürftig, ich hatte das Gefühl, ich würde mit einer Rakete in Lichtgeschwindigkeit durchs All gejagt, und das mit vielen engen Kurven. Ich brauche doch etwas Bodenhaftung, und da ich schnell Reise krank werde, hätte ich besser vorne gesessen. Da ich aber recht klein bin, und wir größere Frauen dabei hatten, ließen wir natürlich der größten den Vorzug, damit wir alle drei uns hinten in den Fond des Wagens hineinquetschen konnten. Da wir alle schmal waren, war das kein Problem. Dennoch war ich fast dabei, mich zu übergeben, bis wir dann endlich ankamen. Als ich aus dem Auto ausstieg, wackelte der Boden immer noch beträchtlich. Wir hatten gerade noch Zeit, unser Gepäck ins Zimmer zu werfen, schnell mal aufs Klo zu gehen und dann in den Seminarraum zu gehen. Dazu musste man das Gebäude verlassen, und es war ziemlich schwierig, den Weg zu dem anderen Haus zu finden, sodass ich dieses Unterfangen Best möglichst nicht alleine in Angriff nahm. Dort angekommen stellte ich fest, dass wir so um die 50 Frauen waren, und dass zur Verständigung ein Mikrofon nötig war, welches über Funk lief, und das von Person zu Person weitergereicht wurde. Der Kuchen war herrlich, es gab Donauwelle, aber die Platte der Donauwelle war aus Milchschokolade. Die Begleitperson mochte dies nicht und gab mir dann ihre Platte auch noch. Ich fand das herrlich, da ich zartbitter nicht ausstehen kann. Ich war aber so satt, obwohl ich bloß eine Brezel mit Gelbwurst zum Frühstück hatte, dass ich nur ein Stück Kuchen aß. Die Vorstellungsrunde war interessant, aber es waren so viele mir unbekannte Leute und so viele Namen, dass ich mir fast nichts davon merken konnte. Einige Frauen kannte ich bereits, es waren auch einige dabei, die Leute kannten, die ich kannte, die ich aber zuvor noch nicht getroffen hatte. So klein ist eben die Welt der Blinden. Die Frauenbeauftragte ist aus meiner Heimatgegend, so war sie mir sowieso schon vertraut, ich kannte sie ja sowieso, da ich in dieser Bezirksgruppe bereits Mitglied war, und es kamen auch noch einige andere aus unserer Heimatregion mit. Dann ging es los zur Moschee. Es war eine der liberalsten Moscheen in ganz Deutschland, wobei dort ein Imam amtiert, der fünf Sprachen spricht und einen Doktortitel hat. Er hat ein Buch geschrieben mit dem Titel: "grüß Gott, Herr Imam Anführungszeichen. Wir wurden von einer Religionspädagogin des Islam empfangen. Sie erklärte uns, wie die Waschungen vor jedem der Fünf Gebete funktionieren, und dass der Koran auf Arabisch ist, da das arabische die Sprache ist, mit der man mit Gott verbunden ist. So wie im Christentum Gott Fleisch geworden ist, und die Christen durch die Einnahme der Hostie mit ihm verbunden sind, so ist es im Islam üblich, dass man auf Arabisch betet, auch wenn man es nicht versteht, da Gott Wort geworden ist, und man so mit ihm in Verbindung tritt. So hat sie es uns erklärt. Sie hat auch kein Hehl daraus gemacht, dass sie die derzeitige Politik in der Türkei nicht gutheißt. Dann kam der Imam, der uns den Ruf des Muezin vorbetete. Ich fand das wunderbar, dies war ein wirklich meditativer Moment, mir wurde richtig warm. Das Gefühl, wir haben alle denselben Gott, egal, wie wir ihn nennen, und alle Menschen sind auf ihre Weise mit ihm verbunden, ob sie es glauben oder nicht, fand ich schon sehr schön. Ich bin zwar kein sehr gläubiger Mensch, aber ich bin sicher, es gibt etwas zwischen Himmel und Erde. Es war wirklich ein schönes Gefühl, dass verschiedene Religionen friedlich nebeneinander sitzen können. Ich habe einmal geträumt, dass es einen Gottesdienst gegeben hätte, in dem die Christen ihre Gebete gesprochen und ihre Lieder gesungen haben, und die Moslems haben ihre Gebete gesprochen, und alle haben Zusammengottesdienst gefeiert. Das war ein wirklich schöner Traum. Die Religionspädagogin wies auch auf die Gefahr hin, dass dadurch, dass der Koran auf Arabisch ist, viele falsche Übersetzungen kursieren, und den Leuten, die arm sind und wenig Bildung haben, alles Mögliche erzählt werden kann, was dann zum Extremismus führt. Sie ist immer noch entsetzt darüber, dass ihre Cousinen in der Türkei so wenig Bildung haben. Viele können nicht lesen und nicht schreiben, einer von ihren Tanten war es lediglich wichtig, Arabisch lesen zu können, damit sie den Koran lesen kann, ohne ihn zu verstehen. Es ging ihr nur um die spirituelle Verbindung. Dennoch ist es wichtig, dass die Menschen Bildung haben, das hat ihnen auch ihr Vater beigebracht, so das sie eben auch studieren konnte. Gäbe es mehr Bildung, wäre dies ein Faktor, um Terrorismus oder Extremismus zu verhüten, allerdings natürlich nicht der einzige. Es gehört natürlich auch Geld dazu oder auch soziale und emotionale Sicherheit. Und Gleichberechtigung der Frauen und Männer, eine gute Behandlung der Kinder und viel wissen. Danach waren wir noch zum Tee eingeladen. Wir waren alle sehr beeindruckt, wir hätten noch stundenlang mit dieser Frau diskutieren können. Als wir dann im Hotel ankamen, musste ich mich zum Abendessen am Buffet anstellen. Ich hatte etwas Angst, da ich hörte, dass der Betrieb von Bedienung auf Buffet umgestellt worden war. Ich zweifelte, wie das bei Blinden wohl gehen würde. Doch die Sache wurde so geregelt, dass, sobald man dran war, man aufgeklärt wurde, was es alles gibt, jeder dann seinen Wunsch äußerte, die Sachen auf den Teller gepackt wurden, und derjenige, der einen bedient hatte, brachte einen auch an den Tisch. Ich war komplett ausgehungert, da ich eben außer den oben genannten Dingen am Tag nichts gegessen hatte. Wenn ich Hunger kriege, wird mir wirklich schlecht. Ich habe zwar keinen Diabetes, doch neige ich ziemlich stark zum unter Zucker. Dies merke ich dann, und ehe ich komplett kollabiert wäre, habe ich mir das letzte trockene Brötchen geschnappt, während ich ewig am Buffet anstand. Vorwiegend habe ich vegetarisch gegessen, da die vegetarischen Speisen immer die interessantesten sind. So schöne Dinge kann ich mir zu Hause selbst nicht machen. Ich habe sogar gewagt, Salat zu essen, obwohl man als transplantierter vom Buffet normalerweise keinen Salat essen soll. Ich habe eben keinen Joghurt sondern Essig und Öl genommen, denn da ist die Keimbelastung niedriger. Außerdem wird dort alles frisch gemacht und wartet nicht ewig, bis jemand kommt, um es zu verzehren , während die Bakterien dort in der Zwischenzeit fröhliche Urstände feiern. Normalerweise esse ich ungern Salat, aber die Sorten, die sie hatten, haben mir sehr gut geschmeckt. Zum Frühstück habe ich natürlich schon Rühreier gegessen, da niemand 1 Stunde vorher aufsteht, um mir zu Hause Rühreier mit Speck zu machen. Der durfte natürlich auch nicht fehlen. Außerdem habe ich auch Müsli gegessen, dass ich aufgrund der Transplantation normalerweise auch nicht essen sollte, aber dort wurde es frisch zubereitet. Normalerweise bilden sich gerade bei gelagerten Nüssen und Rosinen Schimmelpilze, die bei immunsupprimierten Menschen zu Pilzbefall führen könnten. Wenn die Immunsuppression mal etwas heruntergefahren wird, kann ich mir vielleicht wieder erlauben, Studentenfutter zu essen, mit dem ich während der Dialysezeit schon immer zurückhaltend sein musste, dass ich aber sogar zu dieser Zeit wesentlich häufiger aß. Das Problem mit dem Kalium war wesentlich besser abzuschätzen und überschaubarer, als das Risiko, eine Infektion zu bekommen . Auch mit Blumenerde darf ich nicht mehr hantieren, es sei denn ich benutze Mundschutz und Handschuhe, daher haben wir auf Hydrokultur umgestellt. Ich habe es sehr genossen, frisches Obst in das Müsli, das mit Joghurt angereichert war, hinein zu schnippeln, und ich habe gerade die Sachen genommen, die ich zu Hause nicht so häufig oder gar nicht bekomme. Meine Tischnachbarinnen waren immer dieselben, wir wurden einem bestimmten Tisch zugeteilt. Bei uns saß die Älteste des Seminars, dann war noch eine Frau dar, die ich von einem Musikseminar her kannte, und es gab noch eine Frau aus einem anderen Teil Deutschlands, die mittlerweile hier lebt. Wir hatten angeregte Gespräche. Was mich aber immer wieder nervt ist, sobald eine eine Meinung äußert, und ich äußere eine andere Meinung, dann sind alle ihrer Meinung. Ich habe noch nie erlebt, dass es in irgendeiner Runde zwei zu 2,3 zu 1,1 zu drei oder vier zu null stand. Meistens steht es eins zu drei für mich. Das finde ich schade. Wenn ich zum Beispiel sagte, eine Referentin hat undeutlich gesprochen, sagte die andere, ich hab alles verstanden. Schon kam das Echo, ich auch. Ich nehme so etwas mittlerweile persönlich, denn es ist unwahrscheinlich, dass jedes Mal, wenn ich etwas empfinde und eine andere etwas anderes, dann der ganze Tisch dasselbe spürt wie die eine. Es kommt einfach darauf an, welchen sozialen Rang man hat. Auch nervte es mich immer, dass eine zum Beispiel irgend eine Begebenheit erzählte, die sie störte. Dann trug ich auch etwas dazu bei, aber sobald ich dann meine Anekdote erzählt hatte, kam auf einmal Widerspruch von den anderen, dass ich doch die andere Seite verstehen müsste, das sei doch nicht so gemeint. Bei den anderen hat man sich nicht getraut, diese Einwände zu liefern. Zum Beispiel beschwerte sich die ältere Frau, dass ihr laufend Leute rückmelden, man würde ihr die Behinderung nicht anmerken. Es sei doch nicht bewunderungswürdig, dass man jemandem die Behinderung nicht anmerkt, und dann würde dies noch mit der Äußerung kommentiert, Du wirkst doch ganz normal. Mir ist einmal dasselbe mit Jutta Ditfurth passiert. Ich war auf der linken Literaturmesse, und Jutta Ditfurth stand hinter einem stand, und als ich sie fragte, welcher Buchtitel von ihr war, ging sie mich etwas aggressiv an, wie es so ihre Art ist, und meinte, das steht doch drauf. Da sagte ich, dass ich fast blind bin, und sie meinte, das merkt man gar nicht, Du wirkst doch so normal. Ich fand diese Äußerung für eine Medizinsoziologin ziemlich unpassend. Wenn jemand schon bei den Grünen war, wo Randgruppen eigentlich ganz normal angeschaut werden, zumindest angeblich, dann finde ich es nicht gerade schmeichelhaft, wenn man das Gefühl hat, jemand, der blind ist, wird normal oder nicht normal. Daraufhin ärgerte ich sie und schaukelte vor und zurück und meinte, soll ich vielleicht so herumlaufen. Da war sie ziemlich fertig. Das hat mir aber Spaß gemacht. Statt dieses Highlight nun von den anderen bewundert zu wissen, dass ich sogar mit einer so berühmten Persönlichkeit in dieser Sache aneinandergeraten war, schwenkte man sofort wieder um und meinte, die Leute meinen das doch nicht so mit ihrer Wortwahl. Mich ärgert so etwas immer, denn ich finde dann Gespräche ziemlich anstrengend. Dauernd wird mir dagegen geredet, es liegt wahrscheinlich an meiner Erkrankung, dass ich so etwas an mir habe, dass andere sich dauernd bemüßigt fühlen, mich wie ein trotziges Kleinkind aufzuklären. Ich hätte eigentlich erwartet, dass die anderen beeindruckt sind, dass ich mit so jemand bekanntem so eine Art von Scharmützel hatte, und dass sie mir beipflichten würden. Zumindest gestand die eine zu, dass es von einer Medizinsoziologin dieser Kategorie schon zu erwarten gewesen wäre, dass sie sich nicht so äußert. Aber im allgemeinen sei doch diese Wortwahl nicht schlimm. Bei der älteren Frau hätte sie sich das nicht zu sagen getraut, obwohl die ja dieselbe Ansicht zuvor vertreten und dieselben Probleme bemängelt hatte wie ich. Ich registriere solche Dinge mittlerweile sehr stark, weil mir das wirklich auf die Nerven geht. Im Alter zwischen 15-20 hat mich das noch nicht so gestört, doch fiel mir schon immer auf, dass egal, was ich sage, ich mit meiner Meinung immer alleine dastehe, und sei sie auch noch so vernünftig. Nur wenn der inoffizielle Leithammel der Gruppe dieselbe Meinung hat wie ich, dann schließen sich alle an. Dann traut sich aber auch keiner, dem ungeschriebenen Leithammel der Gruppe zu widersprechen. Am Abend trafen wir uns dann im Foyer, denn in der Gaststube, wo hauptsächlich Getränke ausgeschenkt wurden, war es ziemlich stickig. Die Bedienung ging aber auch sehr bereitwillig nach draußen. Überall konnte man etwas zu trinken bekommen. Auch im Speisesaal wurde zu trinken angeboten, sie hatten eine ziemlich erkleckliche Auswahl an Säften und Schorlen. Das hat mich schon sehr beeindruckt. Nachdem der Ober meinte, ich könnte jede Art von Saft haben, fühlte ich mich schon etwas herausgefordert, nun extra eine Sorte zu nennen, die er gewiss nicht hat. Daher bestellte ich Ananasschorle, aber er hatte sie. Am nächsten Tag kam dann die Bedienung, und ich wollte eine Aprikosenschorle, die hatten sie aber nicht. Da dachte ich, schade, dass dieses Mal der Kellner nicht da ist. Ich fand ihn ziemlich witzig, daher hätte mir das gefallen. Die Frau, die mit uns gereist war, und die ältere Frau, die mit uns am Tisch saß, fanden sich abends im Foyer mit mir an einem Tisch, sodass wir stundenlang Gespräche führten. Natürlich kamen die Softwareentwicklerin und ich wieder in ein angeregtes Gespräch, so das dann irgendwann einmal die andere Dame meinte, ich bin Fay auch noch da. Bei mir wurde ja jetzt auch ADHS diagnostiziert, da ich noch einmal die Autismusdiagnose festigen lassen wollte, und dabei meinte die Psychologin auch spontan, sie könnte mich auch mal auf ADHS untersuchen. So hatten wir ein Thema, denn da die Softwareentwicklerin Kinder hatte, kannte sie diese Problematik aus der Schule. Auch so hatten wir viel Gesprächsstoff. Dann ging es um die Frage, inwieweit man sich dauernd konform zu verhalten hätte. Die ältere Frau erzählte uns, dass sie sich im Unterhemd in den Garten gesetzt hätte, und eine Nachbarin vorbeigekommen sei und sie gefragt hätte, ob sie das toll fände, was sie provokant mit ja beantwortet hatte. Dann kamen die allüblichen Floskeln, man solle sich doch nicht um die Meinung anderer Scheren. Ich war so erzogen worden, dass man sich nicht einmal im Schwimmbad, wo sowieso jeder einen Bikini trägt, im BH hinlegen kann. Mich hat das immer gewundert. Ich bin ziemlich irritiert, denn solche Dinge habe ich früher einfach gemacht, ohne mich darum zu scheren. Damals hielt man mich für komisch, man hat mir erklärt, dass man so etwas nicht tut. Damals begriff ich nicht, was denn der Unterschied zwischen BH und Bikinioberteil ist, und wo man die Vorhänge zumacht, wenn man welches Oberteil oder Top oder Hemd wechselt. Nun hat man mir dies eingetrichtert, und als jemand, die sich mit sozialen Regeln sowieso nicht auskennt, habe ich diese Dinge immer beherzigt. Nun kommt wieder jemand und erzählt mir, es sei doch nicht mutig, man müsse doch einfach authentisch sein, man könne doch tun, was man eben wolle, und man müsse sich doch nicht um die Meinung anderer Scheren. Ich frage mich immer, ob diese Ansichten Lippenbekenntnisse sind, oder ob andere wirklich so mutig sind. In diesem Falle war es ja wirklich mutig von ihr gewesen. Ich bin auf zwei verschiedene Weisen erzogen worden: auf der einen Seite hatte ich im Blinden-Ghetto viele Leute, die sehr offenherzig waren, und die sich kaum darum scherten, was man tut oder nicht. Auf der anderen Seite hatte ich ein Elternhaus, in dem sehr darauf geachtet wurde, nicht anstößig zu sein und immer auf die Meinung der anderen zu schauen. Bei den liberaleren Menschen hieß es, ich sei verklemmt, bei den pingeligeren hieß es wiederum, ich sei wohl komisch. Ich finde, wer die Regeln kennt, kann sie brechen. Jemand, der die sozialen Regeln nicht beherrscht und sich versehentlich so verhält, ist einfach nur ein armer Tölpel. Erst dann, wenn man die Regeln wirklich kennt, weiß man auch, wo man sie übergehen kann. Manche können sich auch eher leisten, Regeln zu brechen als andere. Es ist eben nicht dasselbe, wenn zwei das gleiche tun, auf gut bayerisch, wer ko, der ko. Daher wandte ich ein, dass es leicht ist, gegen den Strom zu schwimmen, wenn man genau weiß, wo man es auch tun kann. Es ist schwieriger, wenn man einfach ohne soziale Regeln lebt, da man dann laufend aneckt. Die anderen meinten, es sei doch toll, wenn man authentisch ist, seine Gefühle zeigt und einfach so ist, wie man eben ist. Ich habe damit nur negative Erfahrungen gemacht. Ich glaube, jemand, der die sozialen Regeln ganz genau kennt, kann auch ganz subtil Akzente setzen und sich nonkonform verhalten. Dann kommt er gut damit an. Jemand, der schwer behindert ist und sich merkwürdig verhält, wird nicht so als toll und authentisch empfunden. Auf meiner Reha war ein Mann, der wohl eine manisch depressive Phase hatte, und der mit Engelsflügeln auf dem Rücken und Rosa Gewand herumlief. Der wurde relativ stark belächelt und stante pede in die Psychiatrie expediert. Da beißt es sich schon aus mit Authentizität. Ich habe versucht, den anderen klarzumachen, dass NonkKonformismus heute bereits zum mainstream gehört. Denn die Softwareentwicklerin brachte irgendwelche Liedtexte daher und meinte, dass diese stark auf sie zu treffen. Ich kann mit Lyrik wenig anfangen, das ist bei Autisten so, ich werde eher von sachlichen Texten berührt, oder mich berührt die Musik. Diese Texte, dass man doch sein Leben so leben solle, wie man es will, sind ja heute mittlerweile schon salonfähig und im Mainstream angekommen. Das ist ja keine große Äußerung mehr. Im Gegenteil, wer heute noch sagt, es gibt Regeln, gilt als langweilig. Daher ist es schon wieder er nonkkonform, sich konformistisch zu verhalten oder zu sagen, dass man nicht den Mut hat, Regeln zu brechen. Außerdem haben Nonkonformisten eben auch ihre Regeln, wie singt schon Reinhard May, ich trage jetzt die Nonkonformistenuniform. Das ist eigentlich ein Widerspruch in sich, das sollte ja auch so beabsichtigt sein. Ich glaube nicht, dass Menschen tatsächlich den Mut haben, konsequent nonkonformistisch zu sein, denn auch bei allen Untergruppen von Menschen, die meinen, gegen den Strom zu schwimmen, gibt es subtile und ungeschriebene Regeln. Ein Punk würde auch merkwürdig auffallen, wenn er in einem Anzug daher käme. Hier gibt es eben auch Kleiderregeln und Dresscodes. Deswegen ist es mit der Nonkonformität nicht wirklich ganz so weit her. Denn man muss sich doch subtil an irgendwelche ungeschriebene Gesetze halten, und wehe, wenn jemand die nicht genau kennt und sich dann merkwürdig verhält, wann es eben nicht geboten ist. Somit gibt es auch in punkto Nonkonformität ziemlich strenge Regeln. Wenn man die nicht im Gefühl hat, weil man hier ein Defizit hat, tut man besser daran, sich lieber an die Regeln zu halten. Das ist wie mit der Grammatik, wenn man in einem bestimmten Land geboren ist und die Sprache kennt, hat man das im Gefühl, wann man sie fehlerhaft benutzen darf. Ansonsten wirkt es nur so, als könnte man sie einfach nicht sprechen. Es ist halt ein Unterschied, ob man irgendwelche Eigentümlichkeiten hat, die dann als individueller Charakter gewertet werden, und die andere toll finden, oder ob man Merkwürdigkeiten hat, weil man es nicht besser weiß. So etwas fällt dann aus dem Rahmen dessen, was man noch an Nonkonformität überhaupt duldet. Dennoch fand ich es mutig, dass die Frau, als ihre Nachbarin sie rügte, einfach selbstbewusst genug war zu sagen, ich finde das schön. Es gibt eben auch verklemmte Menschen, aber wer die Regeln kennt, kann auch besser unterscheiden, ob jemand einfach nur verklemmt ist, oder ob er selbst sich jetzt tatsächlich zu stark aus dem Regelwerk entfernt hat. Ich könnte nicht unterscheiden, ist der andere jetzt einfach nur verklemmt und spießig, oder bin ich jetzt wirklich zu weit gegangen? Das halte ich für problematisch, und es ist eben heutzutage eher eine Modeerscheinung, dass jeder, selbst der, der brav und konformistisch ist, irgendwelche Phrasen drischt, dass man sich doch nicht immer an das halten soll, was die Umwelt von einem verlangt. Das gehört ja fast schon zum guten Ton, selbst dann, wenn man nicht wirklich und konsequent danach handelt. Das haben die beiden aber nicht verstanden. Mir wurde dann immer gesagt, ich solle doch einfach nicht auf die anderen hören, und dann warf sie mir irgendwelche Liedtexte um die Ohren. Ich hatte da keine Chance mehr, zumal ich mich manchmal so ausdrücke, dass es entweder trivial klingt, und jeder denkt, hast Du das auch schon gemerkt. Oder das, was ich sage, klingt so abwegig, dass es jedem nur merkwürdig vorkommt. Ich kann mich aber leider nicht wirklich gut ausdrücken, wenn ich mündlich angespannt bin, und im direkten Kontakt mit jemandem bin. Dann haben die anderen nicht die Geduld, bis ich wirklich Zugang zu meinen geistigen Gedankengängen habe, und diese dann aber noch in Worte fassen kann. Das finde ich sehr schade, da ich dann meistens dämlicher rüberkome, als ich wirklich bin. Vielleicht bin ich aber auch tatsächlich zu dämlich oder anderen im Dialog einfach nicht gewachsen. Wahrscheinlich sind andere auch wesentlich weiter als ich in dem, was sie so erlebt haben, und mit was sie so konfrontiert sind. Meine Überlegungen sind da eher theoretisch. Wir sprachen bis 1:00 Uhr in der Nacht, und endlich entschieden wir uns, mal ins Bett zu gehen. Im Zimmer war ich ziemlich an genervt, da ich mich überhaupt nicht auskannte und mit meinen Fingern das halbe Zimmer abtasten musste, um Steckdosen oder Lichtschalter zu finden. Ich hatte das Gefühl, obwohl das Zimmer sauber war, mit meinen Händen das ganze Zimmer durch zu putzen. Ich bin nicht zu erpicht darauf, im Gegensatz zu einigen anderen Blinden, alles abzufummeln. Ich fand es schrecklich nervenaufreibend, dauernd alles ab zu tasten, wobei mir dauernd irgendetwas unter die Finger kam, und ich aber nie das fand, was ich eigentlich suchte. Auch den sprechenden Fernseher, der anders war als der, den ich zu Hause habe, konnte ich ohne fremde Hilfe nicht bedienen. Am Frühstückstisch erzählte ich dann, dass ich alles abfingern musste, und dass ich schon Fußpilz an den Händen kriege, weil ich sämtliche Erreger und Keime aller Baustoffe des Zimmers mit den Händen abgefahren war. Am Ende des Aufenthaltes, als wir einmal im Vorraum der Hoteltoilette standen, erklärte mir meine Tischnachbarin, dass man die Seife erhält, indem man einfach die Hand unter den Seifenspender hält, ich sei doch schließlich so pingelig, da würde ich bestimmt auch keinen Fußpilz an den Händen kriegen. Solche Äußerungen, die mir einfach so spontan einfallen, kommen offenbar bei den sonst so spontanen und so freidenkenden selbsterklärten Individualisten dann doch nicht so gut an. Mich aber deswegen gleich generell als pingelig zu bezeichnen, hat mich schon gestört. Sonst bin ich nämlich nicht pingelig, ich mag nur einfach nicht dauernd alles anfassen. Schließlich musste ich ja extrem suchen, da ich ja immer Probleme habe, etwas zu finden, und daher war ich mindestens eine halbe Stunde damit beschäftigt, das halbe Zimmer mit den Händen zu durchsuchen. Das hat dann nichts mit pingelig zu tun. Um 9:00 Uhr sollte es mit den Vorträgen weitergehen. Bereits im Bus zur Moschee hatte ich eine Japanerin kennengelernt, die neu war und niemanden kannte, und da ich sonst im Bus immer allein sitze, hat sie den einzig leeren Platz bei mir gefunden. Wir unterhielten uns, und es stellte sich heraus, dass sie einige Leute kannte, die mit mir bekannt sind. Sie war mit einem deutschen sehenden Gymnasiallehrer verheiratet, und sie arbeitete als blinde Frau als Korrespondentin in einer japanischen Firma für Naturkosmetik, die zwischen Deutschland und Japan Kontakte hat. Das finde ich bewundernswert, soweit hätte ich es auch gerne gebracht. Immerhin habe ich ja auch mal Sprachen studiert. Sie hat sogar in Amerika studiert. Sie hatte so eine kindliche Stimme, dass ich sie komplett unterschätzt hatte, und ich war erstaunt, dass sie bereits 44 Jahre alt war und schon so viel bewerkstelligt hatte. Sie war die erste, die einen Vortrag hielt. Sie erzählte, dass blinde früher häufig in Japan als Sänger herum zogen, da sie keine andere Arbeit fanden. Sie spielte uns sogar einige Takte dieser Musik mit den traditionellen Instrumenten auf CD vor. Sie hatte wirklich alles genau vorbereitet. Sie erzählte uns über die Geschichte Japans, die Rolle der Frau, und das zeitweise sehr harte Sitten geherrscht haben, in denen Menschen ihre Gefühle überhaupt nicht zeigen durften, und Frauen überhaupt nichts galten. Heutzutage sagt sie, würden die Frauen auch in Unternehmen arbeiten, stoßen aber wie überall eben an die sogenannte gläserne Decke. Ich hörte einmal, dass es eine weibliche und eine männliche Sprache in Japan gibt, da ich erst kürzlich ein Feature über japanische Literatur gehört hatte, in dem eine deutsche Japanologin meinte, dass Frauen beispielsweise bestimmte Ausdrücke für das Wort "ich" nicht benutzen dürften, die zu grob wären, und bestimmte Worte daher nur Männern vorbehalten seien, da diese Worte ziemlich laut und raumgreifend seien. Meine Frage hat sie aber nicht verstanden, alle im Publikum dachten, Männer und Frauen würden nach meiner Lesart komplett anders sprechen und hätten daher ihre eigene Geheimsprache. Es war zum Glück eine sehbehinderte Frau dar, die etwas Japanisch konnte und erklärte, was ich meinte. Die Japanerin hatte aber nicht den Eindruck, dass Frauen sich nicht so ausdrücken dürften wie Männer. Wahrscheinlich wird das auch von jedem anders wahrgenommen, es gibt ja auch eine unterschiedliche Sensibilität in punkto Feminismus. Manche sind da pragmatischer, andere gehen eher der Sache auf den Grund und spüren daher subtile Ungerechtigkeiten auf oder sind stärker von ihnen betroffen. Am Schluss gab sie uns noch einen Osterhasen aus Papier, den sie selbst nach der Origami-Falttechnik für jeden gefaltet hatte. Ich war tief beeindruckt, wir alle waren begeistert von ihrem Vortrag. Danach kam eine Rumänin, die mit uns mitgefahren war, und die vertretungsweise für eine Bulgarin spontan einen Vortrag hielt. Sie war nicht vorbereitet, da sie ja diese Aufgabe erst ganz spontan und kurzfristig übernommen hatte. Ihr Vortrag war sehr lebendig, sie erzählte einfach frei von der Leber weg über ihre Kindheit in Rumänien. Zum Beispiel erklärte sie, dass sie ohne Stock gelaufen sei, wegen der schlechten Straßenverhältnisse häufiger mal in eine Grube gefallen war, wobei dann die Bauarbeiter sie zum Essen einluden. Sie war Rumänien deutsche und meinte dann etwas global, die Rumänen hätten die Arbeit nicht gerade erfunden. Sie erntete damit großes Gelächter im Publikum. Allerdings war dies im Nachhinein schon etwas problematisch. Sie erzählte auch, dass ihre Mutter als Rumänien Deutsche nach Russland verschleppt wurde, wo sie fünf Jahre Wiedergutmachungsarbeit leisten musste für das, was die Deutschen in Russland angerichtet hatten während des Zweiten Weltkrieges. Sie wuchs in der Zeit bei ihrer Oma auf, die aber sehr gütig gewesen sein muss. Da erwähnte sie eben auch, dass die Zigeuner, wie sie sie nannte, alles geklaut hätten, was nicht niet- und nagelfest war, und das es daher schon immer hieß, nehmt alles rein, die Zigeuner kommen. Das stieß mir schon etwas auf, aber ich traute mich mal wieder nicht, etwas zu sagen. Einige im Publikum lachten auch noch darüber und meinten, das sei in Deutschland nicht anders. Ich war drauf und dran zu sagen, dafür hat Adolf sie ja auch ins Konzentrationslager gesteckt. Dass dies sarkastisch gemeint war, hätte wahrscheinlich keiner so schnell verstanden und mich tatsächlich für einen Nazi gehalten. Mein Humor ist manchmal etwas bösartig, wobei man hier nicht mehr von Humor sprechen kann, aber man hätte dies anhand meines Tonfalls wahrscheinlich nicht als Ironie oder Sarkasmus erkennen können. Ansonsten erzählte sie sehr lebhaft, wie es in der Schule war, und dass sie nur mit Löffel oder mit den Händen essen mussten, die Gott ihnen ja schließlich gegeben hatte. So erntete sie auch wieder einiges Gelächter, da sie wirklich sehr temperamentvoll erzählte. Sie bedauerte auch, dass zum Beispiel in Rumänien so viele Bodenschätze vorhanden seien, dass sie das Meer in der Nähe hätten, und dass sie so viel daraus machen könnten, wenn sie denn wollten. Dies war natürlich ihre Sichtweise, sie war ja schließlich dort aufgewachsen und hatte dies alles von den Erwachsenen um sie herumlaufend gehört. Außerdem haben ja die Rumäniendeutschen eine ganz andere Sicht auf das Land als die einheimischen. Es gibt ja zahlreiche Gründe, warum ein Land nicht wirklich hochkommt. Sie meinte auch, im Kommunismus sei nicht alles schlecht gewesen, denn bestimmte Berufe seien nur für die Blinden reserviert worden, Sehende hätten in diesen Berufen gar nicht arbeiten dürfen. Allerdings ist der Nachteil eben daran, dass blinde in anderen Berufen auch nicht arbeiten konnten, es hatte zwar jeder einen Arbeitsplatz, doch wurde wahrscheinlich zuvor schon festgelegt, wie viele Lehrstellen es geben würde. Dadurch, dass das Land so lange unter der Diktatur von Ceausescu war, war es wahrscheinlich auch so gelähmt, dass die Leute gar nicht gewohnt waren, die Politik und ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Es ist zwar schön, wenn man alles garantiert bekommt, aber der Preis dafür ist eben, dass man selbst nicht viel Wahl hat. Daher kann man auch später, wenn das ganze System mit einem Schlag zerfällt, nicht so schnell auf die Füße kommen, und die Übergangszeit braucht eben eine Weile. Beim Mittagessen meinte dann eine Frau an unserem Tisch, es sei ihr auch aufgestoßen, dass von Zigeunern und nicht von Sinti und Roma die Rede war, und dass solche Verallgemeinerungen ausgesprochen wurden, dass die Leute faul seien und alles klauen würden. Schlimm fand ich auf jeden Fall, dass die deutschen Frauen auch noch darüber gelacht haben und meinten, das sei auch in Deutschland der Fall. Anscheinend hat man nicht wirklich viel über die Lebensweise von Sinti und Roma begriffen. Ich hatte erst kürzlich im Fernsehen ein Feature gesehen, wo eine Sozialarbeiterin sich um schwer traumatisierte Roma-Kinder gekümmert und ihnen den Besuch einer Schule ermöglicht hat, der ihnen ansonsten verwehrt ist, und die Mütter mussten betteln, während die Kinder zu Hause sich selbst überlassen waren, und eines dabei sogar verbrannt war, weil es den Ofen Anmachen wollte, um nicht zu frieren. Der Kommentar der Sozialarbeiterin lautete: Armut tötet. Somit sehen wir von außen die Sache natürlich wesentlich differenzierter. Das mag ein Privileg sein, und wir sollten diese Einwände auch äußern, wir sollten uns aber nicht über die Leute Stellen, die vielleicht in diesem Land aufgewachsen sind und daher von außen nicht zu viel Einblick haben und einfach nur das wiederholen, was sie von ihren Eltern gehört haben. Aber irgendwann, wenn man mal erwachsen wird und lange nicht mehr im Land war und sich der heutigen Medien bedient, sollte man seine Ansichten schon einmal revidieren. Auf jeden Fall diskutierten wir dann am Tisch darüber, ob wir die Zivilcourage haben sollten, noch einmal den Mund aufzumachen. Zumindest waren alle mit mir einer Meinung, dass wir etwas hätten sagen müssen, dass aber jede von uns Angst hatte, mit ihrer Meinung dann alleine dazustehen, zumal einige der Frauen ja auch ziemlich positiv den Aussagen gelauscht hatten. Ich war der Ansicht, ich hatte mein Scherflein an Zivilcourage bereits erfüllt, denn ich hatte mal eine Begebenheit, bei der ich Zivilcourage zeigte und böse eingefahren war. Es hatten sich bei mir am Tisch einmal zwei Männer über einen Rollstuhlfahrer ausgelassen, der jedes Mal solange braucht, bis er in die Straßenbahn gelangt, und der Krüppel solle doch gefälligst laufen, dem soll doch mal ein Unglück geschehen. Da mischt ich mich ein und meinte, man kann ganz schnell auch im Rollstuhl landen, wenn einem selbst ein Unglück geschieht, und daher sollte man mit solchen Äußerungen vorsichtig sein. Daraufhin fuhren mich die Männer an, ich sei ja schließlich selbst ein Krüppel, und ich sollte mich da raus halten. Die Situation eskalierte, sie schrien mich an, und ich meinte, das Verhalten sei unmöglich. Neben mir saß noch ein Mann, den ich aufforderte, mir zu helfen, aber er versteckte sich hinter seiner Zeitung. Als sie dann auch noch von Bimbos und Negern anfingen, stand ich auf und verließ den Tisch. Da applaudierten sie und meinten, bravo, ein Krüppel weniger. Ich brach in Tränen aus, und eine andere Frau an Nebentisch hatte die Zivilcourage zu sagen, wie gehen Sie mit dieser Frau um. Daraufhin setzte ich mich zu ihr, war aber wirklich in Tränen aufgelöst. Man konnte förmlich die Funken um diesen Mann sprühen sehen, ich sah regelrecht eine rote Flamme hinter ihm. Ich hatte das Gefühl, mit dem Teufel persönlich zu sprechen. Die Spannung war so enorm, dass ich es tatsächlich mit der Angst zu tun bekam. Daher denke ich, wem ist denn geholfen, wenn man sich da einmischt, diese Menschen sind unbelehrbare, zumindest solche, die so extrem sind, man schadet nur sich selbst, erntet Beleidigungen und Verletzungen, aber es ändert sich nichts. Warum soll ich mir das dann nicht ersparen? Früher war ich in solchen Situationen wesentlich unbedarfter. Zum Beispiel stieg ich einmal mit zwei Freunden in den Zug, der nach Polen fuhr, und da meinte einer der beiden, das ist der Auschwitz Express. Ich sagte, ich finde das nicht gut, wenn man das sagt. Die beiden haben mich ausgelacht und meinen Einwand belächelt und ihn mir Jahre später noch vorgehalten, zum Nachdenken hat sie mein Einwand nicht angeregt, also was soll das dann? Erst neulich hatte ich mich in einen Streit eingemischt, obwohl ich mir vorgenommen hatte, lieber heimlich Still und leise die Polizei zu rufen, als ein junger Türke, die Nationalität ist zwar unwichtig, doch es war eben einer, seine Freundin auf offener Straße belästigte und schlug, wobei sie laufend um Hilfe schrie. Ich brüllte ganz impulsiv aus Leibeskräften, aufhören, aufhören, und rannte schon mit dem Stock in deren Richtung. Mein Begleiter, ebenfalls blind, der mit mir auf ein Taxi wartete, brüllte auch AUFHÖREN!!! Doch vielmehr konnten wir nicht tun, unser Widerstand war ziemlich dürftig und mager. Die beiden verzogen sich auch, während er auf sie ein schrie, und sie um Hilfe rief und sich von ihm losreißen wollte. Irgendwann waren beide nicht mehr zu hören, und mein Begleiter kommentierte, sind halt Türken. Hätte ich die Polizei gerufen, wäre die sowieso zu spät gekommen. Ich hatte überhaupt nicht nachgedacht sondern einfach impulsiv gehandelt. Daher war dies keine Zivilcourage sondern einfach nur Leichtsinn. Dennoch denke ich, ich habe mir meine Sporen verdient und meine Schrammen wirklich genug eingeholt. Es ist niemandem geholfen, wenn ich auch Verletzungen davon trage, den Spott und den Hohn und vielleicht noch dazu Ernte, die Situation aber sowieso nicht durch mein Eingreifen verändert wird. Am Nachmittag ging es dann weiter mit den Vorträgen. Eine Frau aus Eritrea sprach, wobei sie uns zunächst mal die Geschichte von Eritrea erklärte. 1952 gab es dort einen Bürgerkrieg, nach zehn Jahren wurde 1962 das Land an Äthiopien angeschlossen, 1993 war es dann wieder unabhängig. So ungefähr waren wohl die Eckdaten. Das Eritrea einmal ein separater Staat war, einige Zeit lang zu Äthiopien gehört hatte und dann wieder unabhängig wurde, wusste ich, doch wusste ich nicht, dass dies zehn Jahre dauerte, bis dann Eritrea Äthiopien annektiert wurde, und dass die Engländer die Italiener vertrieben hatten. Dann schilderte sie ihr eigenes Schicksal, wobei sie darum bat, keine zwischen Fragen zu stellen, da sie alles in einem Rutsch erzählen wollte. Sie sagte, sie hätte erst jetzt den Mut gefunden, solche Dinge anzusprechen und zu erzählen, und diese Vorträge würden ihr gut tun. Das ist mir schon klar, denn aus dem Publikum kommt auch nonverbal ziemlich viel Resonanz, sodass sie auch spüren kann, dass ihr Leid wirklich anerkannt wird, und das emotional etwas mitschwingt, wodurch sie auch eine gewisse Entlastung bekommt. Außerdem merkt sie, dass andere das auch schlimm finden, wodurch man dann das Gefühl kriegt, das, was ich erlebt habe, ist wirklich auch furchtbar. Außerdem hat sie damit das Gefühl, andere hören, was ihr zugestoßen ist, und sie kann damit etwas ändern und erreichen. Sie schilderte, dass sie mit 15 verheiratet werden sollte, und das sie, als sie sich widersetzte, einfach entführt wurde. Sie bekam zwei Kinder, und danach wurde sie blind und taub. Unter nicht ganz geschilderten Umständen gelangte sie dann nach Deutschland, die Taubheit verging, aber die Blindheit blieb. Uns kamen wirklich die Tränen, man konnte eine Stecknadel fallen hören, und man konnte fast leiblich und physisch spüren, dass wir alle betroffen waren. Selbst ich, die sich normalerweise wenig emotional in Schilderungen involvieren lässt und normalerweise auch nicht mitkriegt, welche Stimmung herrscht, hatte eine Träne im Auge. Meine Nachbarin, die zuvor über Rumänien referiert hatte, hat die ganze Zeit in ihr Taschentuch geschnieft. Besonders rührend war, dass sie dann ihre Kinder nach Deutschland nach holte. Sie erwähnte auch die Beschneidung, und das Hebammen, die nicht pünktlich kommen, das Problem haben, dass die Frauen bei der Geburt sterben, da ihre Scheide komplett zugenäht ist, und die Frauen daher verbluten, wenn sie nicht rechtzeitig Hilfe bekommen. Dies erinnerte mich an das Buch und den Filmwüstenblume, und wir waren alle wirklich sehr mitgenommen und berührt. Sie erzählte, dass die Entführungen mittlerweile verboten seien, wobei ich noch nicht ganz verstanden habe, ob die Zwangsehen damit auch verboten waren. Dieses Schicksal war wirklich schrecklich, aber die Frau war so tapfer und sprach so gut Deutsch, und sie hatte sich wirklich einen Platz in Deutschland gesucht. Es war auch zu ihrer Aufgabe mittlerweile geworden, diese Vorträge zu halten, und man merkte, dass es ihr wirklich gut tat, etwas bewegen zu können, die Anteilnahme und die Empathie des Publikums zu spüren, somit hatte sie eine Art Therapie. In der Pause bekamen wir dann Baclava , da die Frau aus Palästina mittlerweile eingetroffen war und es spendiert hatte, und ich freute mich schon sehr auf diese Köstlichkeit, die ich in der Türkei so genossen habe. Ich mag sowieso die türkischen Süßigkeiten sehr, wäre ich eine Türkin, wäre ich wahrscheinlich kugelrund. Der Vortrag war etwas unstrukturiert, und ich konnte die Frau ziemlich schlecht verstehen. Sie erzählte zum Beispiel, dass man in Israel durchaus einen Zuschuss zum iPhone bekommt, das als Hilfsmittel für Blinde anerkannt ist. Sie schilderte auch, dass die Sozialleistungen für Israelis und Palästinenser gleich waren, und dass ihr Bruder mittlerweile dort Jura studiert. Sie ist über ein Promotionsstipendium nach Deutschland gekommen, aber sie konnte dann nicht weiter studieren, da sie aufgrund ihrer Traumatisierungen nicht mehr in der Lage war, ihre Promotion zu Ende zu machen. Alles weiß ich nicht mehr genau, aber sie hat angekündigt, dass ein Artikel über sie in den Sichtweisen kommt, dem Verbandsmagazin des deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, und dass sie ein Buch veröffentlichen würde. Nachdem ich sie akustisch so schlecht verstanden hatte, nehme ich mir vor, dieses Buch zu lesen. Das Buch von dem Imam wird übrigens auch für blinde aufgelesen werden. Dafür wird die Frauenreferentin sorgen, kündigte sie an. Das werde ich mir natürlich auch nicht entgehen lassen. Die Palästinenserin erzählte dann, dass sie als Ausländerin in Deutschland arbeitete, aber Mobbing erlitt und dadurch krank wurde. Da sieht man mal wieder, was Mobbing alles anrichtet. In einer fremden Welt, in einem fremden Land und einer fremden Umgebung als blinde Ausländerin, dann eine Arbeit zu haben und gemobbt zu werden, das kann einen krank machen. So ist sie wohl meines Wissens nun auch in Frührente. Zwischendurch interviewte ich noch die Diabetes beauftragte, da ich diese Informationen, die sie liefern kann, in unserer Radiosendung bringen möchte. Am Ende habe ich auch die Frauenbeauftragte über ihre Aufgaben im Blindenwesen interviewt. Auch dies wird in unserer Radiosendung erscheinen. Beim Abendessen unterhielten wir uns noch sehr lange über die Vorträge, die uns alle sehr beeindruckten. Nach dem Abendessen gab es noch ein besonderes Schmankerl, eine Frau sang ihre bayerischen Gstanzeln, die sie selbst gedichtet hatte, das war wirklich sehr schön, die Texte waren lustig, launig und auch sehr hintersinnig. Sie tritt normalerweise mit ihrem Bruder auf, und alle beide sind auch noch in einer größeren Formation zu hören. Die beiden Geschwister haben auch Retinitis pigmentosa, sind beide sehr musikalisch und waren auch schon im Hofbräuhaus als Musiker zu Gast. Leider war es nur 1 Stunde, und die Gitarre, die vom Haus gestellt wurde, hatte so fragile Saiten, dass sie sich nicht getraute, die Gitarre richtig zu stimmen, sonst wären die Saiten wahrscheinlich gerissen. Dennoch war es wirklich ein Genuss, ihr zuzuhören, ich hätte noch stundenlang lauschen können. Danach in gemütlicher Runde saßen wieder die üblichen Verdächtigen zusammen, es fand sich wieder die Softwareentwicklerin und die ältere Frau mit mir ein. Wieder wurde es 1:00 Uhr nachts, aber dieses Mal gab es noch eine Begebenheit. Es setzte sich ein Mann zu uns, und ich freute mich zunächst, dass wir Gesellschaft bekamen, und dass der Mann gleich so offen auf uns zu kam. Ich war gerade dabei, eine lustige Begebenheit zu erzählen und ärgerte mich etwas, dass ich damit nicht fertig wurde, da sich alle mit dem man Beschäftigten, der sich vorstellte. Eigentlich hätte ich erwartet, dass sich danach mit meiner Geschichte fortfahren kann. Setze ich mich einfach an einen Tisch hin, dann würden die anderen auch nicht einfach ihr Gespräch unterbrechen, weil ich mich jetzt dorthin Pflanze und mich vorstelle und überall Herumposaune, dass ich mit Du angesprochen werden will, und dass ich hier zur Kurbin . So dachte ich, meine Geschichte kann ich jetzt nicht mehr erzählen, und sei sie auch noch so komisch. Die beiden, die Softwareentwicklerin und die ältere Frau, fingen an, sich zu unterhalten, sodass der Mann, ich und die andere Tischnachbarin von mir, die aus einem anderen Teil Deutschlands hierher gezogen war, mit dem Typen Vorlieb nahmen. Da ich manchmal zwei Gesprächen gleichzeitig lauschen kann, hörte ich, wie die Softwareentwicklerin zu der anderen Dame sagte, der nicht. Da gingen bei mir schon alle Alarmlämpchen an. Er erzählte, dass er verheiratet sei, fragte mich aber zuvor erst einmal, ob ich einen Freund hätte. Ich dachte mir, was geht denn den das an. Ich bekam gleich Komplimente, dass ich doch so nett sei. Nachdem ich die Warnung dieser Softwareentwicklerin mitbekommen hatte, und die Frage schon ziemlich persönlich fand, ging ich etwas innerlich auf Distanz. Da erzählte er, dass er verheiratet sei, was wohl auch kein Hinderungsgrund ist, sich mal eben einen Kurschatten anzulachen, doch war ich etwas beruhigt, da ich dachte, vielleicht ist er dann nicht ganz so notgeil. Aber weit gefehlt. Irgendwann fragte er mich dann, ob ich nicht einmal jemanden haben wollte, der mich durch die Nacht streichelt, und ob ich denn immer so allein sein wollte. Ich fand das ekelhaft. Ich wollte nicht wirklich antworten, doch wie es halt immer so ist, fiel mir dann tatsächlich meine mit Schwester in den Rücken, von wegen Frauen Solidarität, und meinte, das sei doch wohl eine interessante Frage, und das müsse man sich doch durchaus mal überlegen, ob man wirklich ohne Partner und ohne jemanden, der einen in den Arm nimmt, leben könnte. Ich raunte ihr zu, dass dieser Typ nicht ganz ungefährlich ist, und das er etwas merkwürdig sei. Da meinte er, er wollte jetzt eine rauchen gehen, und sie ging gleich mit. Wir sollten in der zwischenzeit auf sein Bier aufpassen, doch meinten wir, das klaut schon keiner, und die Softwareentwicklerin, die ältere Frau und ich machten uns schnell aus dem Staub. Wir waren alle drei gespannt, was die andere Frau, die mir so in den Rücken gefallen war, was die anderen nicht mitbekamen, und dieser Typ nach dem Rauchen noch sonst so alles angestellt hatten. Beim Frühstück traf ich dann tatsächlich meine Tischnachbarin, und ich hätte ihr am liebsten vorwürfe gemacht, warum sie mir so blöd in den Rücken gefallen war. Ich sagte ihr, dass es mir einfach unangenehm war, diesen Typ diese Fragen zu beantworten. Ich dachte, sie würde vielleicht selbst drauf kommen, dass sie sich hier etwas ungeschickt verhalten hatte. Dann kam natürlich gleich wieder eine Belehrung mir gegenüber, das sei doch nicht so schlimm, wenn jemand solche intimen Fragen stellt, da müsse man halt kurz antworten, damit der andere Ruhe gibt, sonst wird er erst recht neugierig. Gleich wurde ich wieder wie ein Schulmädchen abgekanzelt und belehrt. Ich erklärte ihr, dass der Typ in der Sauna, wie mir die Softwareentwicklerin später erzählte, ziemlich anzüglich gewesen wäre und auf sie warten wollte, wobei sie noch in der Dusche stand und dies energisch ablehnte. Er muss wohl auch die Japanerin ziemlich an gebaggert haben, was diese nicht abzuwehren wusste, da sie viel zu höflich dazu war. Ich hätte diese Japanerin wirklich unterschätzt, wenn sie nicht in ihrem Vortrag erzählt hätte, dass Japaner einfach nicht zeigen, dass sie viel wissen, und dass sie eher bescheiden daherkommen, dass dies aber nur der äußere Schein ist. Japaner lernen aber heute, wie man sich in der Geschäftswelt international verhält, da sie sonst von den anderen Kulturen laufend unterschätzt würden. Diese Frau war wirklich ein stilles Wasser, hatte es aber wirklich drauf. Aber es hätte ihr ihre Höflichkeit verboten, diesem Typen die Leviten zu lesen und die Meinung zu sagen. Ich war also schon gebrieft, was diesen Typen angeht, und klärte daher auch die Tischnachbarin auf, die so weise und abgeklärt daHeer redete, wie man mit solchen zudringlichen Typen und deren intimen Fragen am besten umgehen sollte. Da war sie dann schon etwas geschockt, da sie offenbar die Hintergründe trotz ihrer Lebensklugheit und Weisheit nicht erkannt hatte. Zumindest hat mich das schon genervt, dass ich als Trottel dastand, obwohl man mir doch mit etwas Zivilcourage ruhig mal hätte helfen können. Wenn man schon nicht den Mut hat, so einen Typen abzuwimmeln, dann hätte man wenigstens die Klappe halten können. Ich bin auch immer unsicher, ob ich so jemandem etwas sagen kann, oder ob er vielleicht doch nur harmlos ist. Ich kann so etwas schlecht einschätzen. Hernach schicke ich jemanden grob in die Wüste, der eigentlich nur nett sein wollte, oder ich vertraue jemandem, der vielleicht wirklich was fürs Bett gesucht hätte. Immerhin hat er mehrfach betont, dass seine Frau ihn für Schwanz gesteuert hält. Die sitzt schwer krank zu Hause, während er sich auf Kur eine geile Zeit macht. Für mich ist das daher schwer, wirklich gut zu reagieren und solche Leute in ihre Schranken zu weisen. Zumal dann auch noch diejenigen, die daneben sitzen, meine hilflosen Abgrenzungsversuche torpedieren. Am letzten Tag sollte es noch eine Märchenstunde geben. Normalerweise mag ich Märchen überhaupt nicht. Ich tat dies natürlich auch gleich in kleiner Runde am Tisch kund und meinte, dass mir Märchen überhaupt nicht liegen. Natürlich hörte ich dann gleich ein mehrfaches Echo, mir gefallen Märchen, mir auch, mir auch, mir auch. Da hätte ich mir auch mal gewünscht, dass vielleicht zwei sagen, nein, das liegt mir auch nicht so, hast schon recht, und vielleicht zwei sagen, ja, ich finde Märchen super. Ich komme mir jedes Mal so blöd vor, egal, wen ich gut oder schlecht finde, irgend einer sagt nein, und alle machen das Echo hinterher. Ich hab sogar mal gesagt, dass ich Neil Diamond für einen schleimigen Sänger halte, und ihn unerträglich finde, und die wenigsten mögen diesen Schnulzensänger. Aber ein einziger sagte, er findet ihn gut, und prompt kamen alle hinterher. Hätte ich gesagt, Heino ist schrecklich, und irgend einer hätte gesagt, Heino ist doch toll, hätte wahrscheinlich ein ganzer Bus demjenigen einhellig und UNISONO Recht gegeben. Ich finde das schrecklich, dass ich mit selbst ganz vernünftigen Ansichten und ganz gutem Musikgeschmack, wobei da gut und schlecht ja relativ ist, immer alleine dastehe. Irgendwie finde ich das auffällig, das kann nicht wirklich daran liegen, dass ich zufällig immer an so schräge Leute gerate, ich glaube einfach, die Leute halten sich an den, der in der Hierarchie der Gruppe höher ist als ich, und ich bin halt nun mal ganz unten. Dass sich Menschen immer nach dem richten, von dem sie mehr Vorteile erwarten, und wo es Opportun ist, ist menschlich, nur die Frage ist, warum immer ich in der Position bin, wo es sozial weniger opportun ist, mit ihr einer Meinung zu sein. Im Zuge offenbarte mir nämlich die Softwareentwicklerin, dass sie Märchen auch nicht besonders toll findet. Ich war aber positiv überrascht, diese Märchenerzählerin hat mich wirklich in ihren Bann gezogen. Sie hatte schon eine wunderbare Aufmachung, ein samtenes Gewand, dass ich später einmal kurz anfassen durfte. Auf dem Tisch hatte sie ein Tuch ausgebreitet, auf dem sie mehrere Klangschalen und andere Utensilien, ein Holzkästchen oder afrikanische Instrumente ausgebreitet hatte. Während des Erzählens saß sie auch mal kurz am Spinnrad, da viele Märchen in der Spinnstube weitergegeben wurden. Sie erzählte Märchen aus aller Welt, einige davon berührten mich sehr, andere liefen so an mir vorbei, da mir einfach die Konzentration fehlte. Es war ein sehr langes aus Italien dabei, dass ich wirklich sehr schön fand. Auch aus Japan war eines dabei von einer Freundschaft eines Mädchens mit einem Baum. Zwischendurch spielte sie auf einer Cariba oder so ähnlich, mein Gedächtnis ist wieder mal zu schwach. Das war ein kleines afrikanisches Instrument, dessen Metallplättchen mit den Daumen angezupft werden, und durch den Resonanzkörper aus Holz oder einem anderen Material klingt es so, als handele es sich um ein riesengroßes Metallophon. Davon war ich schwer beeindruckt. Zwischendurch betätigte sie auch zahlreiche Klangschalen. Auch das ist normalerweise nicht mein Ding, aber es passte wunderbar. Sie betonte total schön, man konnte ihr wirklich gut zuhören. Somit war selbst ich, ein Märchen-Muffel, sehr schwer beeindruckt, was schon etwas heißen will und viel über die Qualität dieser Frau aussagt. Danach gab es noch die in Deutschland allübliche Meckerrunde. Ich weiß gar nicht, ob dies in anderen Ländern so üblich ist, oder ob man nur in Deutschland davon ausgeht, dass es immer irgendetwas zu bemängeln gibt. Wir waren aber alle positiv gestimmt, mir hat es rundum gefallen. Dennoch hatten wir zuvor diskutiert, ob wir das Thema Sinti und Roma noch einmal ansprechen sollten. Tatsächlich hat dann unsere Älteste, die mit uns am Tisch saß, das Wort ergriffen und gemeint, sie sei etwas befremdet gewesen, dass man von Zigeunern sprach, und das die Rumänen alle so faul seien, und die Zigeuner alle stehlen würden. Sie meinte, man solle doch Sinti und Roma sagen, und es gebe in jedem Volk solche und solche Menschen. Es schloss sich dann noch jemand an, und dann ergriff auch ich das Wort und erzählte von dem kürzlich angeschauten Feature über die Sozialarbeiterin, die mit traumatisierten Romakindern arbeitet. Es meldete sich noch eine Frau, die auch meinte, dass es ihr aufgestoßen sei. Zum Glück war ich nicht wieder alleine. Dann aber drehte sich die Situation, und es meldeten sich mehrere, die beanstandeten, dass wir so kleinlich seien, und dass doch diese Frau reden dürfe, wie ihr der Schnabel gewachsen sei. Insgeheim dachte ich, ich bin schon ganz schön undankbar, diese Frau ist als Vertretung eingesprungen für jemanden und hat sich gar nicht vorbereiten können, und wir schimpfen noch so auf sie. Auf der einen Seite haben wir natürlich recht gehabt, doch darf man nicht den Stab über Leute brechen, die in ihrer Kindheit einfach so aufgewachsen sind und das so gelernt haben. Dennoch sollte man ab einem gewissen Alter irgendwann die Sache auch anders sehen, aber es steht ihr natürlich zu, dass sie es so erlebt hat. So war es schwierig, die Sache aufzulösen, denn einerseits wollten wir dieser Frau nicht Unrecht tun, andererseits fühlten wir aber schon den Drang, dass wir dies berichtigen wollten. Irgendwie schafften wir es dann schon, den Spagat zwischen dem zu sehen, dass sie einfach ihre Erlebnisse schilderte, wie sie es subjektiv empfunden hatte, und dem, was einfach politisch korrekt und auch tatsächlich angezeigt und angesagt ist. So konnten wir alle im Frieden dieses Thema ruhen lassen. Nach dem Essen, das wie immer sehr gut schmeckte, gingen wir dann auf die Reise. Ich hatte sogar zweimal Nachtisch genommen, denn es gab eine Trüffel Mousse, die war so toll, ich dachte, so schnell kriegst Du so etwas schönes nicht mehr. Es gab auch Pralinen, die von diesem Haus speziell angeboten werden, die Kosten einen Euro und sind riesengroß und enthalten Mandelsplitter. Die ältere Frau schenkte uns jedem eine, und ich hatte auch eine gekauft. Bei jedem Essen hatte ich eine andere Saftschorle, und nach dem Essen führte ich mir immer einen guten Cappuccino zu Gemüte. Ich liebe es, Cappuccino zu trinken und gleichzeitig noch einen Saft zu haben. Dies trinke ich natürlich nicht gleichzeitig, aber ich mag es gerne, etwas kaltes zu trinken und dann wieder einen Schluck Kaffee zu nehmen. Da meinte eine am Tisch etwas flapsig, etwas abartig bist Du ja schon. Ich wusste zwar schon, dass das ein Scherz war, aber ich dachte mir, so eine Ausdrucksweise hätte ich mir nicht erlauben dürfen, ohne dann wieder die Grenzen überschritten zu haben, die eigentlich anständig sind. Mir hätte man das wahrscheinlich nicht durchgehen lassen und mich dann mal wieder als zu grob und übers Ziel hinausschießend angesehen. In der Kaffeepause stand ich dann noch am Randherum, da ich nicht an den Tresen herankam und zwängte mich dazwischen, um nicht im abseits zu stehen. Da meinte ich, ich hab mich jetzt einfach reingedrängt, und die Frau sagte, so bist Du halt. Das war mir dann schon etwas unangenehm, ich weiß dann nie, ob so etwas im Spaß oder Ernst geäußert wird. Sie ging dann auch weg, und ich dachte, ich hätte sie wirklich gestört. Ich fragte sie spätter , ob ich sie denn vertrieben hätte, und sie meinte, alles gut, das war nur ein Spaß. Mich beschäftigen solche Dinge dann immer sehr, und ich zweifele dann, ob ich jetzt jemanden verärgert habe, oder ob es irgendwo Unmut gibt. Denn während des Essens hatte ich im Zuge unserer Diskussion über Sinti und Roma auch noch erzählt, dass ein Bekannter von mir, der Heimat vertrieben war, mit sehr viel Wut und extrem hasserfüllt über Muslime oder Flüchtlinge herzieht und sie als Invasoren bezeichnet. Dabei fuchtelte er dann jedes Mal mit den Armen vorm Gesicht seines Gegenübers, also mir herum, sodass ich mich regelrecht bedrängt fühle. Dies demonstrierte ich ziemlich temperamentvoll meiner gegenüber sitzenden Tischnachbarin, wobei ich in Eifer des Gefechts eine Flasche umwarf, die ihr direkt ins Gesicht flog. Da war sie dann schon etwas sauer und meinte, sie müsse jetzt schon mal meckern. Ich entschuldigte mich mehrfach. Trotzdem dachte ich, wahrscheinlich ist sie jetzt sauer auf mich, daher nahm ich Ihre Bemerkung, die sie später machte, so bist Du halt, ziemlich ernst. Aber sie hatte mir den Zwischenfall mit der Flasche längst verziehen. Und dann überhörte ich auch noch ein Gespräch, wo zwei Frauen sich darüber unterhielten, wie kann man denn jemanden so hassen, dass man ihn schlägt. Da dachte ich, die andere wird doch jetzt nicht meine Demonstration dieses Mannes missverstanden haben und denen erzählt haben, ich hätte nach ihr geschlagen oder ihr eine Flasche ins Gesicht geworfen, weil ich Flüchtlinge hassen würde. Aber ich glaube, da ging es um jemand anderen. Ich war nur etwas besorgt, dass ich vielleicht wieder mal zu wild und zu temperamentvoll war und jemanden damit verletzt hatte. Aber mich beschäftigt das auch sehr, dass jemand so hasserfüllt sein kann und so böse über Flüchtlinge redet, und ich vermute, das hat dann mit seiner eigenen Geschichte als vertriebener zu tun. Das wollte ich eigentlich nur deutlich machen. Angeblich hätte ich wenig Gestik und Mimik laut der Psychologin, die mich getestet hat, doch flogen selbst in diesem Gespräch ab und zu die Plastikbecher vom Tisch, wenn ich etwas mit meinen Händen unterstrich. Ich selbst habe immer das Gefühl, würde man mir die Hände auf den Rücken verbinden, könnte ich nicht mehr sprechen. Ich denke immer, dass ich eine sehr wilde Gestik und Mimik habe, aber von anderen wird das gar nicht immer so empfunden, es sei denn ich bin so aufgebracht oder in Rage oder in Fahrt, dass ich wirklich mit meinen Händen so wild um mich herum gestikuliere, das schon mal irgendwas vom Tisch fliegt. D.h. aber nicht, dass es wirklich wild aussieht, aber dadurch, dass ich fast blind bin, denke ich nicht dran, vorsichtiger zu sein. Da finde ich oft solche Seminare für mich ziemlich anstrengend, weil ich ziemlich angespannt bin, ob ich diesen ganzen sozialen Anforderungen gewachsen bin. Aber im Großen und Ganzen ging es ganz gut von statten, außer, dass ich halt in Diskussionen, die informeller sind, mich etwas so fühle, als würde ich den kürzeren ziehen. Ich kann häufig meinen Standpunkt nicht ganz so deutlich klarmachen, wie ich das gerne tun würde, vor allem nicht so differenziert, wie ich es mir wünschen würde, dass es rüber kommt. Alle mussten mit dem gleichen Zug fahren, da von diesem Kaff aus nur ein bestimmter Zug fährt. Wir wurden alle mit dem Sammeltaxi zum Bahnhof gebracht, sodass wir alle noch eine Weile zusammenbleiben konnten. Auch im Zug lief alles glatt, alle kamen rein, und der Umstieg ging reibungslos vonstatten. Als wir dann auf den größeren Hauptbahnhof kamen, wurden die Softwareentwicklerin und ich von der von ihr bestellten Umsteigehilfe geschnappt und in ein Auto verfrachtet, diese offenen Fahrzeuge, die in größeren Bahnhöfen die größeren Wegstrecken zurücklegen. Die anderen verloren wir dadurch aus den Augen. Dadurch, dass dieses Mal alles planmäßig ablief, konnte uns die Umsteigehilfe, die die Frau ja bestellt hatte, da sie ja nicht wusste, dass sie mit uns zurückfahren würde, uns auch finden und dementsprechend helfen. Wir lieferten erst einmal unsere ältere Tischnachbarin am einen Ende des Bahnhofes ab und fuhren dann zu unserem Zug. Dort wurden wir dann hineingebracht, und alles lief reibungslos. Das war auch die nötige ausgleichende Gerechtigkeit zu der schrecklichen Fahrt, die wir auf dem Hinweg hatten. Wir blieben dann für uns, die anderen luden uns über die sehende Begleitperson zwar ein, dass wir vorkommen könnten, da ein paar Leute zusammen saßen, aber wir waren zu faul, noch mal extra durch den ganzen Zug zu laufen, und so zogen wir es vor, uns zu zweit zu unterhalten. Ich erzählte noch einige Dinge, die mich beschäftigen, zum Beispiel auch, dass ich häufig mit meinem Wissen so schlecht anerkannt werde, dass ich mangels Ausübung eines Berufes auch keine Möglichkeit habe, mich wirklich intellektuell auszutoben, und dass mir häufig mein Wissen auch von anderen, die sogar halb so alt sind wie ich, wesentlich weniger ausgebildet sind wie ich, oder die gar nicht aus dem Fachgebiet sind, häufig nicht ernst genommen wird. So kamen wir auch wieder auf das Thema, was tut man, wenn man einfach von anderen angefasst wird. Zuerst gab sie mir Recht und meinte, das müsse man sich nicht gefallen lassen, auch nicht, dass Leute aus 10 m Entfernung schon herumschreien, dass man doch nach links oder rechts gehen müsse. Ich fühle mich dann jedes Mal wie ein ferngesteuertes Auto, und mir ist das außerdem peinlich, dann so aufzufallen. Dann aber kam es wieder zu den allüblichen Phrasen, das müsse man doch einfach ignorieren, das sei doch nicht so schlimm, obwohl sie mir zuvor selbst sagte, dass sie das auch stört, und dass sie dann auch schon mal was sagt. Wenn sie jemand einfach wortlos anfasst, könne sie sich ja schließlich auch wortlos wieder losreißen. Dann war ich wieder diejenige, die sich über alles aufregt, und der andere war wieder derjenige, der locker alles ignorieren kann. Ich habe selten das Gefühl, dass ich mal in solchen Punkten mit anderen auf einer Wellenlänge schwingen kann. Meistens habe ich dann das Gefühl, ich laufe gegen eine Mauer, und der andere blockt ab, einfach ignorieren, ist nicht so schlimm, kommt man schon klar damit. Dann fühle ich mich total abgewiesen und alleine. Aber insgesamt hatte ich schon den Eindruck, dass ich meine desolate Situation etwas verständlich machen konnte, vor allem die Tatsache, dass es für mich nicht so einfach ist, mich einfach mal soeben zu wehren, nachdem ich in diesen Punkten in meinem Leben wenig Unterstützung bekommen habe. Meistens nervte es mich, wenn ich irgendetwas erzählte, und dann kam der Kommentar, ist halt so. Dass es so ist, weiß ich ja, ich bin ja auch nicht blöd. Das ist genauso, wenn ich jemandem etwas erzähle, was mich sehr wundert, dann kommt immer, ja, das gibt es. Dass es das gibt, weiß ich ja auch, aber ich darf mich ja trotzdem drüber wundern. Andere tun immer so abgeklärt, das geht mir einfach auf den Geist, und ich komme mir dann immer wie ein Mensch vor, der gestern erst vom Himmel gefallen ist. Ich weiß doch auch, dass es diese Dinge gibt, dass sie gar nicht ungewöhnlich sind, aber dennoch habe ich ja meine emotionale Meinung dazu. Ich weiß nicht, ob andere tatsächlich so cool sind, und sie gar nichts mehr stört oder wundert, oder ob sie wirklich so weltklug und weise sind, und ich die einzige bin, die sich überhaupt noch über irgendetwas wundert, oder ob sie mir gegenüber einfach sich keine Blöße geben wollen, dass sie spüren, dass ich Ihnen irgendwie unterlegen bin. Mit so jemandem möchte man sich dann lieber doch nicht identifizieren, das gesteht man lieber nur Menschen gegenüber ein, die einem ebenbürtig sind. Aber wir hatten noch eine angeregte Unterhaltung, und die Zeit verging sehr schnell. Alles hat reibungslos funktioniert, wir gingen aus dem Zug, sie brachte mich noch zur Rolltreppe, ich fuhr zur U-Bahn hinunter, und so ging ich erfüllt von all diesen neuen Erlebnissen und Begegnungen nach Hause. Aber es war schon anstrengend, zumal dann, wenn man nie das Gefühl hat, sich auch wirklich mal so fallen zu lassen, dass man nicht immer in Habachtstellung sein muss. Da finde ich soziale Kontakte immer etwas anstrengend. Dennoch war ich froh, so viele neue Informationen bekommen zu haben. Ich wunderte mich auch, dass die Softwareentwicklerin so schnell die Rolltreppe fand, während ich, Dir noch einen Sehrest hat, sich immer so schwer tut. Aber so ging es mir auch in dem Hotel. Eine, die schon häufig dort war, bot eine Führung an, und sie hatte sichtlich Mühe, mir den Grundriss zu erklären, die ich ihn auch nach dem zehnten Mal immer noch nicht begriffen hatte. Man konnte einfach irgendwelchen Teppichen entlanglaufen, um an irgendwelche Stellen zu kommen, aber ich brauche dann immer eher erst einmal eine grobe Orientierung, ehe ich mich dann auf die Feinheiten einlassen kann, denn ich vergesse dann, wie oft ich schon links und rechts abgebogen bin, und irgendwann ist dann in meinem Kopf nur noch ein Zickzack. Als ich dann begriffen hatte, dass am einen Ende der Speisesaal und am anderen Ende der Medienraum ist, war die Grundstruktur schon mal aufgespannt, und der Rest ergab sich dann von selbst. Es ist schon etwas verwirrend, da der Eingang seitlich ist. Ich war zwar beeindruckt von dem Haus, doch einen Wermutstropfen in der Bedienung gab es dann schon. Wir sollten unsere Zimmer räumen, doch gab es nur zwei Leute, die betroffen waren, bei denen gleich wieder jemand einziehen würde, die anderen konnten bis zum Mittagessen damit warten, ihr Gepäck aus dem Zimmer zu nehmen. Ich war natürlich wieder mal eine mit dem Kirschkern Syndrom, wenn eine den Kirschkern hat, bin ich es. So war ich auch wieder diejenige, deren Tasche früher aus dem Zimmer raus musste. Anstatt mich aber auszurufen oder in den Seminarraum zu kommen, um mich raus zu holen, damit ich mein Gepäck aus dem Zimmer nehmen konnte, wurde meine Tasche einfach vom Personal herausgeholt. Was wäre gewesen, wenn ich nicht schon alles eingepackt hätte? Ich habe immer alles, was ich nicht mehr brauchte, gleich in die Tasche zurückgegeben. Normalerweise hätte ich dann erst einmal jemanden gebraucht, der mit mir durchs Zimmer geht und schaut, ob ich alles eingepackt hatte und nichts vergessen hatte. Als ich dann mit einer der sehenden Begleitungen zur Rezeption kam, wurde mir eröffnet, man habe meine Tasche schon rausgenommen, wir könnten aber dennoch mal ins Zimmer gehen und schauen, ob nichts drin geblieben war. Ich empfand das als massive Grenzüberschreitung. In einem normalen Hotel hätte man sich das wahrscheinlich nicht erlaubt. Und bei anderen hätte man das wahrscheinich auch nicht gemacht. Irgendwie umgeben all meine Sachen meiner Aura, dass man einfach meine Grenzen übertreten darf. Auch im Krankenhaus hatte ich das schon, als ich einmal vor zehn Jahren von der Dialyse auf Station kam, war alles schon gepackt, man hatte einfach meine Sachen, und auch noch die der Nachbarin, in meinen Rucksack geworfen, mich aus dem Zimmer ausquartiert, so das ich im Schwesternzimmer meine Mahlzeit einnehmen musste. Wie ich dann nach Hause kommen würde, und wo ich mich aufhalten sollte, war dann mein Problem. Und das nach 5 Stunden Dialyse, und wo ich am anderen Ende Deutschlands operiert wurde und ohne Übernachtungsmöglichkeit direkt mehrere Stunden hätte nach Hause fahren müssen. Ich hatte auch schon erlebt, dass eine Frau, die nach einer schweren Operation aus der zwischen intensiv zurück kam, ihre Sachen nicht mehr fand, da man mir ihren Schrank zugewiesenhatte, was ich leider nicht wusste, und ihre Sachen hatte man einfach in eine Tüte gestopft und in den Lagerraum gestellt. Als sie, noch halb in Narkose, bitterlich weinte, da man ihre schöne Bluse mit ihren Schuhen achtlos in einen Sack gestopft hatte, wurde ihr noch entgegen geschleudert, sie solle sich gefälligst nicht so aufregen, man habe ihre Sachen ja schließlich nicht versteigert, und im Krankenhaus könne man darauf keine Rücksicht nehmen. Ich muss zugeben, über das mit der Versteigerung musste ich etwas lachen, was dann im Nachhinein etwas unangebracht war. Aber die Frau und ich haben uns dann doch ganz gut verstanden. Man denkt immer, mit kranken oder behinderten kann man es halt einfach machen. Ich fand es respektlos, dass mein Gepäck einfach aus dem Zimmer genommen wurde, wahrscheinlich hätte man auch noch Dinge, die ich als Toilettenartikel im Bad hätte stehen gehabt, achtlos in die Tasche geworfen, obwohl das meine eigenen und persönlichen und intimen Gegenstände sind. Da war meine Freude über die Entwicklung, die dieses Haus vom blinden Heim zum Hotel gemacht hatte, schon etwas getrübt. Vielleicht gehe ich dann noch mal hin, zumal wir auf dem Weg zur Moschee im Bus einige Informationen darüber erhielten, was das Haus alles so zu bieten hat, und das auch zahlreiche Ausflüge angeboten werden. Normalerweise hätte ich gedacht, da ist doch der Hund begraben, was soll man den Dauunternehmen, früher gingen wir ins Bauerntheater oder zu irgend einem Herrgottsschnitzer, das fand ich damals wirklich nicht so prickelnd. Aber es werden auch sehr interessante Ausflüge mittlerweile zu einer Käserei, einer Kaffeerösterei oder einer Schokoladenfabrik angeboten. Das reizt mich natürlich wesentlich mehr, als in irgendeiner Klamm Herumzuwandern und mir den Hals zu brechen oder durch die Gegend zu wandern in wilder Natur, wo einem noch die Äste ins Gesicht fliegen. Damit hab ich es halt nicht so. Wenn ich wieder schwimmen gehen darf, was ich mit meinem Nephrologen noch abklären muss, werde ich vielleicht doch mal dorthin gehen. Mein nächster Urlaub wird aber wahrscheinlich in Vorarlberg sein. Insgesamt fand ich das Seminar und alles drumherum sehr bereichernd, und ich zehre noch sehr von den vielen Vorträgen und Informationen, die ich bekommen habe, da ich besonders den Dingen aus anderen Ländern, was Behinderte und Frauen angeht, und auch sonst in politischer Hinsicht allem sehr aufgeschlossen bin. In zwei Jahren ist wieder ein Seminar, vielleicht gehe ich wieder hin. Allerdings interessieren mich die Frauenthemen, die manchmal auch angeboten werden, wie zu Beispiel Wellness nicht zu sehr, obwohl man auch Dinge anbietet, wie zum Beispiel kleine handwerkliche Tätigkeiten auszuführen. Aber wenn ich meine zehn Daumen noch heil wieder zurückbringen will, sollte ich das lieber lassen, denn hier bin ich wahrscheinlich hoffnungslos. Auf jeden Fall habe ich eine ganze Menge an neuen Erfahrungen gemacht, und besonders hat mich erstaunt, dass sogar Dinge, die mir eigentlich sonst nicht so gefallen, wie zu Beispiel Märchen, großen Spaß gemacht haben. Auch das Essen war super, die Bedienung war hervorragend, und auch das Personal war sehr freundlich. Es gab auch eine Krankenschwester dort, so das ich Blutdruckkontrolle und Gewichtskontrolle wegen der Transplantation gut durchführen konnte. Alles in allem war es doch eine spannende Erfahrung. Ich fand alles toll organisiert, und das Programm war wirklich extrem reichhaltig. Es war eine sehr weite kulturelle Spanne vorhanden.